Aachen: Gangster leugnet Überfall auf Lücker

Aachen: Gangster leugnet Überfall auf Lücker

Ein Rucksack mit DNA-Spuren wurde dem Angeklagten zum Verhängnis.

Weil Peeter K. (31) nach Auffassung der 1. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht bei dem spektakulären Überfall auf den Juwelierladen Lücker am Elisenbrunnen im Jahr 2003 dieses Behältnis im Eifer des Gefechts im Laden vergaß, wurde er jetzt wegen schwerer räuberischer Erpressung verurteilt.

Der bereits wegen Raubes in einem anderen Fall abgeurteilte Mann aus Estland muss jetzt unter Einbeziehung des Essener Urteils neuneinhalb Jahre absitzen. Bis zum Schluss hatte der an ähnlich ausgeführten Überfällen in Belgien beteiligte Räuber beteuert, dass diese Tat nichts mit ihm zu tun habe. Wie seine Spuren an dem bei Lücker liegengelassenen Rucksack gekommen seien, konnte er dem Gericht unter Vorsitz von Richter Arno Bormann nicht erklären.

Jedenfalls nicht so schlüssig, dass die Kammer sich zu einem Freispruch durchringen mochte. gerade das ähnliche Tatmuster in Belgien und die einschlägigen Belastungen, hieß es im Urteilstenor , lägen die Mittäterschaft des Angeklagten nahe, ausreichende Zweifel gebe es daran nicht.

Damals im Januar 2003 stürmten gegen Mittag fünf maskierte und teilweise bewaffnete Täter den Juwelierladen am Friedrich-Wilhelm-Platz, sie gingen beinahe militärisch vor, wie Zeugen schilderten. Insgesamt waren es sechs Männer, von denen einer draußen stand und einen Fuß zwischen die nur durch einen elektrischen Kontakt zu öffnende Türe stellte. Drinnen ging es laut und gefährlich her, wie übereinstimmend der Juniorchef des renommierten Juweliergeschäfts, René Lücker, wie auch die damalige Verkäuferin Angelika S. beschrieben hatten.

Die Juwelenräuber hätten sich in einer unbekannten und „sich mehr nach Osten anhörenden” Sprache, erinnerte sich die Verkäuferin, verständigt. In der Hektik des Überfalls hatten sich die Täter gegenseitige Anweisungen und Befehle beinahe schreiend an den Kopf geworfen. Angelika S. wurde eine Pistole an den Kopf gehalten, René Lücker mit einem Fußtritt zu Boden gebracht.

Dann hätten sich die einige der mit Sturmhauben oder Schals maskierten Männer auf die Auslagen gestürzt. „Es waren sehr teure Uhren, etwa von Cartier, dabei”, erinnerte sich die Mitarbeiterin des Juweliergeschäftes. Die Bande nahm Diebesgut im Wert von rund 100.000 Euro mit auf die Flucht, ganz große Beute machten sie allerdings nicht.

Internationale Bande?

Doch das war wahrscheinlich auch nicht die Absicht, weil es den Tätern nach den Beobachtungen von Passanten auf absolute Schnelligkeit angekommen sei. Sie stoben beim Verlassen des Geschäfts in der belebten Mittagszeit in alle Richtungen auseinander, später wurden im Elisengarten eine Sturmhaube und eine weggeworfene Pistole gefunden.

Von weiteren Tätern fehlt bis heute jede Spur. In den Jahren 2001 und 2004 hatten weitere Überfälle auf Aachener Juweliergeschäfte für Furore gesorgt, sie zeigten alle eine professionelle Handschrift. So hatte Richter der Vorsitzende Richter bereits zu beginn gefragt, ob Peeter K. als Teil einer internationalen Bande die Tat begangen habe. Der Este schüttelte den Kopf und blieb dabei: Er sei nie am Elisenbrunen gewesen.

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