Aachen: Galerie Freitag 18.30: Kompositionen, Licht- und Formgefüge

Aachen: Galerie Freitag 18.30: Kompositionen, Licht- und Formgefüge

Vor allem die Bilder von Fritz Winter sind eine Besonderheit in Aachen. Der Schüler von Klee, Kandinsky und Schlemmer am Dessauer Bauhaus und spätere Kunstprofessor erhielt von den Nazis Malverbot, seine Bilder wurden außerhalb Europas versteckt.

Nun zeigt die Galerie Freitag 18.30 Winter-Bilder aus den sechziger Jahren im Rahmen einer Gemeinschaftsausstellung mit dem Aachener Künstler Sascha Berretz und der in Düsseldorf lebenden japanischen Malerin Ruri Matsumoto — ihr großes gemeinsames Thema ist Komposition, Formgefüge und Licht.

Winters Malerei ist Abstraktion pur mit der Intention, ganz im Klee’schen Sinne Unsichtbares sichtbar zu machen — in diesem Fall Energien der Natur, auf die er Bezug nimmt. Mühelos kann der Betrachter die Entwicklung des Künstlers durch die Jahrzehnte nachvollziehen. Seine Farbwahl, die Formensprache und eine gewisse Nähe zur Architektur formulieren in seinem Spätwerk einen Zeitgeist, mit dem der Betrachter sich gerne auch hinsichtlich der Gemälde von Sascha Berretz und Ruri Matsumoto auseinandersetzt.

Bilder mit Bezug zu Architektur

Sascha Berretz neue Bilder nehmen Bezug auf Häuser des amerikanischen Architekten-Ehepaares Eames und Frank Lloyd Wright, die ein hohes Maß an Transparenz durch Glasflächen erreichen, in denen die Natur sich spiegeln kann. So führt Berretz seine Auseinandersetzung mit Bauhaus-Architektur über Mies van der Rohe bis hin zu Eames und Wright fort und intensiviert diese Auseinandersetzung von Architektur und Natur unter anderem durch eine neue, bisweilen leicht surreal anmutende Farbigkeit, die bei aller Transparenz mehr Licht und Kontraste schafft.

Dicht an- und übereinander

Ruri Matsumoto hingegen malt ihre Räume wie bunte Collagen von teils transparenten Streifen, die bisweilen sehr dicht an- und übereinanderliegen und neben den Farbflächen Fluchten, Perspektiven und eine lebendige, pulsierende Struktur bieten. Gehalten wird der wilde Fluss der Form- und Farbgefüge durch weiße Bahnen, die ihrerseits ein zusätzliches fließendes Chaos entwickeln und gleichzeitig eine gewisse Ruhe in die ständige Veränderung bringen — alles fließt, wie in der Natur.

Drei sich aufeinander beziehende Ausstellungen in einer ist die Dreier-Schau, die nicht nur von einem hohen Maß an künstlerischer Souveränität gekennzeichnet ist, sondern auch vom jeweiligen Zeitgeist wie etwa Aufbruch, Reflexion und Chaos.

Die Ausstellung ist außerordentlich sehenswert und hängt noch bis zum 27. November an der Steinkaulstraße 11. Geöffnet ist die Galerie donnerstags von 14 bis 21 Uhr, freitags von 18.30 bis 21 Uhr und samstags von 14 bis 18.30 Uhr sowie nach Absprache.

Mehr von Aachener Nachrichten