Aachen: „Gaffer Stop“: Erster Einsatz war ein Erfolg

Aachen : „Gaffer Stop“: Erster Einsatz war ein Erfolg

Auf einer Landstraße, vor einer Leitplanke, liegt ein Pkw auf dem Dach. Der Fahrer ist im Fahrzeug eingeklemmt. Die „Landstraße“ befindet sich auf dem Gelände der Feuerwache Nord. Der demolierte Unfallwagen hat schon mehrmals für Ausbildungs- und Übungszwecke herhalten müssen. Angehende Feuerwehrleute üben hier diesmal den Umgang mit dem „Gaffer Stop“.

Als erste Feuerwehr überhaupt hat die Aachener Berufsfeuerwehr das flexible Sichtschutzsystem für den Einsatz an Unfallstellen angeschafft. Seit April hat die Wehr den „Gaffer Stop“ im Rüstfahrzeug dabei, wenn sie zu schweren Unfällen ausrückt. Das System aus stabilen Gerüstplanen, Stangen und patentierten Halterungen kann an Unfallstellen, hauptsächlich auf Autobahnen und Bundesstraßen, auf den Leitplanken montiert werden und soll verhindern, dass lästige Gaffer die Retter behindern und womöglich auch noch fotografieren und filmen.

Wie praktikabel der „Gaffer Stop“ an Unfallstellen ist, kann die Aachener Wehr bisher allerdings nur unter Vorbehalt sagen. Denn die Planen mussten in den vier Monaten bisher nur ein einziges Mal eingesetzt werden. Anfang August, als sich auf der A 4 bei Vetschau ein Kleinlaster überschlug und der Fahrer lebensgefährlich verletzt wurde, habe sich der Sichtschutz bewährt, berichtet Philipp Schroeder, Leiter des Bereichs Technik bei der Feuerwehr: „Die Kollegen von der Freiwilligen Feuerwehr Laurensberg, die an dem System nicht geschult waren, haben den ‚Gaffer Stop‘ ganz intuitiv und schnell aufgebaut."

Einziges Manko beim ersten Praxiseinsatz: Die Aachener verfügen zwar über 60 Meter Sichtschutz, das riesige Trümmerfeld an der Unfallstelle auf der A 4 konnte damit aber trotzdem nicht komplett abgeschirmt werden.

„Gute Anschaffung“

Auch Bernd Geßmann, der stellvertretende Leiter der Aachener Berufsfeuerwehr, hält viel vom „Gaffer Stop“. „Das System erfüllt seinen Zweck“, ist er überzeugt. „Wer nichts sehen kann, bremst nicht ab. Und es war bei dem Unfall auf der A4 zu erkennen, dass der Verkehr dort flüssiger rollte.“ Gaffer, die bremsen und gucken, verursachen nicht selten weitere Unfälle auf der Gegenfahrbahn. Aus Sicht der Feuerwehrleitung, sagt Geßmann, war der „Gaffer Stop“ eine „gute Anschaffung“.

Die jungen Feuerwehranwärter simulieren unterdessen unter den wachsamen Augen ihres Ausbilders Hans Jäger den Ernstfall. Zehn Meter Plane für die Übungssituation sind zügig montiert. Bei einem echten Unfall könnten sich jetzt mehr Retter um den Verletzten im Unfallauto kümmern. Wenn der „Gaffer Stop“ im Einsatz ist, müssen Feuerwehrleute nämlich keine Decken mehr hochhalten und so provisorisch für Sichtschutz sorgen.

Aufmerksam verfolgt wird das Geschehen an der Mathieustraße auch vom Erfinder des „Gaffer Stops“. Metallbaumeister Jürgen Duesmann aus dem westfälischen Gronau hat das System zusammen mit einem Freund entwickelt. Die Aachener Feuerwehr ist sein erster Kunde — und bisher auch der einzige.

60 Meter Sichtschutz

Duesmanns Kerngeschäft ist sein Stahlbaubetrieb. Die Sache mit dem „Gaffer Stop“ läuft eher so nebenher. „Das macht den Vertrieb schwierig“, bedauert er. Interessenten gebe es aber durchaus. Duesmann hat auch eine Variante im Angebot, die sich auf Betongleitwände montieren lässt. Deshalb ist er zuversichtlich, dass seine Erfindung weitere Abnehmer finden wird. Vielleicht auch bei der Polizei. NRW-Innenminister Herbert Reul habe den Einsatzkoffer auch schon kennengelernt, berichtet Duesmann. Und wenn die Polizisten in NRW demnächst geräumigere Streifenwagen bekommen, hofft er, ist darin vielleicht auch Platz für den „Gaffer Stop“.

Die Aachener Feuerwehr hat in ihrem Rüstwagen keine Platzprobleme. Sie kann ihre 60 Meter Plane problemlos zum Einsatzort fahren. „Und wenn die nasse und kalte Jahreszeit kommt, werden wir wohl wieder öfter auf der Autobahn zu Einsätzen müssen“, erwartet Bernd Geßmann.

Gemeinsam mit dem Entwickler des Systems hat Philipp Schroeder den Prototypen auf die Bedürfnisse der Aachener Wehr abgestimmt. Schließlich müssen seine Kollegen die Halterungen auch mit dicken Handschuhen anbringen können. „Und das System muss feuerwehrrobust sein“, sagt Schroeder. „Wenn da ein kräftiger Feuerwehrmann dran zieht, darf das nicht gleich kaputt sein.“

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