Aachen: Furiose Zeitreise durch das alte Aachen

Aachen: Furiose Zeitreise durch das alte Aachen

Im Jahr 9 nach Christi Geburt, mutmaßen die Historiker, hätten germanische Scharen, angeführt vom Cheruskerkönig Arminius, im Teutoburger Wald drei römische Legionen des P. Quinctilius Varus aus dem Hinterhalt überfallen und vernichtend geschlagen. Genau 2000 Jahre später überrannten Germanen vom Stamme der Aachener erneut die Römer.

Die Aachener kamen dieses Mal nicht aus dem Hinterhalt, sondern in friedlicher Absicht, aber in mehrhundertköpfigen Scharen. Im Elisengarten wollten sie am Wochenende schauen, was von den ollen Römern auf Aachener Boden übriggeblieben ist.

Welch ein unvergessliches Schauspiel sie erleben! Angeführt wird die Heerschar vom Stadtarchäologen Andreas Schaub (44), seit Juni 2006 in städtischen Diensten. Schaub lässt seit einem halben Jahr von Experten unter einem etwa 80 x 50 Meter großen, weißen Zelt hinter der Rotunde unterm Gras des Elisengartens nach Vergangenheit buddeln.

Donnerstags führte er eine Stunde durch die Entdeckungen, im Schnitt marschierten knapp 100 Interessierte mit. Zur letzten Führung am Donnerstag aber rückten unerwartete 800 Wissbegierige an - eine Menge, die kaum noch zu leiten war und in deren Spektakel eine Dame sogar einen Schwächeanfall erlitt und kopfüber in eine Grube stürzte.

Für den letzten Samstag mit zwei Sonderführungen um 11 und 13 Uhr sorgt Andreas Schaub vor. Eigenhändig klebt er gegen zehn Uhr die Zettel „Betreten auf eigene Gefahr” und „Aus Sicherheitsgründen muss die Teilnehmerzahl begrenzt werden” ans weiß-rote Plastik-Absperrgitter. Da stehen schon mehr als zehn Leute vorm Eingang in der Hartmannstraße an. Ein älterer Herr greift ahnungsvoll zum Handy: „Setz Dich langsam in Bewegung, es wird etwas eng hier.”

Eng wird es von Sekunde zu Sekunde. Punkt 11 Uhr stehen zwei breite Schlangen bis hinter den Geldbrunnen hoch und zum Elisenbrunnen runter, schätzungsweise 600 Menschen. Nur noch rund 250 dürfen abgezählt ins Zelt, der große Rest wird auf die zweite Chance um 13 Uhr vertröstet und verläuft sich ohne Murren. Um 13 Uhr aber ist die Schlange wieder 400 Köpfe stark. Andreas Schaub bietet noch eine dritte Sonderführung für 14.45 Uhr an.

Die 250 Sieger der ersten Runde aber schreiten glücklich durch zwei Eingänge ins Ausgrabungszelt. Ringsum hinter die Absperrungen verteilt erleben sie vor der 1000 Quadratmeter großen Ausgrabungsfläche mit ihren stellenweise mehr als zwei Meter tiefen, kreuz und quer laufenden Gräben, Gruben, Löchern und Steinwänden und -fundamenten eine wahrhaft spektakuläre Schau des Andreas Schaub - und eine furiose Zeitreise von der Jungsteinzeit bis ins Mittelalter.