Aachen: Fundamente für die Windkraftanlagen im Münsterwald gegossen

Aachen : Fundamente für die Windkraftanlagen im Münsterwald gegossen

Science-Fiction-Liebhaber dürften an der Baustelle im Münsterwald zurzeit ihre wahre Freude haben. Eine gewisse Ähnlichkeit des Fundaments für die neuen Windkraftanlagen mit unbekannten Flugobjekten, wie sie insbesondere in den 1960er Jahren im Fernsehen zu sehen waren, ist unverkennbar.

Und die Liste der Menschen, die die umstrittenen Anlagen am liebsten zum Mond schießen würden, ist sicherlich lang. Mindestens so lang, wie der Streit um den Windpark Münsterwald selbst.

Tonnenschwer: Science-Fiction-Liebhaber könnten in dem Fundament, das aus rund 750 Kubikmeter Beton besteht, auch ein unbekanntes Flugobjekt sehen.

Fast zehn Jahre, nachdem das juristische Ringen um den Windpark begann, herrscht auf der Baustelle rege Betriebsamkeit. Bagger schaufeln Erde. Arbeiter bringen Eisenstangen in Stellung. Und Lastwagen transportieren tonnenschweres Werkzeug. „Wir befinden uns in der Hochphase der Bauarbeiten rund um das Fundament“, berichtet Eva Wußing, Pressesprecherin der Stawag.

Beeindruckende Größenordnung: Neben Beton gehören auch imposante Stahlkonstruktionen zum Fundament.

Der Energieversorger ist der künftige Betreiber der fünf Windkraftanlagen westlich der B258. Ende Oktober sollen sie ans Netz gehen. Dass dies auch gelingt, daran zweifelt Wußing nicht. „Wir sind im Zeitplan.“ Zwei Fundamente wurden bereits gegossen. Drei weitere sollen bis Juli folgen. Mehr als 40 Millionen Kilowattstunden Energie soll der Windpark am Ende pro Jahr produzieren — das entspricht dem Bedarf von etwa 12500 Haushalten. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf rund 30 Millionen Euro.

Mehr als 100 Fahrten

Diese Ausbeute erfordert ein stabiles Fundament — im wahren Wortsinn. Damit die rund 200 Meter hohen Rotorenanlagen sicher in den Waldboden gepflanzt werden können, ist einiges an Vorarbeit nötig. Rund 750 Kubikmeter Beton gießen die Arbeiter im Münsterwald — pro Fundament. Zur Veranschaulichung: Das entspricht mehr als 100 Betonmischerfahrten, wie Wußing berichtet. Das Ergebnis ist ein drei Meter tiefes Gebilde mit einem Durchmesser von etwa 27 Metern — und der bereits erwähnten Ähnlichkeit mit der Oberfläche eines Ufos aus Science-Fiction-Serien.

Damit das nicht so bleibt, schaufelt Andy Klein zurzeit tonnenweise Erde. Mit dem entsprechend großen Gerätschaften, versteht sich. Etwa eine Woche lang werde das Fundament verfüllt, erklärt der Maschinist. Rund 2000 Kubikmeter Erde seien nötig, damit letztlich der Kran nah und vor allem hoch genug an die Grube herankommt, um „den Stern zu setzen“ — die Flügel also.

In einer Woche könnten somit theoretisch schon die Schwertransporter mit den Turmelementen und Rotorblättern anrollen. Dass es nicht ganz so schnell geht, betont Eva Wußing. Erst im August werden die Großkomponenten erwartet. Die Transporte sollen dann vor allem nachts erfolgen. Insgesamt rechnet die Unternehmenssprecherin für die fünf Windräder mit 13 Schwertransporten.

Für Pendler, die regelmäßig in die Eifel fahren, bedeuten die Bauarbeiten aber schon jetzt vor allem eins: mehr Verkehr auf der Himmelsleiter. Bislang seien die Arbeiten jedoch ohne größere Verkehrsbehinderungen für den Otto-Normal-Fahrer vonstatten gegangen, so Wußing. Die Abbiegespur, die ein paar hundert Meter hinter Relais Königsberg in Fahrtrichtung Roetgen eigens für die Einfahrt in den Windpark eingerichtet wurde, habe sich bewährt. Der Verkehr fließt weiter einspurig. „Das läuft relativ unkompliziert.“ Das gleiche gelte für die Baustellenausfahrt, für die eine Ampel installiert wurde.

Das erhöhte Verkehrsaufkommen gehört indes nicht zu den Gründen, warum Herbert Klinkenberg die Windrad-Fundamente wenn schon nicht bis zum Mond, dann aber am liebsten wohl doch zumindest fernab des Münsterwalds schicken würde. Er sorgt sich um den Umweltschutz. „Der Wald ist der falsche Standort für diese Industrieanlagen“, ist der Aachener überzeugt.

Die Arbeiten, die derzeit im Münsterwald vonstatten gehen, beobachte Klinkenberg, der bei der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) aktiv ist und seit Jahren gegen den Windpark kämpft, deshalb ganz genau. Und hat nach eigenem Bekunden zahlreiche Verstöße gegen den Umweltschutz beobachtet. So kritisieren er und seine Mitstreiter weiter, dass Wasser, das sich in den Baugruben sammelt, unrechtmäßig abgepumpt werde. Zudem werden die Laichgewässer laut Klinkenberg durch die Baumaßnahme „auf Dauer unbrauchbar“. Diesen Vorwurf weist Wußing für die Stawag deutlich zurück: „Die Baustelle wird wie genehmigt geführt, dazu gehören auch die Gewässer.“ Zudem stimme man sich laufend mit der Unteren Wasserbehörde ab.

„Wir haben genug Zeugen, die bezeugen, dass das Laichverhalten im letzten Jahr bei Null war“, ist Klinkenberg nicht überzeugt. Das sei alles dokumentiert, ebenso wie tote Kröten, die die Naturschützer immer wieder finden. Mittlerweile füllten Fotos wie diese zusammen mit zahlreichen Abmessungen, Vogelzählungen und weiteren Unterlagen allein bei Klinkenberg knapp zehn Aktenordner. Weitere Ordner hätten seine Mitstreiter der Bürgerinitiative „Rettet den Münsterwald“ gesammelt.

Dass ihr Protest den Bau der Windradanlage noch verhindern könnte, glaubt aber selbst Klinkenberg nicht. Obwohl die Initiative im März mit einem Eilantrag beim Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster vorstellig wurde, um den Bau noch zu verhindern. Die Entscheidung des Gerichts steht noch aus, wie Gudrun Dahme, Pressedezernentin und Richterin am OVG auf Anfrage bestätigt — auch über die Berufung im Hauptverfahren sei noch nicht entschieden. Die Stawag baut trotzdem — sehr zum Unmut der Windpark-Gegner. Davon beirren lassen will sich Klinkenberg aber nicht. „Es ist frustrierend, aber wenn sich keiner dieser Aufgabe widmet, baut die Industrie, wo sie will.“ Ob nun für Science-Fiction-Liebhaber oder nicht.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version war die Investitionssumme irrtümlicherweise mit 30.000 Millionen Euro beziffert. Tatsächlich werden 30 Millionen Euro investiert. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.