Aachen: Für den Preisträger gibt es von Mamin Miah nur Bestnoten

Aachen : Für den Preisträger gibt es von Mamin Miah nur Bestnoten

Als Bundespräsident Joachim Gauck in seiner Karlspreis­ansprache die Vorzüge eines offenen Europas pries und einen kleinen Jungen mit der Frage zitierte, „Papi, was ist eigentlich eine Grenze?“, hätte einer im Publikum sicher viel zu sagen gehabt: Mamin Miah, 19 Jahre alt, aus Bangladesch.

Unter Lebensgefahr hat er vor drei Jahren das dicht besiedelte und arme südasiatische Land in Richtung Europa verlassen. Nach 25 Tagen auf See, versteckt in einem Container, erreichte er im September 2012 als sogenannter unbegleiteter minderjähriger Flüchtling Deutschland. Gestern saß er im Krönungssaal und verfolgte die Reden führender Staatschefs. „Ich habe noch nie einen Präsidenten oder einen König gesehen“, sagte er, „jetzt bin ich auf so einem Fest, ich kann es nicht glauben.“

Möglich gemacht hat es Aachens grüne Bürgermeisterin Hilde Scheidt, die in diesem Jahr einen Flüchtling als Begleiter wählte. Mamin Miah sei ein Botschafter für all die jungen Menschen, die in Deutschland Schutz vor Krieg, Verfolgung und Elend suchen, sagt sie. „Wir sind verpflichtet, diesen Menschen ein Zuhause zu geben mit allem, was dazu gehört.“

Für Mamin Miah ist Aachen bereits eine zweite Heimat geworden mit allem, was dazu gehört. Er habe viele Kontakte, sagt er. Nach seinem Realschulabschluss hat er an der RWTH eine Ausbildung zum Geräte- und Systemelektroniker angefangen. Seinen ersten Aufenthaltsort in Maria im Tann hat er inzwischen verlassen und eine eigene Wohnung im Preuswald bezogen. „Ich bin stolz, dass ich in Aachen bin, wo auch Martin Schulz herkommt“, sagt er.

Überhaupt Schulz. Für den 19-Jährigen aus Bangladesch ist der EU-Parlamentspräsident „ein perfekter Mensch“. „Ich habe mich über ihn informiert, aber jetzt weiß ich, dass er noch besser ist“, meint Miah nach Ende der Veranstaltung. Er lobt den Fleiß, mit dem es Schulz vom Buchhändler zum Bürgermeister und weiter bis an die Spitze des europäischen Parlaments gebracht hat. „Un-glaublich“, strahlt er. „Er kämpft und er streitet für die Demokratie.“

Vor allem aber wolle Schulz „etwas Gutes für uns tun und uns eine Chance geben, hier leben zu können“. Mit „uns“ meint Miah die ungezählten Flüchtlinge, die weltweit auf der Suche nach einem sicheren und besseren Leben sind. Aus allen Reden hat Miah am Donnerstag herausgehört, „dass man uns helfen will“. Das habe ihn „sehr gefreut.“ Und so konnte er nur heftig zustimmen, als Schulz ausführte, dass Europa jungen Menschen in der ganzen Welt Hoffnung auf ein besseres Leben macht.

Wie schwer die Grenzen jedoch zu überwinden sind, die Europa um sich herum gezogen hat, weiß Mamin Miah nur zu gut. „Es sterben viele, auch ich wusste, dass ich mein Leben riskiere. Es ist gefährlich, aber die Menschen gehen trotzdem, weil sie sonst keine Chance haben“, sagt er über die Fluchtgründe. Und obwohl Miah am Himmelfahrtstag vielen Staatschefs so nahe war, muss er weiter um seinen Aufenthalt bangen. Schon im Juni könnte ihm die Abschiebung aus Deutschland drohen.

Gerne hat er sich daher auch den Button angesteckt, den die Grünen anlässlich der diesjährigen Karlspreisverleihung großflächig verteilt haben: „Flüchtlinge aufnehmen“ ist darauf zu lesen. Mit der Aktion sollte die gegenwärtige Abschottungspolitik der Europäer angeprangert und für legale und sichere Fluchtwege geworben werden.