Für den CHIO hat Carl Meulenbergh klare Ziele

Der ALRV-Präsident im Interview : Einfaches „Pling“ in Richtung Zukunft

Wenn es „Pling“ macht, ist Carl Meulenbergh ganz vorne im digitalen Zeitalter dabei. Eine neue Nachricht auf seinem Instagram-Account. Bloggerinnen auf dem CHIO haben Meulenbergh in die Welt der bunten Bilder eingeführt. „Ich mach da natürlich gerne mit“, sagt Meulenbergh.

Tradition und Moderne sind Themen, die den Präsidenten des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV) aktuell beschäftigen. Im Interview mit unseren Redakteuren Albrecht Peltzer und Robert Esser wirft der jetzt 75-Jährige einen Blick zurück und verrät, was er sich für die Zukunft wünscht.

Vor fünf Jahren zum 70. Geburtstag, da haben Sie sich selbst ein Geschenk gemacht – eine Geiß, die Sie gejagt haben. Was gab es zum 75. Geburtstag?

Meulenbergh: Dieses Mal nichts Spezielles. Natürlich bin ich zur Jagd gegangen, in Österreich, aber auch hier. Weil ich einfach gerne zur Jagd gehe und das dann tue, wenn ich Zeit und Muße dazu habe.

Finden Sie auch noch Zeit für Ihre anderen Hobbys? Sie sind begeisterter Tennisspieler und Golfer.

Meulenbergh: Tennis nicht mehr, es sei denn, dass ich meinem Enkelsohn Carl-Linus zu Spielen begleite, das mache ich selbstverständlich sehr gerne. Aber Golf spiele ich noch regelmäßig. Sehr gerne auch zu Charity-Turnieren, um zu helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Nur in den letzten Wochen habe ich nicht so viel gespielt, weil ich mir erlaubt habe, vom Hochsitz zu fallen. Das Knie war ziemlich lädiert, und ich mache jetzt erst wieder die ersten Versuche auf dem Golfplatz.

Bleibt Ihnen denn genug Zeit, neben Ihren offiziellen Aufgaben noch dem Hobby zu frönen?

Meulenbergh: Man sagt Rentnern ja gerne nach, kaum noch Zeit zu haben. Aber mir ist es wichtig, mir diese Zeit für meine Interessen zu nehmen. Meine Familie ist mir sehr wichtig. Meine sechs Enkelkinder, mein Sport, meine Jagdleidenschaft. Und wie Sie sich denken können, fühle ich mich dem ALRV nicht nur sehr verbunden, der CHIO fordert natürlich auch seine Zeit.

Eine bessere Überleitung hätte uns nicht einfallen können. Stichwort Reitsport. Wie oft kann man Sie denn noch im Sattel erleben?

Meulenbergh: Also im Sattel eigentlich nicht mehr, es sei denn, wenn ich ein Pferd noch einmal zwei, drei Runden trocken reiten darf. Aber das ist ganz selten. Eigentlich nur, wenn ich den Enkelkindern zeigen möchte: Der Opa kann wirklich reiten!

Ihre Beziehung zum Reitsport war mit leichten Anfangsschwierigkeiten versehen. Wie kam das?

Meulenbergh: Das kann ich Ihnen gerne erzählen. Ich hatte ja eine ältere Schwester, die sehr gut geritten ist. Was für mich wohl nicht galt. Zu der Zeit sagte mein Vater immer zu mir: „Du versaust mir die Pferde.“ Und darüber war ich so beleidigt, dass ich zur Leichtathletik gegangen bin.

Sie haben einmal gesagt, dass ein Segen des Älterwerdens sei, Herr über den eigenen Terminkalender zu sein. Aber im Ruhestand sind Sie sicher nicht. Ihr Engagement als Präsident des ALRV nimmt doch breiteren Raum ein. Da gibt es einiges, was Sie sich noch vorgenommen haben.

Meulenbergh: Ja, sicher. Da haben wir uns viel vorgenommen. Zum einen wollen wir das jetzige Niveau halten. Wer jetzt Karten für das nächste Jahr haben will, der bekommt in mancher Kategorie schon Probleme. Gerade eben habe ich noch einen Anruf bekommen, ob ich für einen Interessenten aus Ungarn Karten für die Dressur am Sonntag besorgen könnte. Da gibt es aber gar keine mehr. Auch dem Präsidenten sind da die Hände gebunden.

Der CHIO als traditionelles Turnier von Weltruf ist die eine Sache, die Andere lautet Entwicklung. Sie wollen sich nicht auf Bestehendem ausruhen, oder?

Meulenbergh: Natürlich nicht. Wir müssen wachsen. Und die Pläne sind ja auch ganz konkret. Gemeinsam mit unseren Nachbarvereinen wollen wir auf dem Gelände des jetzigen Politzeipräsidiums erweitern.

Was hat der ALRV da konkret vor?

Meulenbergh: Wir sind heute für die Besten der Welt der entscheidende Turnierausrichter. Aber wir wollen das nicht darauf beschränken. Unser Ziel ist es, auch für den Nachwuchs erste Adresse zu werden. Wir wollen internationale Jugend noch stärker an das Turniergelände binden. Dazu brauchen wir einen weiteren Turnierplatz, weitere Traininngsmöglichkeiten, eine neue Halle und neue Stallungen. Das ist eine Herausforderung, die mir persönlich ganz wichtig ist. Wir sind in guten Gesprächen mit allen Verantwortlichen in Stadt und Land. Die Entwicklung des Projekts wird nicht einfach, aber wir sind über kurz oder lang auf gutem Weg.

Das ist doch die Frage: Geht es Ihnen nicht zu langsam?

Meulenbergh: Ganz eindeutig: Ja! Aber manches braucht eben Zeit. Erst muss die Polizei umziehen, dann müssen Stadt und Bau- und Liegenschaftsbetrieb eine Lösung für das Gelände finden. Das Gute ist, dass es der politische Wille ist, dass das Grundstück zur Erweiterung des Sportparks Soers genutzt wird. Es ist auch unstrittig, dass das Aachener Turnier im Interesse der Stadt und des Landes NRW ist, weil es einzigartig vielleicht in der ganzen Welt ist. Wir sind überzeugt, dass das alles eine Einigung befördert. Ob mir das dann schnell genug geht oder nicht, das ist ein anderes Thema.

Aber mit Ihren Nachbarn ziehen Sie an einem Strang.

Meulenbergh: Ganz sicher. Vieles lässt sich auch gemeinsam machen. Nur eines geht – anders als ich es früher gedacht habe – nicht: Eine gemeinsame Halle für alle Sportarten lässt sich nicht realisieren, dafür sind die Anforderungen zu unterschiedlich. Außerdem kommt es zu Terminüberschneidungen mit den Ladies in Black – bei denen übrigens hervorragende Arbeit geleistet wird.

Die räumliche Expansion ist ein großes Thema, Digitalisierung eine weitere Herausforderung. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Meulenbergh: Schon als Landrat habe ich gesagt: Digitalisierung ist die Herausforderung der Zukunft. Stellen wir uns dieser Aufgabe. Das gilt auch für heute.

Und auch für Sie persönlich?

Meulenbergh: Natürlich! Seitdem wir die Blogger auf dem Turnier haben, bin ich bei Instagram zu Hause. Was ich nicht bedacht habe, ist, dass das Digitale keine Zeitbeschränkung hat. Dann macht es um 2 Uhr nachts schon einmal „Pling“ auf meinem Handy. Ich durchschaue das alles nicht so ganz, aber eine Mitarbeiterin des CHIO wird mich noch einmal auf den Stand in Sachen Instagram, Whatsapp und Social Media bringen. Mir macht das Spaß, wobei ich auch manchmal denke, dass durch diese Kanäle die richtige Kommunikation unter den jungen Menschen ein wenig verloren geht. Die sind über vieles informiert, aber sie definieren Kommunikation schon anders, als unsere Generation das tut.

Aber an der Digitalisierung führt kein Weg vorbei.

Meulenbergh: Nein, das ist die Zukunft. Man sieht es ja auch in anderen Sportarten. Da wird auch noch mehr kommen, aber ich betone gerne: Alles Digitale ersetzt nicht die Atmosphäre, die bei uns herrscht. Man merkt man das am besten beim Abschied der Nationen, der ist völlig analog. Neben allen medialen Entwicklungen - diese Tradition ist uns wichtig, sie gilt es zu erhalten. Und wegen ihr kommen auch die Zuschauer.

Könnten es eigentlich noch mehr als 360.000 Zuschauer beim CHIO Aachen sein? Gibt es eine Zielvorgabe?

Meulenbergh: Es geht uns nicht um immer mehr oder immer größer. Es geht uns darum, zu versuchen, immer ein bisschen besser zu werden, wenn dann noch mehr Besucher kommen, umso besser.

Und daher wünschen Sie sich auch olympische Reiterspiele in Aachen, oder?

Meulenbergh: Das kann ja dauern, ich fürchte, zu denen würde ich nur noch am Stock kommen können. Aber ich hoffe, dass NRW das in der näheren Zukunft hinbekommt.

Sie gelten als sehr durchsetzungsfähig und als ein sogenannter Handschlagspolitiker. Ist das heute noch angesagt, oder erleben Sie das anders, braucht man für alles den hundertseitigen Vertrag?

Meulenbergh: Für mich ist ein Wort ein Wort. Wir haben natürlich heute das Problem, dass fast jede Entscheidung größerer Art vor Gericht beklagt wird. Das heißt, man braucht für fast alles im Vorfeld eine gutachterliche Expertise. In meinen Augen ist das eine Katastrophe. Man kann heute über viele Stationen Recht bekommen, und irgendwann kommt ein Gericht und stoppt das. Die Verlässlichkeit bei der Entwicklung ist das Problem. Man muss sehen, was das für Investoren bedeutet. Früher sagte man: Machen wir. Heute gibt es unglaublich viele Unwägbarkeiten, die Entwicklungen verzögern oder gar stoppen können.

Sie haben lange auch auf der anderen Seite gestanden. Als Landrat waren Sie mit dem damaligen OB der Stadt Aachen, Jürgen Linden, einer der Väter der Städteregion Aachen. Wie ist ihr heutiger Blick auf die politische Ebene?

Meulenbergh: Ich bin von der Idee der Städteregion nach wie vor überzeugt, aber man muss sie konsequent weiterentwickeln. Bedenken Sie, dass es 1972 die kommunale Neugliederung gab – und die Unterscheide zum Beispiel zwischen Kohlscheid und Merkstein sind immer noch da. Das ist ein langer Prozess. Aber der eingeschlagene Weg ist richtig. Nur eines stört mich: Der Begriff Städteregionsrat oder Städteregionsrätin. Städteregionspräsident oder -präsidentin wäre besser gewesen. Mit diesem Wort „Rat“ kann kein Mensch etwas anfangen.

Würden Sie denn die neue Städteregionsrätin oder den neuen Städteregionsrat mit auf die Jagd nehmen?

Meulenbergh: Ja, das würde ich machen. Und ich würde gerne auch darüber sprechen, wie es meiner Meinung nach mit der Städteregion weitergehen muss.

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