Aachen: Für Behinderte ist hier kein Durchkommen

Aachen: Für Behinderte ist hier kein Durchkommen

„Heute wird allerorten von Barrierefreiheit gesprochen. An dieser Treppe ist jedoch Schluss für Personen mit Behinderungen, mit Kinderwagen oder gegebenenfalls auch für Hundebesitzer mit Vierbeinern. Sie sind auf Monate vom stadtauswärts befindlichen Naherholungsgebiet abgeschnitten“, ärgert sich Leser Klaus Wilmes über die Baustelle im Neubaugebiet Melaten, die ihn auf dem Weg vom Rabentalweg zur Melatener Straße zwingt, eine steile Treppe zu passieren.

Seit Wochen ist die Verbindung zwischen der alten (rund 25 Meter breiten) Brücke der Melatener Straße und der neuen (höchstens fünf Meter breiten) Fußgängerbrücke über die Forckenbeckstraße unterbrochen, der Grund ist nicht unbedingt einsichtig. Dass die Böschung abgebaggert wurde, hängt nämlich mit dem Bau des daneben entstehenden Parkhauses zusammen, erläutert Bernd Klass vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW.

„Das Fundament des Parkhauses reicht so dicht an die Brücke und damit die Böschung heran, dass diese abgetragen werden muss. Damit wird verhindert, dass Böschungsmaterial in die Baugrube nachrutschen kann. Diese Arbeiten an der Brücke können nur im Zusammenhang mit dem Bau des Parkhauses durchgeführt werden. Später wird die Böschung wieder hergestellt, die dann an der Parkhauswand abgefangen wird.“ Doch das dauert — wahrscheinlich im September ist das Parkhaus mit 800 Plätzen erst fertig.

Und so lange müssen Fußgänger die steile Behelfstreppe mit 39 Stufen nutzen, Radfahrer werden abgeleitet und sollen eine Ausweichstrecke fahren. „Von der Hörn kommende Radfahrer werden auf eine 1,2 Kilometer lange Umleitungsstrecke geschickt, bei der allein der Anfangspunkt markiert ist. Dass diese Umleitung realitätsfremd ist, beweisen die geparkten Drahtesel am Wegesrand“, weiß Leser Klaus Wilmes aus täglicher Erfahrung.

„Der kürzeste Weg“

Denn das Radfahrverbot auf der bis auf einen schmalen Durchgang gesperrten Brücke über den Pariser Ring wird geflissentlich ignoriert, wie eine kurze Beobachtung an Ort und Stelle zeigt. Die Drahtesel werden nicht nur auf der Brücke befestigt, viele schultern den fahrbaren Untersatz auch und tragen ihn die Treppe herunter oder herauf.

Beispielsweise die 48-jährige Krankenschwester, die im Uniklinikum arbeitet. „Was soll man machen“, antwortet sie auf die Frage, weshalb sie über die Melatener Brücke fährt und nicht über eine benachbarte (Halifaxstraße oder Valkenburger Straße): „Das ist der kürzeste Weg zur Klinik.“ Die ausgeschilderte Umleitung ist für sie keine Alternative: „Hier quer durch den Park zu fahren, ist mir zu umständlich.“ Ähnlich empfindet es auch Chemiestudent Jaroslav Verkh, der allerdings vorschriftsmäßig zu Fuß unterwegs ist. Anders ein 46-jähriger Mensa-Mitarbeiter, der das Schultern des Rades gelassen nimmt: „Nicht so tragisch.“

Leser Klaus Wilmes drängt sich angesichts „der gegenwärtigen Campus-Euphorie der Gedanke auf, dass derzeit alle Planerkapazitäten mit Höherem befasst sind, so dass die Grundversorgung (Bau einer Rampe, z. B. in Serpentinen) mal wieder auf der Strecke bleibt“. Bleibt nur die Hoffnung, dass die Brücke schon früher als September freigegeben werden kann.