Windpark an der Himmelsleiter: Fünf weiße Riesen wachsen im Münsterwald

Windpark an der Himmelsleiter: Fünf weiße Riesen wachsen im Münsterwald

Das, was ein bisschen nach Rettungskapsel aussieht, die zu einem Raumschiff in einem Science-Fiction-Streifen gehört, wird wohl schon in wenigen Tagen montiert und dann selbst vom Aachener Stadtteil Schmithof gut zu sehen sein: Es ist die Nabe der Windkraftanlage W4, die dritte von insgesamt fünf, die derzeit im Münsterwald zwischen Aachen und Roetgen entstehen.

Ende Oktober soll der komplette Windpark ans Netz gehen und Strom für 12.500 Haushalte liefern. Auch wenn die weiteren Teile für den Turm des Windrads mit einer kleinen Verzögerung ankommen, ist Frank Brösse, Geschäftsführer der Stawag Energie GmbH, guter Dinge. Gemeinsam mit Robert Schade, Bauleiter der Stawag Energie, hat er sich am Freitag ein Bild vom Stand der Dinge im Münsterwald gemacht: „Was die reinen Bauarbeiten angeht, liegen wir richtig gut im Zeitplan“, sagt Brösse, rund neun Jahre nach dem Start des Projekts „Windpark Münsterwald“.

Derzeit ist W4 im Bau, das
Derzeit ist W4 im Bau, das dritte von fünf Windrädern. Die Rotorblätter liegen noch zu Boden und warten darauf, dass die Turmteile kommen. Foto: Steindl

„Die beiden westlichsten der Windkraftanlagen sind bereits fertig errichtet“, berichtet Stawag-Sprecherin Eva Wußing, „und sie werden in den nächsten beiden Wochen entsprechend verkabelt.“ Denn das Anschließen der weißen Riesen ans Stromnetz dauert wesentlich länger als der Aufbau. Insgesamt seien derzeit 24 Mitarbeiter der ausführenden Firma Vestas mit Sitz in Hamburg im Wald unterwegs, hinzu kommen Sicherheitsdienst und das Fachpersonal für die gelben Riesen, die Kräne.

Robert Schade und Frank Brösse von
Robert Schade und Frank Brösse von der Stawag Energie aus Aachen machen sich ein Bild von den Bauarbeiten im Münsterwald. Foto: Steindl

Teile wiegen bis zu 98 Tonnen

„Das schwerste Teil, das unser Kran hier emporzieht, ist der untere Teil des Turms. Und der wiegt 98 Tonnen“, sagt Robert Schade. Steht die „Basis“, werden die weiteren stählernen Turmstücke einfach aufgesteckt. „Das ist wie mit Lego zu spielen — nur für große Jungs“, sagt Schade und lacht. Währenddessen werden schon einmal die letzten Arbeiten an der Gondel getätigt — das ist der Teil des Windrads, von dem aus beispielsweise die Wartungen vorgenommen werden. Kein Job für Menschen mit Höhenangst übrigens, denn die Nabe des Windrads und damit auch die Gondel „hängt“ ziemlich genau 140 Meter über dem Waldboden.

Apropos: Etwa zehn Hektar Waldfläche hatte die Stawag zum Aufbau der Windräder roden lassen. „Die Hälfte davon werden wir wieder bepflanzen“, sagt Frank Brösse. Rund 10.000 Bäume seien insgesamt für den Windpark gefällt worden. Aufgepflanzt würden aber doppelt so viele, betont Brösse. „Hinzu kommt, dass wir ökologisch hochwertigere Bäume pflanzen“, sagt er.

Die Fichten aus dem Wirtschaftswald würden durch Hainbuchen, Wildkirsche und Feldahorn ersetzt. Lediglich 0,6 Prozent der Waldfläche, so Brösse, würden dauerhaft durch die Windkraftanlagen belegt. Nicht nur auf die Bäume, sondern auch auf die geflügelten Bewohner des Waldes will die Stawag Rücksicht nehmen. „Wir führen ein sogenanntes Fledermaus-Monitoring durch“, erklärt Brösse. Zu bestimmten Uhrzeiten, wenn besonders viele der Flugsäugetiere unterwegs sind, sollen die Anlagen abgeschaltet werden. Ähnliches gelte, wenn Zugvögel die Region queren.

Rund 30 Millionen Euro hat die Stawag in das Projekt investiert. Nach etwa zehn Jahren, so rechnet der Energieversorger, soll sich das Ganze amortisiert haben. Der Münsterwald ist dann der jüngste von 20 Windparks in ganz Deutschland, wie Eva Wußing berichtet. „Mit unseren Windkraftanlagen und den Solarparks, die wir haben, könnten wir rechnerisch 75 Prozent der Stadt Aachen mit selbst produziertem Ökostrom versorgen“, sagt sie. 150.000 Haushalte in der Stadt beziehen ihren Strom von der Stawag, hinzu kommen die Anschlüsse der Gewerbekunden.

„Wir wollen unseren Anteil an regenerativen Energien ausbauen“, sagt Frank Brösse, „doch der Markt ist hart umkämpft.“ Einerseits gebe es immer weniger freie Flächen, auf denen es windig genug ist, damit sich eine Anlage lohnt. Andererseits sei auch die Akzeptanz durch die Bevölkerung in vielen Teilen der Bundesrepublik ein großes Thema. Darum hofft die Stawag auch, die anderen beiden bereits genehmigten Windräder im Münsterwald im kommenden Jahr bauen zu können. Wenn alles glatt geht, will man im kommenden Frühjahr mit dem Bau beginnen, sagt Sprecherin Eva Wußing.

Gerade hier im Süden Aachens hat die Stawag Lehrgeld bezahlen müssen. Bei keinem anderen Windkraftprojekt war der Widerstand von Umweltverbänden und Bürgern größer als hier. Die Gegner des Windparks fürchten unter anderem, dass der Wald durch die Bauarbeiten und durch die Windräder selbst nachhaltigen Schaden nimmt.