Aachen: Frust entlädt sich in der Sitzung der Bezirksvertretung Aachen-Mitte

Aachen : Frust entlädt sich in der Sitzung der Bezirksvertretung Aachen-Mitte

Frust entlud sich. Die Bezirksvertreter des Stadtbezirks Aachen-Mitte fühlen sich von der Verwaltung nachlässig behandelt. In der jüngsten Sitzung machten sie ihrem Unmut Luft.

Den Aufschlag setzte Klaus-Dieter Jakoby. Noch vor Eintritt in die Tagesordnung vermisste der CDU-Politiker — nicht zum ersten Mal — einen Punkt, der sich mit einem kombinierten Geh-/Radweg von der Schopenhauer Straße Richtung Trierer Straße befassen soll. Dafür legt sich der Volksvertreter gewaltig ins Zeug. Auch die Bezirksvertretung beauftragte die Verwaltung entsprechend.

Die Bürger im Wahlberitt Forst-Driescher Hof löchern Jakoby mit Fragen nach dem Weg, er erkundigt sich ein ums andere Mal bei der Verwaltung und berichtet anschließend den Bürgern über den Stand der Dinge. „Wird noch vor der Sommerpause erledigt“, hieß es vor Monaten aus dem Rathaus. Es geschah nichts.

„Wie soll ich das den Bürgern noch erklären?“ fragt ein frustrierter Klaus-Dieter Jakoby. Nun wisse er, was Politikverdrossenheit heiße. Irrtümlich werde wohl angenommen, die Arbeit in der Bezirksvertretung sei für die Politiker nur ein Hobby. Nach solchen Erfahrungen bleibe er „lieber zu Hause und spiele mit den Kindern“.

Drängelgitter kommen endlich

Mochten unter den Zuhörern vielleicht einige sein, die Jakobys Beharrlichkeit noch als Quengeln eines ratlosen Politikers abtaten, eines Politikers, der nicht mehr weiß, was er seinen Wählern noch alles an faulen Ausreden auftischen soll, am Ende der Sitzung ging es unter „Mitteilungen“ aber erst richtig los. Die Schelte an der Verwaltung nahm Fahrt auf.

Zwar mochte Gerd Dupont, Geschäftsführer der Bezirksvertretung Aachen-Mitte, die „pauschale Verurteilung“ von 4000 Kollegen in der Stadtverwaltung so nicht hinnehmen, was die Bezirksvertreter aber nicht besänftigten konnte und sie fortan nur von „Teilen der Verwaltung“ (Ralf Otten, CDU) sprechen ließ. Mit dem Ladenhüter „Gitter an der Krefelder Straße nahe dem Tivoli“, um dort vor und nach Fußballspielen wilde Wechsel der Fans von einer Straßenseite auf die andere unterbinden zu können, begann es.

Erfreut teilte Dupont mit, die Gitter seien im Anmarsch, der Stadtbetrieb habe zugesagt, sie sofort nach Ankunft einzubauen. Bezirksbürgermeisterin Marianne Conradt kommentierte spitz: „Ein immenser Erfolg nach anderthalb Jahren unseres Beschlusses.“ Die Ironie traf den schleppenden Gang der Bemühungen, ein paar popelige Gitter zu platzieren. In einer früheren Sitzung hatte der stets besonnen argumentierende CDU-Vertreter Ralf Otten deshalb schon einmal zur Verblüffung aller unter heftiger Schnappatmung eine Art Schreianfall hingelegt.

„Ich vermisse die Ernsthaftigkeit, unsere Anträge zu behandeln“, reihte sich SPD-Sprecher Patrick Deloie in die Schar der Kritiker ein. Uralte Anträge aus Zeiten, als die SPD noch die Rathaus-Opposition bildete, in denen es beispielsweise um Burtscheider Probleme oder um einen Unterstand an einer Aseag-Haltestelle gegangen war. Nichts geschah. „Ich erwarte, dass unsere Anträge gehört und am Ende auch bearbeitet werden“, ließ Deloie Dampf ab.

Die junge engagierte und sich auch um die kleinen Dinge vor Ort kümmernde CDU-Bezirksvertreterin Andrea Derichs meldete sich. „Fragen und Anträge bleiben unbeantwortet“, beschwerte auch sie sich. Schon vor ewigen Zeiten hatte sie auf den „miserablen Zustand“ rund um die alte Fußgängerbrücke Tivoli aufmerksam gemacht. Nach wie vor sei die Brücke „komplett zugemüllt“. Und was ist mit dem Pavillon am neuen Bürgertreff in der Talstraße? Dort gingen die Arbeiten an den Außenanlagen nicht weiter, weil der Pavillon noch immer nicht wie von der Bezirksvertretung längst beschlossen im Westpark steht.

Was wurde aus der Skaterbahn?

Das Wort hatte Ralf Otten. „Die Antragsteller der Skaterbahn sind volljährig“, sagte er spottend. Ältere Aachener erinnern sich: Es war einmal in früheren Zeiten, als zehn-, elfjährige Jungen und Mädchen rund um den Hangeweiher den Wunsch äußerten, ihnen in der Innenstadt eine Skaterbahn zu bauen. Die Kinder argumentierten so couragiert, dass alle Welt bis hin zur Landesregierung lauthals in Jubel ausbrach. „Wann kommt sie denn?“, fragte Ralf Otten, denn zu sehen ist bislang: nichts.

„Ja, wir werden nicht ernst genommen“, sagte Ralf Otten. Eigentlich müsse er „jetzt noch viel lauter“ werden als damals, als es um die Tivoli-Gitter gegangen ist. Das Klagelied eines Frustrierten: „Wir machen uns viel Mühe, bringen viel Zeit ein, arbeiten uns sehr kompetent in die Dinge ein“ — und es geschieht: nichts. Ralf Otten fügte an, was trotz der leisen Töne laut und klar rüberkam: „Das ist nicht in Ordnung. Ich werde das von Teilen der Verwaltung nicht mehr hinnehmen.“

Nicht hinnehmen wollte zu Beginn der Sitzung auch Bezirksbürgermeisterin Marianne Conradt ein anderes Versäumnis von „Teilen der Verwaltung“. Die Sitzung der Bezirksvertretung beginnt regelmäßig um 17 Uhr. Um 15 Uhr flatterte von „Teilen der Verwaltung“ der Bürgermeisterin ein weiterer Tagesordnungspunkt auf den Tisch, der sich mit der geplanten Kindertagesstätte Schillerstraße befassen sollte.

Wenn die Bezirksvertretung nicht beschließe, verzögere sich das dringend nötige Projekt um einen weiteren Monat. Vorher in ihren Fraktionen beraten konnten die Damen und Herren Politiker das frisch auf den Tisch geknallte Thema logischerweise nicht. „Das geht so nicht!“ muffelte Marianne Conradt.

Ärgerlich dazu auch das: Die Verwaltung verschickt im IT-Zeitalter die Sitzungsunterlagen für die Politiker nicht mehr auf Papier, sondern digital. Eine erweiterte Tagesordnung könnte also sekundenschnell digital übermittelt werden. In der Bezirksvertretung aber saß der SPD-Sprecher Patrick Deloie vor seinem aufgeklappten Laptop und stellte kopfschüttelnd fest: „Noch nicht einmal jetzt, jetzt um 17.30 Uhr, ist der Punkt digital auf unserer Tagesordnung. Das finde ich einfach Scheiße.“

Das Protokoll konnte festhalten: Zustimmendes Beifallsklopfen aller Fraktionen.