Frühjahrsputz in Aachen: Hunderte Helfer räumen die Stadt auf.

Den vielen Sammlern verschlägt es beinahe die Sprache : Von Zigarettenstummeln bis zum alten Fahrrad ist alles dabei

Niemand konnte auf den ersten Blick vermuten, wie viel Unrat im kleinen Boxpark am Boxgraben zu Tage kommen würde. Ein verrostetes Fahrrad, ein alter Boiler und Autoreifen türmten sich zu einem kleinen Haufen, den die Bürgerinitiative Luisenhöfe beim großen Frühjahrsputz der Stadt Aachen zusammengetragen hat.

Dass der Stadtbetrieb hier gerade erst eine alte Magnolie gefällt hat, bedauern die Anwohner sehr. Und auch das Unterholz sei ganz unnötig ausgedünnt worden, kritisieren sie und fürchten nun um die Biodiversität an dieser Stelle. Zum Frühjahrsputz ist die Bürgerinitiative am Samstag trotzdem gerne angetreten: „Wir wollen so auf diese kleine Oase aufmerksam machen und zeigen, wie schützenswert sie ist“, erklären die Helfer und staunen schließlich selber darüber, wie viel Unrat sie im Laufe des Vormittags zusammentragen haben.

Auch die Ausbeute der Studenten am Templergraben kann sich sehen lassen. „Die neuralgischen Punkte sind bekannt“, sagt Sarah Buckland vom Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta). Vor der Bibliothek beispielsweise häufen sich gerne einmal Kaffeebecher, Pizzakartons und Getränketüten. „In der vorlesungsfreien Zeit stehen die Studenten hier Schlange, um einen Arbeitsplatz in der Bibliothek zu bekommen“, erzählt sie. Und wenn dann kein Papierkorb in unmittelbarer Reichweite sei, bleibe der Müll halt liegen. Das sei bereits bekannt, und eine Initiative der Studenten säubere deshalb regelmäßig.

Der Asta setzt sich schon seit geraumer Zeit dafür ein, Einweg-Kaffeebecher durch umweltfreundlichere Lösungen zu ersetzen. Am Samstag geht es dem Asta-Vorsitzenden Jannik Koesling und seinen Mitstreitern aber auch vor allem darum, das Bewusstsein für die Vermeidung von Abfall zu schärfen. Am schlimmsten sind nach Meinung von Sarah Buckland die Zigarettenstummel: „Die finden sich in jeder Ritze und Ecke“, sagt sie. Rund 30 Helferinnen und Helfer haben sich am Templergraben eingefunden, um rund um Hauptgebäude, Kármán-Auditorium, Super C und Bibliothek für klar Schiff zu sorgen. Und auch die ergänzenden Vorträge zu verschiedenen Themen aus dem Umweltbereich seien gut angekommen, sagt Buckland.

Beim Frühjahrsputz in Aachen kommt allerlei Unrat zusammen. Foto: dmp press (Ralf Roeger)/Ralf Roeger

Während beim Burtscheider TV auf dem Rasen regulär Fußball gespielt wird, machen sich zeitgleich viele fleißige Kinderhände an die Säuberung der Randböschung und der Zufahrt. Jonas und Philipp (beide 10) sind mit Feuereifer bei der Sache. „Wir haben zehn Flaschen gefunden“, erzählen sie, und eine Bierflasche sei sogar noch voll gewesen. Der Verein hat den städtischen Aufruf zum Frühjahrsputz zum Anlass genommen, gleich ein Großreinemachen der gesamten Anlage in Angriff zu nehmen. „Und da wir schon mal dabei waren zu entrümpeln, haben wir viele blaue Säcke vom Frühjahrsputz gleich mit entsorgt“, sagt René Schmitz, Fußballabteilungsleiter beim BTV.

Ein sauberes Revier ist dem Hegering Laurensberg ein ganz großes Anliegen, und so achten die Jägerinnen und Jäger seit jeher darauf, dass Plastikflaschen und Unrat möglichst schnell vom Wegesrand verschwinden. Die großangelegte Säuberungsaktion im Revier zwischen Richterich, Vetschau und Horbach brachte jetzt aber derart viel Müll zusammen, dass es den Jägerinnen und Jägern fast die Sprache verschlug. Sie türmten eine Vielzahl von Autoreifen auf, dazu Wellblech, vergammelte Möbel und jede Menge von altem Unrat, der nach Meinung der Jäger absolut nichts in der Natur zu suchen hat.

„Wir haben bei unseren regelmäßigen Säuberungsaktionen auch schon Waschmaschinen und Geschirrspüler gefunden“, sagt Revierpächter Kevin Vossen. Ihm und seinen Kollegen ist wichtig, dass die Natur im Revier intakt bleibt. Und da sei Plastikmüll absolut unerwünscht und auch gefährlich, meint Martina König vom Hegering. „Die Tiere könnten es verschlucken und dann elend daran zugrunde gehen“, sagt sie. Für den Hegering jedenfalls hat sich der Einsatz gelohnt. Und wie viele andere Müllsammler in Aachen auch gestalteten die Jäger den Tag als Event, das beim gemeinsamen Grillen einen krönenden Abschluss fand.

Das Wetter hat wesentlich zum guten Gelingen beigetragen, da waren sich alle einig. Laut Organisatorin Petra Mahr, Büro für Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement, holten sich viele Gruppen am Vormittag noch einen Nachschub an blauen Säcken aus dem Rathaus. Das lässt dann insgesamt wohl auf viele Helfer und eine große Ausbeute schließen.

Auch der Asta der RWTH macht mit beim Frühjahrsputz. Rund um die Hochschulgebäude kennen die Studierenden die dreckigsten Ecken aus Erfahrung. Foto: dmp press (Ralf Roeger)/Ralf Roeger
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