Früherer Aachener Oberbürgermeister Kurt Malangré tot

CDU-Politiker und Aachener Ehrenbürger: Alt-Oberbürgermeister Kurt Malangré gestorben

Früherer Aachener Oberbürgermeister Kurt Malangré tot

Der langjährige ehemalige Aachener Oberbürgermeister Kurt Malangré ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Über viele Jahrzehnte hinweg hat er die Politik der CDU und die Entwicklung der Stadt Aachen an entscheidender Stelle maßgeblich mitgeprägt.

Mit der Politik hatte er in seinen letzten Jahren abgeschlossen, auf Parteiveranstaltungen hat er sich nicht mehr sehen lassen. Der langjährige Aachener Oberbürgermeister und Europaabgeordnete Kurt Malangré wollte nach Ende seiner langen politischen Karriere niemandem mit „meiner alten Weisheit“ und „meiner Altersgeschwätzigkeit“, wie er es selbst ausdrückte, auf die Nerven fallen. „Bloß nicht den quengeligen Ehemaligen geben“, hatte er sich selbst auferlegt. In der Nacht zum Donnerstag ist er nach schwerer Krankheit für immer verstummt. Er wurde 84 Jahre alt.

Der Mann, der die Politik der CDU über drei Jahrzehnte hinweg maßgeblich mitgeprägt hat und ebenso lange im Rampenlicht der Öffentlichkeit stand, lebte zuletzt völlig zurückgezogen in seiner Heimatstadt Aachen, in der er am 18. September 1934 geboren wurde. Aufgewachsen ist er im Frankenberger Viertel, geprägt hat ihn ein konservativ-katholisches Elternhaus. Folgerichtig führte ihn sein Weg in die CDU, der er 1967 beigetreten ist und in der er eine eindrucksvolle Karriere zurücklegte. Nur zwei Jahre später zog er in den Stadtrat ein, weitere zwei Jahre später wurde er zum Fraktionsvorsitzenden der CDU gewählt, die damals noch zuverlässig absolute Mehrheiten in Aachen holen konnte. 1973 wurde er zum Oberbürgermeister der Stadt gewählt, der sein Amt in jener Zeit noch ehrenamtlich ausübte.

„Zu parteiisch“

Angestrebt hatte er nach Abitur am Kaiser-Karls-Gymnasium und Jurastudium in Bonn und Köln einst ein Richteramt, doch ihm sei „die weise Neutralität“ schwer gefallen, hat er vor Jahren gestanden. „Zu parteiisch“ sei er stets gewesen. So arbeitete der gläubige Katholik, der auch Mitglied der umstrittenen Laienorgansiation Opus Dei war, zunächst als Anwalt und fand dann zunehmend Gefallen am Dasein eines Vollblutpolitikers, der als Stadtoberhaupt viele Spuren hinterlassen hat, die auch heute noch zu sehen sind. Der Bau der Uniklinik, des Eurogress und des City-Centers fallen ebenso in seine Amtszeit wie die Eröffnung des Spielcasinos im Neuen Kurhaus.

Er prägte die Entwicklung Aachens, „indem er richtungsweisende Akzente setzte für die Verbesserung der Infrastruktur, den Erhalt des Stadtbildes mit alter Bausubstanz sowie die Restaurierung und den Wiederaufbau des Rathauses“, heißt es in der am Donnerstag versandten Stellungnahme der Stadt zum Tod von Kurt Malangré. Oberbürgermeister Marcel Philipp würdigt ihn darin als „engagierten Kommunalpolitiker, der über Jahrzehnte hinweg für die Bürgerschaft unserer Stadt wirkte“. Und weiter: „Der christliche Glaube, in dem er tief verwurzelt war, gab ihm die Motivation und das Verantwortungsbewusstsein zur Mitgestaltung unserer Demokratie.“

„Ihm gebührt großer Dank“

Malangré habe sich in vielen Bereichen um die Inhalte der CDU verdient gemacht, erklärte der Parteivorsitzende Holger Brantin, der insbesondere auch den Europäischen Gedanken hervorhebt, der Malangré ausgezeichnet habe. „Aachens Stadtgrenzen sind zugleich Landesgrenzen“, pflegte Malangré zu sagen, daher gehörte die grenzüberschreitende Zusammenarbeit für ihn zum Pflichtprogramm. Er war einer der Mitbegründer der Euregio Maas-Rhein, deren Ratsvorsitzender er auch mehrere Jahre lang war. Zudem habe er als Mitglied des Europäischen Parlaments von 1979 bis 1999 und als Mitglied des Karlspreisdirektoriums von 1973 bis 1999 das Profil Aachens als Europastadt gestärkt, loben Philipp und Brantin. „Dafür gebührt ihm der große Dank der CDU“, so Brantin.

Malangrés Verdienste spiegeln sich auch in den vielen Auszeichnungen wider, die er im Laufe der Jahre erhalten hat, darunter das Verdienstkreuz am Bande und das Verdienstkreuz erster Klasse der Bundesrepublik, der Verdienstorden des Landes und die Ehrenbürgerschaft der Stadt.

Harte Wahlkämpfe

In seine Amtszeit als Oberbürgermeister fallen allerdings auch viele harte Auseinandersetzungen mit der SPD und auch mit den damals aufkommenden Grünen, denen er sich gleichwohl 1989 geschlagen geben musste. In der jahrzehntelang schwarzregierten Stadt kam nach der damaligen Kommunalwahl erstmals eine rot-grüne Koalition zustande, die den Sozialdemokraten Jürgen Linden zum neuen Oberbürgermeister und Nachfolger von Kurt Malangré wählte. Linden erklärte am Donnerstag: „Sein Tod macht mich traurig.“ Sie beide seien zwar Konkurrenten gewesen und seien auch in zwei Wahlkämpfen hart aufeinandergetroffen, dennoch seien sie wechselseitig gut miteinander ausgekommen und hätten sich respektiert.

Tatsächlich hat sich Malangré nach Ende seiner politisch aktiven Zeit immer wieder versöhnlich gegenüber einstmals bekämpften Widersachern geäußert. Dazu zählt auch seine Initiative für ein Graffito, das der Aachener Wandmaler Klaus Paier während Malangrés Amtszeit im Jahr 1979 illegal an eine Wand am Aachener Café Kittel gesprüht hat. 2011 wurde es auf Malangrés Betreiben hin unter Denkmalschutz gestellt.

Kurt Malangré hinterlässt seine Frau Wiltrud, mit der er nach dem Tod seiner ersten Ehefrau Ursula seit 1979 verheiratet war, seine fünf Kinder sowie elf Enkel.

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