Aachen: Frischzellenkur für Erschließungsstraße: Grüner Weg soll glattgebügelt werden

Aachen : Frischzellenkur für Erschließungsstraße: Grüner Weg soll glattgebügelt werden

Den Grünen Weg rollt man nicht entlang, man gleitet nicht darüber. Nein, über den Grünen Weg wird gerumpelt und gepoltert. Die Erschließungsstraße zwischen Krefelder und Jülicher Straße hat ihre besten Tage gesehen, hätte eine grundlegende Überarbeitung eher heute als morgen nötig. Das ist auch in Amtsstuben und Fraktionszimmern bekannt. Schon 2014 wurde daher beschlossen: Das kommt alles neu.

Wer in den vergangenen vier Jahren am Grünen Weg unterwegs war, wird aber monieren, bisher gar nicht so viel von dieser Sanierung bemerkt zu haben. Stimmt, es ist ja auch noch nichts passiert. Hat der Finanzierungsantrag, der ebenfalls schon im Frühjahr 2014 an die Bezirksregierung Köln gestellt wurde, dort erst reifen müssen? Letzte Meldung: erst „vor kurzem“ sei er bewilligt worden. So hat es die Verwaltung in eine Beratungsvorlage für den kommenden Mobilitätsausschuss geschrieben. Inklusive Anführungszeichen.

Mit den Maßnahmen — die Gesamtkosten mit allem Drum und Dran belaufen sich auf von der Stadt kalkulierte 4,3 Millionen Euro — sollen sowohl Verkehrsqualität und -sicherheit ebenso wie die Barrierefreiheit verbessert werden. Auch Radschutzstreifen sollen entstehen. Es folgt ein Überblick über die auf 1360 Metern Länge geplanten Änderungen am Grünen Weg.

Autoverkehr: Die Fahrbahn wird künftig insgesamt 7,80 Meter breit — 4,80 Meter für den motorisierten Verkehr und pro Seite 1,50 Meter für Radschutzstreifen. Alle „relevanten Begegnungsfälle“, heißt es im Beratungspapier, sollen damit abgedeckt sein. Weil sich der Verkehr an der Kreuzung Grüner Weg/Passstraße/Lombardenstraße regelmäßig staut, wird die Kreuzung ausgebaut und damit „den Ansprüchen des heutigen Verkehrsaufkommens angepasst“. Der Grüne Weg selbst wird deshalb in seiner Breite im Kreuzungsbereich aufgebohrt, dann passt auch dort ein Radschutzstreifen neben die Fahrbahn. Damit das klappt, muss die Stadt der Stawag eine 90-Quadratmeter-Parzelle abkaufen. Die Details dazu sind nach Auskunft der Verwaltung bereits geklärt.

Die Passstraße wird im Bereich der Kreuzung derzeit noch von einer Dreiecksinsel geteilt, die aber verschwinden soll. Die gewonnene Fahrbahnbreite soll Linksabbiegern zugute kommen, die künftig in einer eigenen Spur warten dürfen. „Durch diese Maßnahmen und Änderung des Programms der Lichtsignalanlage von 3 auf 2 Phasen (ohne Linksabbieger aus Passstraße) können Zwischenzeiten reduziert und die Grünzeiten für die Linksabbiegespur vom Grünen Weg in die Lombardenstraße verlängert werden.“

PDF laden

Linksabbieger bekommen auch an der Einmündung Am Gut Wolf eine eigene Spur, die lang genug werden soll, um fünf Autos Platz zum Warten zu bieten. Eigentlich hatten die Planer sich an dieser Stelle einen Kreisverkehr gewünscht. Um den zu realisieren, hätte die Stadt allerdings auch dort Grund erwerben müssen, und dashat in diesem Fall nicht geklappt. Gegenüber der Linksabbiegerspur soll eine Mittelinsel mit taktilem Leitsystem entstehen, um das Überqueren der Straße sicherer zu gestalten. Komfortabler soll nach der Überarbeitung auch das Einbiegen von der Straße Am Gut Wolf auf den Grünen Weg werden — die Straße wird für Links- wie Rechtsabbieger ausgeweitet. Im Einmündungsbereich von Lukas- und Liebigstraße sollen ebenfalls taktile Leitelemente, die etwa blinden Menschen bei der Orientierung helfen, zum Einsatz kommen.

Statt wie bisher 100 Parkplätze, werden nach dem Umbau nur noch 95 zur Verfügung stehen. Als Grund geben die Planer die Neugestaltung der Nebenanlagen — Bushaltestellen, Zufahrten, Baumbeete, Grünstreifen — an.

Busverkehr: Taktile Leitstreifen werden auch an den Bushaltestellen Lombardenstraße, Am Gut Wolf und Lukasstraße verbaut, um die Barrierefreiheit weiter zu verbessern. Zudem werden Busbordsteine verbaut. In der Lombardenstraße werden auch künftig keine Bushäuschen vor der Aachener Witterung schützen. Dort sei einfach kein Platz dafür, sagt die Verwaltung — ebenso wie an den beiden Haltestellen stadtauswärts. „Die stadteinwärts führenden Haltestellen Am Gut Wolf und Lukas-straße werden, wie auch im Bestand vorhanden, Fahrgastunterstände erhalten.“

Radverkehr: Die Grünen hatten beantragt, breite Radverkehrsanlagen statt der Schutzstreifen anzulegen. Die Verwaltung lehnt das mit Blick auf die „Nutzungsansprüche anderer Verkehrsteilnehmer“ jedoch ab. Es handle sich bei den Streifen um einen für die Radler „angemessenen Schutzraum“. Autos benutzten diesen Raum nur selten mit — wenn es der Begegnungsverkehr nötig mache zum Beispiel.

An dieser Stelle gilt aber, wie für viele Punkte im Prozess: die Kommunalpolitik berät und beschließt. Die endgültige Planung kann sich demnach immer noch ein wenig verändern.

Ab der Kreuzung Lombarden- und Passstraße können Radfahrer weiter auf zum Teil bereits vorhandenen Radschutzstreifen weiterfahren. „Im Bereich Abzweig Grüner Weg wird der Schutzstreifen stadtauswärts über eine Nullabsenkung auf den vorhandenen kombinierten, nicht benutzungspflichtigen Rad- und Gehweg geführt.“ Stadteinwärts existiert ein noch recht frischer Radschutzstreifen, auf den künftig mit einer Rampe übergeleitet werden soll.

Fußgänger: Die Bewegungsfreiheit für Fußgänger soll sich nach den Umbaumaßnahmen auf 2 bis 2,70 Meter in der Breite beschränken. Das bedeutet an einigen Stellen, südlich der Einmündung Am Gut Wolf etwa, eine teils deutliche Reduzierung (dort von 3,15 Meter auf 2 Meter). Aus Verwaltungssicht ist sei das allerdings durchaus vertretbar, weil diese Wege nur selten jemand entlang flaniere.

Zu den Fahrbahnen und Radschutzstreifen werden die Gehwege durch Hochbordsteine abgegrenzt. Wo die Wege beschädigt sind, soll geflickt werden. Allein dadurch werde sich für „Fußgänger und die mobilitätseingeschränkten Verkehrsteilnehmer“ viel tun in Sachen Sicherheit.

Der Grüne Weg sollte, so sah es ein Gestaltungskonzept aus dem Jahr 2003 zumindest noch vor, mit einer Überarbeitung tatsächlich auch deutlich grüner werden. Der Plan mit reichlich Grünzeug musste jedoch eingestampft werden — zu viele Ver- und Entsorgungsleitungen machten den Untergrund für Pflanzungen ungeeignet. Fünf Bäume sollen es nun noch an den Abschnitt zwischen Am Gut Wolf und Lukasstraße schaffen.

Eine endgültige zeitliche Perspektive für den Ausbau gibt es noch nicht. Der vorliegende Plan wird in der kommenden Sitzung des Mobilitätsausschusses am 7. Juni beraten. Ab diesem Sommer bis Frühjahr 2019 wird die Stawag Leitungen erneuern. Sobald der Haushalt 2019 rechtskräftig ist — die Mittel, mit denen alles umgesetzt werden kann, sollen darin eingeplant werden — können die Bauarbeiten ausgeschrieben werden. Dann könnten im kommenden Jahr bereits die Bagger rollen.

Mehr von Aachener Nachrichten