Aachen: Frischwasser für die alte Reichsabtei: Der Antoniuskanal in Kornelimünster

Aachen : Frischwasser für die alte Reichsabtei: Der Antoniuskanal in Kornelimünster

Jeder kennt ihn, aber nichts Genaues weiß man nicht — der Antoniuskanal in Kornelimünster gibt selbst Kennern der Heimatgeschichte bis heute Rätsel auf. „Jeder weiß etwas anderes“, sagt Alois Buller, Vorsitzender des Heimatvereins, der sich seit Jahren die Mühe macht, die verschiedenen Details über den uralten unterirdischen Kanal zusammenzutragen und zu einem Gesamtbild zusammenzufügen.

Wo verläuft der Antoniuskanal? Wer hat ihn gebaut? Und warum eigentlich? Das sind so die Fragen, die die örtlichen Heimatforscher um Alois Buller und Lothar Stresius beschäftigen. Ihre Nachforschungen reichen inzwischen bis Mitte des 17. Jahrhunderts zurück. Aus dieser Zeit gibt es Berichte, wonach der Abt Isaac Hirtz von Landskron einen Kanal bauen ließ. Durch ihn sollte die Reichsabtei mit Frischwasser versorgt werden, vermuten Buller und Stresius. Denkbar ist aber auch, dass so zugleich das Schmutzwasser aus der Abtei abgeleitet werden sollte.

Zugänge ermöglichen sonst nur Kanaldeckel. Foto: Peter Schröder

Wer heute das spärliche Rinnsal sieht, das der Antoniusquelle an der Breiniger Straße entspringt, mag das kaum noch für möglich halten. Doch Buller kann sich noch gut an alte Zeiten erinnern, in denen die Quelle weitaus ergiebiger sprudelte als heute. Nur wenige Meter sind dem Wasser neben der Antoniuskapelle im Tageslicht vergönnt, dann verschwindet es bereits in einem gemauerten Kanal, der auch heute noch — nach fast 400 Jahren — in einem erstaunlich guten Zustand ist. Davon zeugen jedenfalls die Einblicke, die man sich bei Bauarbeiten an verschiedenen Stellen verschaffen konnte.

Alois Buller an der Quelle an der Breiniger Straße. Foto: Gerald Eimer

Weg nachgezeichnet

Kirchenkenner Lothar Stresius. Foto: Andreas Herrmann.

Anhand einiger Dutzend alter Kanaldeckel in der Korneliusstraße, am Benediktusplatz, am Korneliusmarkt und im Abteigarten konnte Peter Schröder den Weg des Antoniuskanals halbwegs nachzeichnen. Demnach verläuft er im Abteigarten noch kurz parallel neben dem Mühlenkanal, bevor er das Gelände der ehemaligen Textilfabrik Rohland erreicht und von dort in die Inde geleitet wird.

Der Kanal ist offenbar bis zu 1,40 Meter hoch, aber so schmal, dass sich kaum ein Mensch hindurchzwängen kann. Davon zeugen Bilder, die vor Jahren während eines Umbaus mehrerer Häuser an der Kornelius­straße gemacht werden konnten und die auch den Heimatforschern völlig neue Einblicke verschafft haben.

Weil es allem Anschein nach keinen zuverlässigen Plan von dem Verlauf gibt, wurde der Kanal im Laufe der Jahrhunderte vielfach überbaut. Beim Bau des Gemeinde- und Schulhauses am Markt sollen im 19. Jahrhundert dann sogar die Toiletten direkt in den Kanal eingeleitet worden sein.

Vorbei war es also mit der Frischwasserentnahme in der Abtei. Ohnehin soll der Kanal jedoch zu diesem Zeitpunkt längst „mangels regelmäßiger Reinigung verschlammt und verstopft“ gewesen sein, wie es in einem Bericht von Johann Roentgen über die Textilindustrie in Kornelimünster heißt.

Aus einem Brunnen im Westbau wird auch heute noch Weihwasser geschöpft: Der Wasserversorgung der ehemaligen Reichsabtei Kornelimünster dienten neben einem Kanal und der Inde auch Brunnen. Einer dieser Brunnen im Westbau der ehemaligen Abteikirche ist auch heute noch zugänglich. Abgedeckt ist er mit einer steinernen Platte, die abgenommen werden kann, wie Kirchenkenner Lothar Stresius zeigt.

Noch heute ist es Brauch, mit einer Schöpfkelle Wasser aus dem Brunnen zu schöpfen und das dann geweihte Wasser für Taufen zu verwenden.