Aachen: Frikadellen aus dem Automaten: Metzger wagt ein Experiment

Aachen : Frikadellen aus dem Automaten: Metzger wagt ein Experiment

Snacks und Getränke aus dem Automaten, das kennt man von Flughäfen, Bahnhöfen oder Betriebskantinen. Metzgermeister Ernst Schreiber in Schmithof probiert jetzt etwas ganz Neues.

Neben seinem Ladengeschäft an der Schmithofer Straße hat er einen Verkaufsautomaten aufgestellt. Fleisch und Wurst kann man an dem Gerät jetzt rund um die Uhr ziehen. Seit gut einer Woche steht die Anlage. Und die erste Bilanz fällt durchaus positiv aus. In den ersten fünf Tagen haben die Kunden rund 90 Artikel am Automaten erworben. „Für den Anfang gar nicht schlecht“, findet Schreiber. „Aber die Sache braucht natürlich etwas Anlaufzeit.“

Vor 41 Jahren eröffnete Ernst Schreiber seine Fleischerei im Aachener Süden. Seit 2010 arbeiten die Söhne Tom und André Schreiber, beide auch ausgebildete Köche, im Unternehmen mit. Warum jetzt also die Sache mit den Automaten, gleich neben dem alteingesessenen Metzgerladen? „Automaten sind die Verkaufssysteme der Zukunft“, ist Tom Schreiber überzeugt. „In Italien finden Sie die fast an jeder Ecke.“ Auch Handelsvertreter, die mit Gewürzen vorbeischauten, hatten den Schreibers erzählt, dass es immer mehr solcher Automaten gibt.

Automat als zusätzlicher Mitarbeiter

Für die Kunden, ist Ernst Schreiber überzeugt, bringt der Automatenverkauf nur Vorteile: „Hier kann man jetzt sieben Tage die Woche rund um die Uhr einkaufen.“ Der Verkaufsraum im kleinen Örtchen Schmithof hat seine Öffnungszeiten nämlich schon vor einigen Jahren stark eingeschränkt und ist jetzt nur noch dienstags bis samstags und nur an den Vormittagen offen.

Das hat auch mit Personalmangel zu tun, über den ja viele Branchen klagen. „Personal zu kriegen, ist immer schwieriger“, klagt Ernst Schreiber. Auch deshalb setzt er jetzt auf automatisierten Verkauf.

Currywurst kann man bei Metzger Schreiber ziehen genauso wie Sauerbraten, Schnitzel oder Frikadellen. Für Grillwurst und Grillfleisch dagegen ist die Saison ja allmählich gelaufen. Ein zweiter Schrank ist vollbepackt mit Fleisch- und Wurstkonserven. Metzgerkonserven, sagt der Seniorchef, hätten sich längst auch zu einem wichtigen Standbein entwickelt. „Es gibt immer mehr Singlehaushalte, da sind haltbare Vollkonserven zunehmend gefragt.“

Von der Stammkundschaft gebe es durchweg Lob für das neue Angebot, berichtet Tom Schreiber. Der Automat beschert dem Betrieb aber auch einen neuen Kundenkreis. Sogar spätabends fahren Käufer an, erzählt Ernst Schreiber, „neulich einer mit Bitburger Kennzeichen“.

Die Bedienung der Anlage ist simpel: Geld reinwerfen, Ware auswählen, Ware entnehmen, Restgeld auszahlen lassen; Kartenzahlung nicht möglich. Neulich allerdings, erzählt der Seniorchef, sei eine ältere Frau etwas ratlos in den Laden gekommen. Sie hatte bezahlt, dann aber offenbar die Klappe für die Warenausgabe nicht gefunden und wusste nun aber nicht, wie sie die Frikadellen aus dem Automaten kriegen sollte.

Anbieter vor allem Landwirte

Mit ihrem neuen Verkaufssystem liegen die Schreibers offenbar im Trend. Die Zahl der Fleischautomaten sei steigend, bestätigt sagt Andrea Hornfischer vom Rheinischen Landwirtschafts-Verband (RLV). Die meisten Anbieter in diesem Segment sind Landwirte, die direkt ab Hof vor allem Grillfleisch anbieten.

„Die Landwirte berichten, dass die Automaten besonders an langen Wochenende gefragt sind oder wenn das Wetter so schön ist, dass die Leute spontan grillen möchten“, sagt Hornfischer. Der Anspruch der Verbraucher an kundenfreundliche Ladenöffnungszeiten sei mittlerweile hoch, und mit so einem Automaten könnten Erzeuger auch ein Stück weit in der Konkurrenz mit Supermärkten bestehen.

Seine Anfänge hatte der Trend zum Automatenverkauf bei der Milch. Beim RLV schätzt man, dass es mittlerweile in NRW rund 100 solcher Milchtankstellen auf Bauernhöfen gibt. Auch in Aachen bieten mehrere Höfe Kuhmilch frisch aus dem Automaten an.

Der neue Fleischereiautomat im Schmithof soll sich ein halbes Jahr lang in einem Testlauf bewähren. Ernst Schreiber ist aber sehr zuversichtlich, dass die Rechnung aufgeht: „Das läuft“, sagt er, „da hab‘ ich keine Bedenken.“ Und er denkt schon über einen weiteren Automaten nach — am Standort Lindenplatz, wo die Fleischerei Schreiber ebenfalls einen Laden hat.