Aachen: Friedhofsmauer ist wieder weiß

Aachen: Friedhofsmauer ist wieder weiß

Mit Hochdruck fahndet die Polizei laut eigener Aussage nach den offensichtlich rechtsradikalen Tätern, die zwei Nächte lang mit ihren Farbtöpfen durch Aachen gezogen waren und unter anderem den jüdischen Friedhof auf widerlichste Art und Weise attackiert hatten.

Doch die Ermittlungen sind schwierig, auch am Dienstag gab es noch keine belastbaren Verdachtsmomente. Insbesondere fehlt es nach wie vor an Aussagen von Augenzeugen - „es gab einige Anrufe”, so Polizeisprecher Michael Houba, aber die hätten nicht weitergeholfen.

Dass die mutmaßlichen Neonazis an gleich mehreren Tatorten mehr oder weniger unbemerkt ihre Scheußlichkeiten malen konnten, hält die Polizei für möglich, auch an der viel befahrenen Lütticher Straße , wo der alte jüdische Friedhof liegt. Houba: „Die achten natürlich sehr genau auf den Straßenverkehr”, und die meisten Schmierereien hätten eh an Stellen stattgefunden, die nachts nicht sehr intensiv frequentiert würden.

Als wenig hilfreich im Kampf gegen Neonazi-Auftritte wie den vom Wochenende sehen die Experten einen verstärkten Streifendienst an, wie dies schon gefordert wurde. Ohne konkrete Hinweise, ohne vorher irgendeinen Zeitpunkt oder den eventuellen Tatort zu kennen, „hat das keine große Aussicht auf Erfolg”, so Houba. Auch angesichts der zur Verfügung stehenden Personalressourcen handele es sich um ein kaum zu stemmendes Unterfangen.

Helmut Ludwig, Fraktionsgeschäftsführer der Grünen, deren Büro in der Franzstraße ebenfalls beschmiert wurde, hält dagegen: einfach weitermachen wie bisher, das gehe nicht angesichts der „unsäglichen Provokationen”. Wobei man natürlich nicht wisse, „wie viel pubertierender Wahnsinn” im Spiel sei. Für Ludwig steht fest, dass es in den beiden Nächten Beobachter des wüsten Treibens gegeben haben muss. Sein Appell an die Aachener: nicht weggucken, sondern hinsehen - und die Polizei informieren.

Die SPD zeigte sich am Dienstag „schockiert” von den Schmierereien und sprach allen Betroffenen ihre Solidarität aus. Die stellvertretende Vorsitzende Claudia Walther: „In Aachen ist kein Platz für Neonazis. Daher rufen wir alle auf, Zivilcourage zu zeigen, sofort die Polizei zu alarmieren und den Neonazis entgegenzutreten.”

Die Linke, deren Büro zum wiederholten Mal in Mitleidenschaft gezogen wurde, sprach von einem „Angriff auf existenzielle Bestandteile der Demokratie in der Region”. Der den Behörden bekannte „rechtsextreme Sumpf” müsse endlich trockengelegt werden.

Die vollkommen besudelte Mauer des jüdischen Friedhofs war am Montagabend schon wieder gereinigt. Die Stadt Aachen hatte alles daran gesetzt, Hakenkreuze und Sprüche so schnell wie möglich zu entfernen.