Aachen: Friedenstage thematisieren Kolonialismus und Nahost-Krieg

Aachen: Friedenstage thematisieren Kolonialismus und Nahost-Krieg

Für den Vorsitzenden des Aachener Friedenspreises, Karl Heinz Otten, bietet die 12. Auflage der Aachener Friedenstage ein „recht anspruchsvolles Programm”. Kulturelle wie politische Themen werden aufgegriffen, es geht um Kolonialismus, den Nahost-Krieg und Kriegstraumata.

Die Veranstaltungsreihe beginnt im März und endet im Mai. Startschuss ist das Theaterstück „Die Weißen kommen” der Berliner Compagnie, die 2009 mit dem Friedenspreis geehrt wurde. Das Ensemble gastiert in Eupen, im Rahmen der Friedenstage findet am 10. März eine Bustour von Aachen dorthin statt. Nach dem Stück, das den Kolonialismus in Afrika und die Globalisierung als dessen Fortsetzung thematisiert, treffen die Aachener Besucher die Schauspieler zum Gespräch.

Die Teilnahme an der Tour kostet 20 Euro, Interessierte sollen sich bei Helmut Schulte vom Friedenspreis, 02403/4939, anmelden.

Otten erinnert daran, dass alle weiteren Veranstaltungen der Friedenstage kostenlos sind. So wird am 11. März im Aachen-Fenster die Ausstellung „Menschen hinter Mauern” mit Bildern der Aachener Künstlerin Anika Stienen eröffnet. Die Ausstellung über den Konflikt zwischen Israel und Palästina wird im Mai im Haus der Evangelischen Kirche noch einmal zu sehen sein. Zeitweise gastiert dazu auch die bayerischen Malaktion Friedens-Banderole in Aachen. Menschen sollen dabei Bilder, Texte oder Symbole für den Frieden auf Stoff malen, der zusammengefügt einmal die Erdkugel umfassen soll.

Am 24. März wird der Psychoanalytiker Thomas Auchter über die Traumatisierung von Kriegsenkeln und Kriegskindern sowie traumatisierte Soldaten im Afghanistan-Krieg referieren. Ergänzt wird der Vortrag durch Beiträge des Familientherapeuten Johannes Kube, der aus seinem Buch „Gekochte Steine essen” über die Kindheit im Zweiten Weltkrieg lesen wird.

„Zug der Erinnerung” hält an

Die Deportationen von Kindern in Nazideutschland beleuchtet das in Aachen im April gastierende rollende Mahnmal „Zug der Erinnerung”. Die Eröffnungsfeier wird in Kooperation mit dem Bistum Aachen im Rahmen der Friedenstage am Hauptbahnhof stattfinden.

Von 7. bis 21. Mai gastiert im Haus der Evangelischen Kirche die Ausstellung „Die NAKBA” über die Vertreibung und Flucht der Palästinenser 1948. Der Vorsitzende des Vereins für Frieden in Israel und Palästina, Ghaleb Natour, hat die Ausstellung nach Aachen geholt. Am 13. Mai wird dabei zudem der Film „Kinder der Steine - Kinder der Mauer” im Beisein der Regisseure Robert Krieg und Monika Nolte gezeigt. Der Film thematisiert Kinder, die 1989 bei der Intifada Steine gegen das israelische Militär geworfen haben und deren Werdegang.

Im Rahmen der Friedenstage empfiehlt der Friedenspreis ebenso bis Mai das Theaterstück „Worte grenzen meine Welt” des Rohen Theaters. Einen Art Schlusspunkt der Tage bildet am 27. Mai ein Vortrag des Ökonomen Gerhard Stapelfeld aus Hamburg zum Thema Euro. Die Währung und das kapitalistische Wirtschaftssystem sollen dabei kritisch beleuchtet werden - also ein Kontrastprogramm zu der Karlspreis-Verleihung an Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank. Ganz zufällig, sagt Otten, sei es nicht, dass der Termin für den Vortrag „in die Nähe der Karlspreis-Verleihung gerückt” sei.

Mehr von Aachener Nachrichten