Aachen: Friedenseinsatz mit Taten und mit Worten

Aachen : Friedenseinsatz mit Taten und mit Worten

Mit dem Frieden ist es wie mit den meisten Dingen im Leben: Wenn sie alltäglich werden, beginnen die Menschen, ihren Wert zu vergessen.

Wohl wissend, dass in anderen Teilen dieser Welt im selben Augenblick das Gegenteil, nämlich Krieg und Gewalt, zum Alltag gehört. Trotzdem gibt es sowohl in Krisengebieten wie auch in Deutschland immer wieder Menschen, die sich mit Taten und mit Worten für den Frieden einsetzen. Von manchen werden sie dafür verlacht, von anderen — wie den Mitgliedern des Aachener Friedenspreises — wiederum bestärkt. Am Freitagabend wurden einige von ihnen in der Aula Carolina für ihren Einsatz mit dem Preis ausgezeichnet.

Eintreten für den Frieden: Nach der Kundgebung am Elisenbrunnen zog der Demonstrationszug zur Aula Carolina.

Stellvertretend für 1128 türkische Wissenschaftler, die im Januar dieses Jahres einen Friedensappell an die Regierung in Ankara gerichtet hatten, nahmen einige Mitglieder des „Komitees der WissenschaftlerInnnen für den Frieden“ stellvertretend den Preis entgegen.

Eindrucksvoller Festakt in der Aula Carolina: Für ihr Engagement wurden Bürgerinitiativen aus der Türkei und aus Sachsen-Anhalt mit dem Aachener Friedenspreis. Foto: Andreas Herrmann

Ein Appell, der durch den versuchten Militärputsch und den Einmarsch der türkischen Armee in Syrien noch an Dringlichkeit gewonnen hat. „Wahrscheinlich hat sich Deutschland an keinem anderen Krieg in den letzten Jahren so sehr mitschuldig gemacht“, betonte der WDR-Journalist Georg Restle in seiner Laudatio. Offenbar habe man nichts aus den Fehlern des Afghanistankonflikts gelernt.

Aachens Bürgermeisterin Hilde Scheidt kritisierte besonders die deutschen Rüstungsexporte: „Noch immer wird viel zu viel Geld für Dinge ausgegeben, die Menschen töten, statt für Dinge, die ihnen helfen.“ Allerdings zeige gerade die Aktualität, dass es dem Aachener Friedenspreis auch diesmal wieder gelungen sei, mit seinen Ehrungen am Puls der Zeit zu bleiben. „Es sind Menschen wie Sie und ich, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten etwas für den Frieden machen“, sagte sie.

Damit spielte sie auch auf den zweiten Preisträger an, die Bürgerinitiative Offene Heide aus der Altmark in Sachsen-Anhalt. Dort soll auf 232 Quadratkilometern ein Truppenübungsplatz entstehen, ergänzt durch Schnöggersburg, eine künstliche Großstadt zu militärischen Übungszwecken. Dagegen wehren sich die Bürger mit friedlichen Mitteln.

„Es ist zu beobachten, dass derzeit viele Kommentare wieder in Kriegsrhetorik verfallen und Säbelrasseln wie an der russischen Grenze wieder in Mode gekommen ist“, sagte Ralf Woelk, Aachener DGB-Chef und Friedenspreis-Mitglied. Er vermisse auch den Protest aus der breiten Öffentlichkeit, wenn es um den jährlich wachsenden Rüstungsetat gehe oder um Kampfeinsätze der Bundeswehr im Ausland.

Schon vor der Preisverleihung fand am Elisenbrunnen eine Kundgebung des DGB statt. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko wies auf die Ambivalenz der deutschen Politik zwischen Waffenlieferungen und Willkommenskultur hin. „Der gegenwärtige Einmarsch türkischer Truppen in die kurdischen Gebiete wurde unter anderem durch deutsche Leopard-Panzer überhaupt möglich“, sagte er.

Auch wenn die Forderungen der Friedensaktivisten durchaus ernst waren, so blieb, etwa durch die Band „Da Musica“, die erst am Elisenbrunnen und dann in der Aula Carolina spielte, die fröhliche Stimmung der Veranstaltungen immer erhalten. Der abendliche und friedliche Kundgebungsmarsch mit Trommelgruppe durch die Aachener Altstadt erregte Aufmerksamkeit.

Mit Blick auf die innenpolitischen Spannungen in der Türkei war erstmals ein Sicherheitsdienst beauftragt worden. Laut Polizei gab es aber keinerlei Störungen.

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