"Fridays for Future" rechnet mit 3500 Teilnehmern in Aachen

Globaler Klimastreik : Jetzt sollen auch die Arbeitnehmer demonstrieren

#allefürsklima: Unter diesem Hashtag rufen immer mehr Menschen dazu auf, sich am Freitag, 20. September, am globalen Klimastreik von „Fridays for Future“ zu beteiligen. Auch einige Aachener Unternehmen sind dabei – und schließen dafür sogar ihre Geschäfte.

Die Hinweisschilder hängen, und der Eintrag auf der Homepage ist auch schon publiziert: Wer sich am kommenden Freitag spontan einen neuen Fahrradhelm kaufen oder sich über die aktuellen Trends in der Zweiradabteilung informieren will, der könnte je nach Uhrzeit zumindest am Karlsgraben 69 vor verschlossenen Türen stehen. Das Fahrradgeschäft Velo öffnet dann erst um 15 statt wie üblich um 10 Uhr. Als Zeichen für den Klimaschutz.

Transparente statt Tretlager: So könnte man die ungewöhnlichen Öffnungszeiten überschreiben, die Velo-Geschäftsführer Christoph Gier sich und seinem Team für den 20. September auferlegt hat. „Velo for Future!“ lautet das Motto. „Wir können den Protest nicht der Jugend überlassen“, sagt Gier mit Blick auf die „Fridays for Future“-Bewegung. Deshalb will er sich, aber vor allem auch seinen Mitarbeitern die Möglichkeit geben, am globalen Klimastreik am Freitag teilzunehmen. Lediglich in der Werkstatt werde es eine Notbesetzung geben – für Kunden, die lange im Voraus einen Termin vereinbart haben und/oder dringend ihr Fahrrad benötigen.

Für Christoph Gier ist es „ein kleines Zeichen“ dafür, dass der Klimaschutz „uns alle angeht“. Für die Jugendbewegung ist es genau die Art von Unterstützung, die sie sich für den globalen Streiktag erhofft hat. Seit rund zehn Monaten gehen in Aachen vor allem Schüler und Studenten auf die Straße, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Für den globalen Klimastreik am Freitag soll aber explizit nicht nur die jüngere Generation mobilisiert werden. Auch Angestellte und Arbeitgeber, Lehrer und Wissenschaftler, Kreative und Sportler sollen auf die Straße gehen. Für die globale Streikwoche, die am Freitag beginnt und bis zum 27. September andauert, sind Proteste in mehr als 2000 Städten in 129 Staaten angekündigt. Allein in Deutschland sind in Dutzenden Städten mehr als 400 Aktionen und Demonstrationen geplant. Für Aachen rufen neben der Ortsgruppe von „Fridays for Future“ auch die Regionalgruppe der „Scientists for Future“ sowie „Artists for Future Aachen“ zur Teilnahme auf, weitere Unterstützer sind „Extinction Rebellion Aachen“, „Parents for Future Aachen“ und „Kita for Future Aachen“.

Will nicht nur verbal die Klimaproteste von „Fridays for Future“ unterstützen: Christoph Gier, Geschäftsführer des Aachener Fahrradgeschäfts Velo, wird mit seinen Mitarbeitern am Freitag ebenfalls demonstrieren. Das Geschäfts bleibt währenddessen geschlossen. Foto: ZVA/Harald Krömer

In Aachen versammeln sich die Demonstranten um 10 Uhr am Elisenbrunnen. Um 11 Uhr startet der Protestzug über die Jülicher Straße und den Europaplatz bis zum Kennedypark. Dort beginnt voraussichtlich um 14 Uhr die Abschlusskundgebung mit Musik- und Redebeiträgen. Einige Bands hat das Organisationsteam von „Fridays for Future“ schon angekündigt: Neben den Aachener Ska-Musikern von Quicksteps werde unter anderem die Band Wurstclub auftreten. Spätestens um 18 Uhr soll die Veranstaltung beendet sein. „Wir rechnen mit 3000 bis 3500 Teilnehmern“, sagt Nele Hochkirchen, 15, vom Kernteam der Aachener „Fridays for Future“-Gruppe auf Anfrage. „Aber wir hoffen natürlich auf mehr.“

Eine von ihnen wird auf jeden Fall Cornelia Schröder sein. Die Diplom-Pädagogin gehört zum achtköpfigen Team von InFamilia Aachen, einem Zusammenschluss Selbstständiger mit Sitz an der Bendelstraße. „Wir haben beschlossen, dass wir am Freitag geschlossen als Team zum Elisenbrunnen gehen“, sagt Schröder. Die Teamsitzung, die sonst für den Vormittag angesetzt ist, wird ausfallen. Die Begründung für ihr Engagement ist für sie offensichtlich: „Es ist unser Arbeitsgebiet, dafür zu sorgen, Kinder und Jugendliche gesund durchs Leben zu bringen.“ Und manchmal beinhaltet das eben auch Transparente und Plakate.