Freunde der gestorbenen Radfahrerin in Aachen schreiben offenen Brief

Offener Brief nach tödlichem Unfall : „Wir wollen entspannt und sicher unserem Ziel entgegen radeln“

Nach dem tödlichen Unfall einer 52-jährigen Radfahrerin auf der Vaalser Straße haben Freunde und Bekannte der Frau jetzt einen offenen Brief an den Oberbürgermeister und die Verkehrspolitiker der Stadt verfasst. „Es reicht uns nicht, betroffen, traurig und wütend über den tragischen tödlichen Unfall zu sein“, schreiben sie und fordern ein Umdenken in der Verkehrspolitik.

„Es hätte jeden von uns treffen können“, sagt Marlene Kretz, die den Brief gemeinsam mit Ralf Bädorf und Luise Clemens verfasst hat. Denn ihre Freundin und Bekannte, die in Vaals gewohnt hat, „ist auf unserer täglichen Radroute in die Stadt tödlich verunglückt“. Im Bekanntenkreis kam rasch die Idee auf, nach diesem neuerlichen tödlichen Radunfall – es ist der vierte innerhalb von zwei Jahren im Aachener Straßenverkehr – Verwaltung und Politik stärker in die Verantwortung zu nehmen.

Anfangs rechneten sie mit rund 30 Unterzeichnern für ihren offenen Brief. Doch am Dienstagmorgen sind es schon mehr als 330 geworden. Und die Zahl der Unterstützer wächst zu diesem Zeitpunkt immer noch. „Wir merken durch den enormen Zuspruch, dass wir vielen Menschen aus dem Herzen gesprochen haben“, so Kretz.

Gefährliche Verkehrsführung

Die Unfallstelle an der Vaalser Straße berge eine gefährliche Verkehrsführung für Radfahrende, wie es sie auch an vielen weiteren Stellen im Stadtgebiet gebe, schreiben die Verfasser. Beispielhaft nennen sie Junkerstraße, Theaterstraße, Wilhelmstraße, den Grabenbereich und den äußeren Ring, Breslauer Straße, Pontstraße, Hansemannplatz, Peterstraße und Jülicher Straße. Es reiche ihnen nicht mehr, „sich im Mobilitätsausschuss den Mund fusselig zu reden, bei Critical Mass mitzufahren, ungestreute und schlechte Radwege zu monieren, parkende Autofahrer auf Radwegen anzusprechen, Radschnellwege in weiter Ferne zu erahnen“, schreiben sie.

Stattdessen fordern sie „eine Verkehrswende in unserer Stadt, so wie sie im Radentscheid Aachen vorgestellt wird. Wir wollen ein schlüssiges und flächendeckendes Radkonzept für Aachen, das zügig umgesetzt wird“.

Und weiter: „Wir fordern eine nachhaltige, moderne Mobilität und ein Umdenken in der Verkehrspolitik zu Gunsten der Radfahrenden und der FußgängerInnen in Aachen. Unser Ziel ist es, uns nicht nur als lebende Luftfilter und lästige Verkehrsteilnehmer/-innen ärgernd und angstvoll durch die Straßen zu bewegen, sondern mit Freude und entspannt auf ausgebauten Fahrradstraßen sicher unserem Ziel entgegen zu radeln. Denn, wir sind keine Verkehrsbehinderung, wir sind der Verkehr! Wir fordern Sie auf, stellvertretend für die Politiker/-innen und Entscheidungsträger/-innen der Stadt Aachen, handeln Sie!“ Der Brief soll am Dienstagabend den Verantwortlichen zugesandt werden.

Zwischenzeitlich hat auch die Initiative Radentscheid, die ein Bürgerbegehren für eine fahrradfreundlichere Infrastruktur in der Stadt anstrebt, eine Stellungnahme zu dem erschütternden Unfall formuliert und den Angehörigen der Frau ihr Mitgefühl ausgedrückt. Wie berichtet, ist die 52-Jährige auf der Fahrradspur auf der Vaalser Straße unterwegs gewesen. Dort wurde sie von einem Lkw erfasst, dessen Fahrer auf die Rechtsabbiegerspur Richtung Amsterdamer Ring wechseln wollte und die Frau offensichtlich übersehen hatte.

Verbessertes „Kreuzungsdesign“

„Die Führung solcher Fahrspuren für Fahrräder zwischen den Kfz-Spuren erweist sich immer wieder als hochgefährlich“, heißt es seitens des fünfköpfigen Teams vom Radentscheid. „Schon kleine Unachtsamkeiten von Kfz-Fahrenden beim Spurwechsel können Menschen auf Fahrrädern akut gefährden.“

Um das Risiko für solch tragische Unfälle zu verringern, fordert die Initiative ein verbessertes „Kreuzungsdesign“ mit guten Sichtbeziehungen zwischen allen Verkehrsteilnehmern. „Als verbessernde Maßnahmen setzen wir insbesondere in Kreuzungsbereichen auf die strikte bauliche Trennung der Spuren für Kfz- und Radverkehr, ergänzt durch individualisierte, versetzte Ampelschaltungen.“

Die Radverkehrsführung an verschiedenen Stellen der Stadt wird auch am Donnerstag, 21. Februar, im Mobilitätsausschuss (ab 17 Uhr, Verwaltungsgebäude Marschiertor) auf der Tagesordnung stehen. Eines der Themen wird die geplante Fahrradstraße im Bereich Lothringerstraße sein. Bereits ab 16 Uhr soll es vor dem Verwaltungsgebäude an der Lagerhausstraße 20 eine Mahnwache für die zu Tode gekommenen Radfahrer im Aachener Straßenverkehr geben. Zu der Mahnwache hat ebenfalls die Initiative Radentscheid aufgerufen.

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