Aachen: Freitreppe am Katschhof: „Wie eine Faust aufs Auge”

Aachen: Freitreppe am Katschhof: „Wie eine Faust aufs Auge”

Noch wird am Fuße des Rathauses fleißig gehämmert und gefräst. Doch die neue Freitreppe am Katschhof hat bereits Gestalt angenommen, und naturgemäß bilden die Aachener sich kurz vor Ende der Bauarbeiten bereits ihre Meinung.

Eine davon ist Caroline Reinartz (75), und ihr Urteil fällt vernichtend aus. „Die schlimmsten Befürchtungen haben sich bewahrheitet”, macht die stadtbekannte Immobilienmaklerin ihrem Ärger Luft. „Wie eine Faust aufs Auge” wirke die nicht weniger als 44 Meter breite Treppe, ein klarer „Stilbruch” werde mit der Verwendung von Blaustein begangen, der sich farblich völlig von dem historischen Gemäuer dahinter unterscheidet. „Wie viele Nackenschläge müssen wir Aachener Bürger noch hinnehmen, bis das Maß der sinnlosen und kostenträchtigen baulichen Verschandelungen in unserer Stadt voll ist?”, fragt Reinartz unter Anspielung auf Baudezernentin Gisela Nacken.

Caroline Reinartz ist dafür bekannt, ihre Meinung offen und vor allen Dingen deutlich zu sagen. Und was die Freitreppe betrifft, steht sie mit ihrer Meinung nicht alleine da. Hört man sich bei anderen Passanten um, die die Treppe dieser Tage besichtigen, braucht man einige Geduld, um eine wohlwollende Antwort zu erhalten.

„Aachener Großmannssucht” vermutet beispielsweise Willi Pohen (82) hinter der Neuerung. Er fragt sich, ob es nicht weniger kostenträchtige Dinge gibt, die man zuerst hätte angehen können. Auch Sibylle Heller (67) vermisst die alte Treppe bereits: „Da konnten meine Enkelkinder immer so schön drauf spielen. Und was passiert, wenn es Glatteis gibt?” Dem glatt wirkenden Blaustein will sie da nicht so recht trauen.

Ein weiterer Passant, der sich Montagmittag ein Bild von der Treppe machen wollte, ist Robert Kölker (49): „Blaustein vor diesem Baukörper finde ich ein bisschen seltsam. Und was ist mit diesem schönen kleinen Kräutergarten? Das war immer so ein besinnlicher Moment, wenn man da durchgegangen ist.”

Viele Aachener fragen sich auch noch zwei ganz andere Dinge. Nämlich erstens, warum man denn nicht daran gedacht hat, die Treppe behindertengerecht zu bauen, und was zweitens mit der momentan verschwundenen Erinnerungstafel für die Aachener Trümmerfrauen geschehen wird. Was derzeit noch nicht erkennbar ist: An der rechten Seite der Treppe soll ein Lift für Rollstuhlfahrer montiert werden. Und auch die Gedenktafel, so wurde im Vorfeld versprochen, soll in der Nähe des Standesamtes einen neuen Platz bekommen.

Gleiches gilt für „Karls Kräutergärtchen”, das in Zusammenarbeit mit dem „Freundeskreis Botanischer Garten” neu angelegt werden soll. Zumindest in diesen Punkten kann man die Kritiker beruhigen - die Optik des Ganzen hingegen bleibt sicherlich eine Frage des Geschmacks.

Und auch wenn sie zurzeit in der Unterzahl zu sein scheinen, so gibt es doch Passanten, die sich auch hierzu positiv äußern. „Mir gefällt die Treppe sehr gut”, sagt Matthias Weber, ein 83 Jahre alter Aachener. Optisch ließen die neuen Stufen das Rathaus „majestätischer” wirken, und auch als Sitzgelegenheit würden sie sicher gern genutzt, wenn die Bauzäune erstmal verschwunden sind. Weber: „Also ich freue mich auf die neue Treppe.”