Aachen: Freispruch nach Eierwurf an Heiligabend

Aachen: Freispruch nach Eierwurf an Heiligabend

Am Ende waren sich Richterin, Staatsanwältin und Verteidiger einig: Freispruch für einen 50-jährigen Antifaschisten, der am 24. Dezember 2008 ein rohes Ei auf ein Transparent in einem Neonazi-Aufmarsch in Aachen geworfen hatte.

Angeklagt war der selbsternannten Aktionskünstler aus Stolberg wegen versuchter Körperverletzung.

Das Ei geworfen hatte der 50-Jährige an Heiligabend. Seinerzeit marschierten in Aachen rund 40 Neonazis auf dem Bahnhofsvorplatz auf. Sie wollten sich für polizeiliche Verbotsverfügungen und Einschränkungen anlässlich eines Aufmarsches am 8. November an der Polizei rächen. Am Hauptbahnhof und in der Innenstadt demonstrierten dagegen rund 500 Nazigegner.

Als die Neonazis schließlich unter Polizeischutz in Richtung Innenstadt losmarschiert waren, hatte der 50-Jährige an der Einmündung der Leydelstraße ein Ei auf das Fronttransparent geworfen. Diese Tat gestand er freimütig vor Gericht ein.

Er habe ein Zeichen gegen „die braune Brut übelster Sorte” setzen wollen. Die Neonazis hätten „im Hitler-Jargon rumkrakeelt” und auch OB Jürgen Linden „übelst beleidigt”.

Daraufhin, erläuterte der Antifaschist weiter, habe er im Laden eines Migranten ein „braunes Ei” kaufen wollen, um es auf das Transparent zu werfen. Der Aufmarsch habe unter dem Motto „Schöne Bescherung” gestanden, und eine solche habe er den Neonazis bereiten wollen. Das Ei habe der Migrant ihm sogar zuvor deswegen geschenkt, so der Angeklagte.

In der Region ist er für seine deftigen Aktionen bekannt. So hatte er etwa im August 2008 am Marktplatz in Stolberg-Mausbach eine Karre mit Schafsmist vor einen NPD-Infostand gekippt.

Nach dem Wurf in Aachen war er denn auch von der Polizei in Gewahrsam genommen worden. Ermittelt wurde gegen den nicht Vorbestraften daraufhin wegen Landfriedensbruch, versuchter Körperverletzung und tätlicher Beleidigung.

Die Richterin hatte gegenüber der Staatsanwaltschaft schon Mitte des Jahres angeregt, dass Verfahren wegen Aussichtlosigkeit einzustellen.

Die Staatsanwaltschaft Aachen hatte - offenbar wegen der früheren Aktionen des Antifaschisten - jedoch weiter ein „erhebliches öffentliches Interesse” an der Strafverfolgung und dem Prozess gesehen. Einen Geschädigten hatte man indes nicht ermittelt.

30 Minuten Prozess

Letztlich forderte nach 30 Prozessminuten aber selbst die Staatsanwältin einen Freispruch. Da der 50-Jährige das Transparent habe treffen wollen, das Neonazis auf Brusthöhe trugen, habe es sich offenbar nicht verhindern lassen, dass der Wurf auch Personen hätte treffen können. Dies erlaube den Nachweis einer versuchten Körperverletzung jedoch nicht. Auch der Verteidiger schloss sich dem an.

Der Auffassung folgte dann auch die Richterin. Sie halte es nicht für nachweisbar, dass der 50-Jährige „einen Menschen verletzten” wollte. Der Vorwurf der versuchten Körperverletzung war damit nach kurzem Prozess vom Tisch - doch der Verteidiger fand angesichts der Kosten für das Ermittlungsverfahren und des Prozesses: „Musste diese Anklage sein?”

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