Aachen: Freiheitskampf stößt auf große Zustimmung

Aachen : Freiheitskampf stößt auf große Zustimmung

Offiziell äußert sich die Spitze der Bilal-Moschee nicht zu der Entwicklung in Tunesien und Ägypten: „Wir sind ein religiöser Verein und nicht politisch ausgerichtet”, sagt Vorstandsmitglied Aiman El-Attar.

Doch im Laufe des Gesprächs bricht es dann doch aus ihm heraus: „Das ist phänomenal. Es ist ein Umbruch wie eine Kontinentalverschiebung.” Das sagt er aber ausdrücklich als Privatmann, betont dann aber doch, dass man eine Bewegung in Richtung Demokratie und Meinungspluralismus natürlich unterstütze. Und El-Attar verweist auf das Ziel der Bilal-Moschee, eine der ältesten in Deutschland: die Herausbildung einer islamischen Identität und Integration von Muslimen in die Gesellschaft auf der Grundlage der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Tödliche Schüsse

Dass Aiman El Attar die Achtung der bundesrepublikanischen Prinzipien so betont, hängt mit der Geschichte des Gotteshauses auf der Hörn zusammen, die eng mit der Geschichte seiner Familie verbunden ist. Sein Vater Issam El-Attar, heute 83 Jahre alt, ein weltweit bekannter islamischer Gelehrter und Denker, war von 1978 bis 1996 Leiter des Islamischen Zentrums. Er war Oppositionsführer im letzten demokratisch gewählten syrischen Parlament und kam nach Europa, als ihm im Anschluss an eine Pilgerreise nach einem Militärputsch 1964 die Wiedereinreise nach Syrien verweigert wurde.

Issam El-Attar galt als führender Repräsentant der Muslimbruderschaft, urteilte 1990 das Aachener Landgericht, das damals einen 35-jährigen syrischen Matrosen zu lebenslänglicher Haft verurteilte. Der Seemann, überzeugter Anhänger des Staatschefs Assad, wurde für schuldig befunden, 1981 die Ehefrau von Issam El-Attar in dessen Wohnung an der Herstaler Straße erschossen zu haben, im Hintergrund soll der syrische Geheimdienst die Fäden gezogen haben. Eigentlich galt das Attentat Issam El-Attar selbst, doch der war zu dieser Zeit zur Kur im Sauerland. Entdeckt worden war der Matrose durch den deutschen Staatsschutz im italienischen Livorno.

Dieser Staatsschutz hatte auch lange Zeit ein Auge auf die Bilal-Moschee, denn immer wieder gab es Verdächtigungen, galt sie bei Geheimdiensten als Operationsbasis für Islamisten. Doch die Zeiten sind vorbei. „Die Bilal-Moschee steht seit zwei Jahren nicht mehr im Blickpunkt des Verfassungsschutzes”, bestätigt Carola Holzberg, Sprecherin des nordrhein-westfälischen Innenministeriums. Die Begründung ergebe sich aus dem gesetzlichen Auftrag: „Beobachtet werden darf nur, wenn der Verdacht verfassungsfeindlicher Bestrebungen angenommen wird. Das ist eine Geset-zesautomatik.”

Das deckt sich mit der Einschätzung von Aiman El-Attar, dem auch Übles unterstellt wurde, als er die Tochter eines arabischen Bankiers heiratete, dem wiederum enge Beziehungen zur ägyptischen Muslimbruderschaft und saudischen Regierungskreisen nachgesagt wurden, außerdem Verbindungen zum Terrornetz „El Kaida”. „Alle Vorwürfe sind fallengelassen worden”, sagt Aiman El-Attar. Im Übrigen sei die Ehe längst geschieden: „Es war keine strategische Verbindung.” Für die Altlasten der Väter seien er und seine Frau nicht verantwortlich, hatte er 2001 erklärt, als eine internationale Polizeiaktion gegen die Bank seines Schwiegervaters angelaufen war.

1964 Grundstein gelegt

Das Islamische Zentrum der Bilal-Moschee, dessen Gemeinde aus weit mehr als 1000 Gläubigen besteht, verweist heute auf seine hohen und edlen Ziele, dem gerechten, friedlichen und respektvollem Zusammenleben der Menschen. Aiman El-Attar erinnert an die Gründungsphase: „Die ersten Ideen wurden 1958 entwickelt.” Durch die Arbeitsmigration der 60er Jahre kamen viele muslimische Familien in den Raum Aachen, angezogen vor allem durch die Steinkohleförderung im Aachener Revier.

1964 wurde der Grundstein gelegt, mit großer Unterstützung durch die RWTH, die Stadt Aachen, geplant vom Lehrstuhl für Architektur. Und darauf, dass das Gotteshaus samt Minarett und Kuppel „von Deutschen gebaut” sei, ist der 47-Jährige auch heute noch stolz. Und darauf, dass die Bilal-Moschee, wie schon damals, auch heute noch multinational ausgerichtet ist.

14 muslimische Staaten haben den Bau damals finanziell unterstützt, darunter viele arabische, aber auch Indonesien, Malaysia und der Schah von Persien. Das Islamische Zentrum wurde 1978 als Verein eingetragen, um der Bilal-Moschee eine rechtliche Struktur zu geben. Sie hat einen internationalen Ruf und zieht Besucher und Geschäftsreisende aus der ganzen Welt an.

Keine Verbindungen

Aiman El-Attar: „Das Islamische Zentrum hat keine organisatorischen Verbindungen zur Muslimbruderschaft oder zu anderen Bewegungen.”

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