Aachen: Frauentag: Gewerkschafterinnen sagen es durch die Blume

Aachen: Frauentag: Gewerkschafterinnen sagen es durch die Blume

Blumen gegen die Ungerechtigkeit: Zum gestrigen Internationalen Frauentag verteilten Frauen der Gewerkschaft „Nahrung-Genuss-Gaststätten“ (NGG) auf dem Münsterplatz rote Rosen an erwerbstätige Frauen. „Die Gleichstellung von Frauen und Männern muss voran kommen und die Entgeltlücke zwischen ihnen muss überwunden werden“, erklärte Ludger Bentlage, Gewerkschaftssekretär der NGG Region Aachen.

An einem Informationsstand klärte die Gewerkschaft darüber auf, dass Frauen in Deutschland durchschnittlich 22 Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen — und das bei gleichem Arbeitsaufwand. Die Gewerkschafter fordern einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Diese Forderung unterstützt auch eine junge Studentin, die von ihren Kommilitoninnen aus Dortmund berichtete „Sie sind arabisch und iranisch. Sie arbeiten in Restaurants und bekommen teilweise gerade mal vier Euro Stundenlohn.“ Bentlage kennt das: „So ist es auch in der Pont-straße, wo viele Frauen nur sechs Euro die Stunde bekommen. Aber kündigen werden sie nicht, denn wenig Geld ist ihnen immer noch lieber als keins.“

Über ihre Forderungen informierten die Gewerkschafterinnen auch die Frauen in den Bäckereifilialen, Restaurants und Hotels und überreichten ihnen eine Rose als Zeichen der Wertschätzung. Doch nicht nur der Mindestlohn stand im Fokus der Aktion. „Außerdem wollen wir darauf aufmerksam machen, dass beispielsweise Frauen mit Minijobs benachteiligt werden, da sie im höheren Alter nicht sozial abgesichert sind“, erörterte Marlies Conen, Pastoral in der Arbeitswelt. Conen unterstützte die Arbeit der NGG-Frauen bereits 2012 und trifft sich mit ihnen seit zweieinhalb Jahren jeden zweiten Sonntag zu einem Frauenfrühstück. Hierbei können sie sich über ihre Erfahrungen in ihren Jobs austauschen. „Die Ausdehnung der Schichtarbeit ist der falsche Weg. Wir fordern einen Rechtsanspruch auf Rückkehr aus Teilzeit- in Vollzeitbeschäftigung, damit Frauen ihr Einkommen steigern können“, so Conen.

Aus familiären Gründen unterbrechen Frauen häufiger ihre Erwerbsphase und können alleine mit ihrem eigenen Einkommen keine Familie ernähren. Damit sie trotz Arbeit nicht auf Sozialhilfe angewiesen sind, werden die Gewerkschafterinnen wohl auch im nächsten Jahr auf die Straße gehen und für eine gleiche Behandlung in der Arbeitswelt eintreten.

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