Frauen in Männervereinen? Clubs in Aachen sehen keinen Handlungsbedarf

Reaktionen auf den Vorstoß des AKV : „Bislang wollte noch keine Frau zu uns“

Der Aachener Karnevalsverein (AKV) will künftig auch Frauen als Mitglieder aufnehmen. Was sagen die anderen reinen Männergesellschaften im Aachener Karneval dazu? Wir haben unter anderem bei der Öcher Penn, der Prinzengarde und der Rathausgarde Öcher Duemjroefe nachgefragt.

Es wird heiß diskutiert – bis hin zur provokanten Frage, ob denn künftig noch Herren- oder Damensauna erlaubt sein soll. Tusch. Die Narren sind los, aber (noch) nicht alle Hemmungen fallen. Wohl aber (mindestens) eine der letzten Männerbastionen. Jedenfalls, wenn es nach dem Willen von Werner Pfeil, Präsident des Aachener Karnevalsvereins (AKV), geht.

Im Schulterschluss mit dem AKV-Elferrat will er am 20. Mai in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung nach 160 Jahren AKV-Historie die Vereinssatzung erstmals so ändern, dass künftig auch Frauen Mitglieder in dem traditionellen Männerverein werden können. Ein beispielloser Paradigmenwechsel beim AKV. „Die Satzung ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Pfeil. Selbst die Ehrenmitgliedschaft für verdiente Frauen im AKV-Umfeld sei unmöglich, weil die Satzung es generell ausschließt. Dies gelte sogar für die vom AKV mit der Ritterwürde ausgezeichneten Ritterinnen. „Das ist ein unlösbarer Widerspruch. Diese Ungleichbehandlung ist nicht mehr nachvollziehbar, und sie ist diskriminierend, weil 50 Prozent der Bürgerinnen und Bürger ausgegrenzt werden“, bekräftigt der AKV-Präsident.

Dass die Gemeinnützigkeit des Vereins, und damit entscheidende steuerliche Vorteile, in Gefahr sei, spiele bei seinem Vorschlag zur gendergerechten Öffnung nur am Rande eine Rolle. Nicht nur die Spitzen anderer reiner Männervereine in Aachen verfolgen die „Frauen-Debatte“ mit Argusaugen. Sie könnte weitreichende Folgen haben.

Dennnoch bleiben Dirk Trampen, Kommandant der Aachener Prinzengarde, sowie sein Kollege von der Oecher Penn, Georg Cosler, sowie Peter Brust, geschäftsführender Vorsitzender der Öcher Duemjroefe, angesichts der jüngsten Entwicklung beim AKV gelassen. Die drei Karnevalsvereine sind bislang auch nur reine Männerclubs – und wollen es auch bleiben.

„Wir haben uns bislang noch nicht mit dieser Problematik beschäftigt“, sagt Trampen auf Anfrage unserer Zeitung, räumt aber ein, dass der Verlust der Gemeinnützigkeit „sicherlich steuerlich ein Problem“ sein würde. Die Entwicklung beim AKV werde er natürlich beobachten, er gibt aber zu bedenken, dass der AKV mit der bundesweiten Fernsehsitzung oder dem Aachener Karnevalsprinzen ganz andere Geldsummen bewegt als seine Prinzengarde. „Obwohl wir inzwischen auch mit einem Umsatz im mittleren sechsstelligen Bereich quasi ein mittelständisches Unternehmen sind.“ Aber natürlich werde sich auch die Prinzengarde Neuerungen nicht grundsätzlich verschließen. Und dann fügt Trampen lachend hinzu: „Aber bislang wollte noch keine Frau zu uns.“

Auch Penn-Kommandant Cosler sieht für den größten Aachener Karnevalsverein mit mehr als 700 männlichen Mitgliedern „keinen aktuellen Handlungsbedarf“. Natürlich kenne er den Vorgang, auf den die AKV-Vorstandsentscheidung fußt. „Unsere Berater sind derzeit dabei, mögliche Auswirkungen für die Penn zu überprüfen. Und das wollen wir zunächst einmal abwarten.“

Da ist Peter Brust schon etwas weiter. Denn er steht nicht nur an der Spitze der Rathausgarde Öcher Duemjroefe, sondern ist auch Steuerberater. Und als solcher kennt er die Folgen ganz genau, die eine Aberkennung der Gemeinnützigkeit beim Finanzamt haben kann. „Dann wird die steuerliche Belastung enorm“, sagt er. Denn in diesem Fall müssten die erhaltenen Spenden rückwirkend für drei Jahre versteuert werden und das Vereinsvermögen an den gemeinnützigen Zweck ausgezahlt werden, der in der Satzung festgelegt ist.

„Mutige Entscheidung“

Peter Brust selbst, der die Entscheidung des AKV, mit den Traditionen zu brechen, mutig nennt,  glaubt aber nicht, dass die Aachener Karnevals-, Schützen- oder Gesangsvereine, die nur ein Geschlecht aufnehmen, Auswirkungen auf die Gemeinnützigkeit zu befürchten haben. „Das ist ja Auslegungssache und auch noch nicht zu Ende geurteilt.“ Außerdem habe die Landesregierung unter dem Aachener Ministerpräsidenten Armin Laschet bereits signalisiert, dass die Entscheidung des Bundesfinanzhofes in NRW anders ausgelegt würde.

Und tatsächlich hat Landesfinanzminister Lutz Lienenkämper bereits 2017 eine „wohlwollende Prüfung“ angekündigt. „Wir werden in jedem Fall alle Möglichkeiten ausschöpfen, den Brauchtumsvereinen in unserem Land die Gemeinnützigkeit zu erhalten“, versprach der Minister seinerzeit. „Ihr Engagement für Brauchtum, soziales Miteinander und oft auch für karitative Zwecke reicht regelmäßig weit über die Vereinsgrenzen hinaus und verdient daher eine Entlastung bei der Steuer.“

Die Antwort auf die Frage, ob er sich denn vorstellen könnte, dass auch die Duemjroefe einmal Frauen aufnehmen werden, verschiebt Brust unterdessen in die Zukunft. „Das ist sicher einmal diskutierbar, wenn denn der Bedarf überhaupt da ist.“ Die vielen Frauen, die bereits jetzt in der Rathausgarde mitarbeiten – etwa im Damenkränzchen, in der Kinderabteilung oder in der Showtanzgruppe – „haben bei uns keinerlei Nachteile, nur weil sie nicht Mitglieder sind“.

Frank Prömpeler, Präsident des Festausschusses Aachener Karneval (AAK), erklärt zum AKV-Vorstoß: „Es wird langsam Zeit. Ohne die vielen engagierten Frauen könnten viele Männer ihrem Hobby im Karneval gar nicht nachgehen.“ Aber Prömpeler kennt auch Ressentiments. Unter den 53 Aachener Karnevalsvereinen mit rund 8500 Mitgliedern habe es vor Jahren auch einzelne reine Damenvereine gegeben. Die Haarbachtalerinnen hätten sich dann aber aufgelöst; und die ursprünglich rein weiblichen Nachteulen hätten längst auch Männer aufgenommen.

Natürlich plädiert Prömpeler für Gleichberechtigung, gerade auch im Karneval. Er sieht dabei keinen Widerspruch zu geschlechtspezifischen Rollen, Funktionen und Veranstaltungen – etwa den reinen Herren- oder Damensitzungen. „Das ist keine Diskriminierung; diese Sitzungen haben eine spezielle Atmosphäre, weil das jeweilige Geschlecht unter sich ist“, sagt der AAK-Präsident. Männervereine für Damen zu öffnen, sei die eine Sache, generelle Gleichmacherei aber sicher nicht der optimale Weg, betont er. Eine Gratwanderung.

Prozess mit schwierigen Anfängen

Die stellvertretende Gleichstellungsbeauftrage der Stadt Aachen, Loni Finken, schätzt den AKV-Vorstoß indes ausdrücklich: „Wir begrüßen grundsätzlich, wenn Männern wie Frauen in allen Lebenslagen die gleichen Zugänge ermöglicht werden“, sagt sie. Aber dies sei eben auch im Karneval ein langwieriger Prozess mit schwierigen Anfängen: „Das war auch beim Zugang der Frauen bei der Polizei, der Feuerwehr und der Bundeswehr so.“

Inzwischen seien Frauen dort etabliert. Allein der Umstand, dass die Gleichstellungsfrage nun auch in Männervereinen debattiert werde, sei jedoch ein hoffnungsvolles Signal. Was ausdrücklich nicht als platter Herrenwitz zu verstehen ist.

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