"Frauen helfen Frauen" Aachen: Mehr Frauen suchen Hilfe vor Stalking

Beratungsstelle stellt Jahresbericht vor : Stalker setzen sogar Spionage-Apps ein

Die Aachener Beratungsstelle „Frauen helfen Frauen“, Fachberatungsstelle für Frauen und Mädchen in der Region und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt, hat ihren Jahresbericht 2018 vorgestellt. Das Thema Stalking werde zunehmend wichtiger, sagen die Beraterinnen.

„Die Arbeit wird nicht weniger“, sagt das Team der Beratungsstelle „Frauen helfen Frauen“. Nach ihren Erfahrungen tauchen immer wieder neue Themen in den Beratungsgesprächen auf. Zwar steht die physische und psychische Gewalt mit 373 Fällen im vergangenen Jahr nach wie vor ganz oben auf der Liste der Beratungsinhalte, „aber auch das Thema Stalking, bekommt immer größere Bedeutung“, sagt Natalie Djurkovic, Beraterin „Frauen helfen Frauen“. 52 Fälle von anhaltendem Verfolgen und Belästigen von Opfer wurden 2018 registriert und das ist laut Team eine deutliche Steigerung im Vergleich zu den Vorjahren.

Djurkovic hat sich nun entsprechend auf das Gebiet „digitale Gewalt“ spezialisiert, denn vor allem die anonymen Internet-Plattformen scheinen Stalkern einen idealen Rahmen für ihre Übergriffe zu bieten. Sie verfolgen demnach die von ihnen ausgewählten Frauen nicht selten, indem sie beispielsweise Spionage-Apps auf deren Smartphones installieren, sie im Netz mit Fotos bloßstellen oder sie per Mail und Kurznachrichten terrorisieren. „Es sind oft Männer, die von ihren Frauen verlassen wurden und die sich dann auf diese Art an ihnen rächen“, meint Djurkovic.

In der Beratungsstelle finden die betroffenen Frauen Unterstützung. „Wir beraten sie unter anderem in technischen und rechtlichen Fragen“, erzählt sie. Denn eine Spionage-App auf ein fremdes Handy zu installieren ist demnach leicht, aber ebenso leicht sei es auch, einen solchen Eingriff zu erkennen. „Alles in allem dauert es rund 28 Monate, bevor eine Frau sich von ihrem Verfolger befreien kann“, meint Simone Batt, Vorstand, Und wie das im einzelnen gelingt, ist offenbar in jedem Fall anders. Die digitale Gewalt sei oft die Fortsetzung von analoger Gewalt, und beide Formen könnten nicht voneinander getrennt betrachtet werden, meint Djurkovic.

Auch wenn sich die Schwerpunkte im Lauf der Jahre immer wieder verschoben haben, ist die Beratungsstelle „Frauen helfen Frauen“ nach wie vor eine wichtige Anlaufstelle für Frauen in Not. Scheidungen und Trennungen mit all ihren Folgen sind dabei nach wie vor ein ganz großes Thema. Gerade Migrantinnen stehen oft vor dem Nichts, wenn sie sich von ihrem – womöglich gewalttätigen – Mann trennen. Die Beraterin Hevin Shamsaldin hat bis Ende des vergangenen Jahres bei „Frauen für Frauen“ ein spezielles Flüchtlingsprojekt betreut. Neben Deutsch spricht sie Arabisch und Kurdisch und ist laut Team die Ideal-Besetzung, um das Vertrauen der Migrantinnen zu gewinnen. Nachdem die NRW-Landesförderung für das Projekt eingestellt wurde, betreut sie jetzt Flüchtlingsfamilien in Herzogenrath. Mit Blick auf Aachen gilt nach Meinung der Beraterinnen: „Die Arbeit geht weiter, auch wenn die entsprechenden Mittel ausbleiben.“

Den Migrantinnen unter die Arme zu greifen, wenn es um Behördengänge oder Arztbesuche geht, ist nach wie vor ein großes Thema. „Und wenn die Frauen dann Begriffe wie Jobcenter, Ausländeramt, Unterhaltsvorschuss oder Aufenthaltsbestimmungsrecht kennen, dann haben wir schon viel erreicht“, sagen die Beraterinnen. Gerne würden sie das Team aufstocken, um der großen Nachfrage besser gerecht werden zu können. „Die Frauen stehen inzwischen Schlange bei uns“, sagt Beraterin Angelika Guy. Und jedes Jahr aufs Neue muss das Team auch die Finanzierung der Beratungsstelle sichern. „Wir können froh sein, wenn wir den heutigen Standard halten können, an eine Aufstockung des Teams ist gar nicht zu denken“, sagen die Beraterinnen.

„Gewalt macht krank“

„Gewalt macht krank und führt Frauen in die Isolation“, sagt das Team von „Frauen helfen Frauen“. „Oft finden die Opfer häuslicher Gewalt nicht einmal Unterstützung in ihrem engeren Umfeld“, ergänzt die Beraterin Natalia Uslu. Mit Sätzen wie „Stell dich nicht so an“ und „Das wird schon wieder“ würden die Opfer ruhiggestellt. Trennt sich eine Frau dennoch von ihrem gewalttätigen Ehemann, hat das weitreichende Folgen, umso mehr, wenn sie mit den hiesigen Begebenheiten nicht vertraut ist. Entsprechend groß ist die Hochachtung der Beraterinnen vor all jenen Frauen, denen es gelingt, sich aus ihren Fesseln zu befreien und ein eigenständiges Leben aufzubauen. Besonders schwierig ist die Situation laut Team für Flüchtlingsfrauen. Denn denen drohe nicht selten die Abschiebung, wenn sie sich von ihren Männern trennen. Ihnen zur Seite zu stehen, ist den Beraterinnen nach wie vor ein großes Anliegen. Und auch wenn sie während ihrer Tätigkeit mit viel Leid und menschlichen Abgründen konfrontiert werden, begreifen sie ein dankbares Lächeln oder eine Umarmung ihrer Klientinnen als besten Lohn für ihren Einsatz.

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