Gleichstellung in Aachen: Frauen brauchen Selbstbewusstsein in Sachen Finanzen

Gleichstellung in Aachen : Frauen brauchen Selbstbewusstsein in Sachen Finanzen

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ So schnörkellos steht es seit 1949 im Grundgesetz, Artikel 3, Absatz 2. Die SPD-Politikerin Elisabeth Selbert hatte mit Leidenschaft dafür gekämpft. Dass dieser Grundsatz von der Gleichberechtigung nicht nur auf dem Papier gilt, darauf achtet 70 Jahre später auch Sabine Bausch. Die 39-Jährige ist seit dem 2. Januar die neue Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Aachen.

Sabine Bausch kümmert sich um das Thema Gleichstellung für die rund 5300 Frauen und Männer, die in der städtischen Verwaltung arbeiten, sie ist aber in Sachen Gleichstellung gleichermaßen zuständig für alle Aachenerinnen und Aachen.

In ihrem neuen Job ist Sabine Bausch Nachfolgerin der langjährigen städtischen Gleichstellungsbeauftragten Roswitha Damen, die sich Anfang des Jahres in den Ruhestand verabschiedet hatte. „Eine spannende Sache“, sagt Bausch mit Blick auf die Gestaltungsmöglichkeiten im Gleichstellungsbüro. „Ich kann hier eigene Schwerpunktthemen setzen.“ Denn nach dem Landesgleichstellungsgesetz ist die Gleichstellungsbeauftragte „von fachlichen Weisungen frei“.

Studierte Soziologin und Psychologin

Die gebürtige Mönchengladbacherin, verheiratet und Mutter von drei Kindern, hat in Aachen Politik, Soziologie und Psychologie studiert. Gearbeitet hat sie nach dem Magisterabschluss zunächst als Kommunikationsreferentin bei der EU-Kommission in Brüssel. In Aachen war sie danach Dozentin am Institut für politische Wissenschaft der RWTH und arbeitete bei der Stabsstelle für Gender und Diversity Management, der zentralen Anlaufstelle in allen Fragen zu den Themen Gleichstellung und Vielfalt an der Hochschule. Ab März 2018 war Sabine Bausch Koordinatorin der Landeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten der Hochschulen.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein zentrales Thema, wenn es um Gleichstellung geht. Frauen wollen auch beruflich vorankommen, Männer auch ihren Teil in der Kindererziehung übernehmen. Die Frage, wie Paare die Erwerbsarbeit und die Sorge für die Kinder gemeinsam tragen können, beschäftigt Sabine Bausch bereits seit Jahren. „Wir müssen dahin kommen, dass sich nicht nur die Frauen für die Kinder in der Pflicht fühlen“, sagt sie. In der Aachener Stadtverwaltung seien, auch durch Initiativen des Gleichstellungsbüros, bereits wichtige Rahmenbedingungen geschaffen worden, damit sich Arbeit für Frauen wie Männer familienfreundlicher gestalten lasse. Teilzeitbeschäftigung und mobile Arbeit sind da nur zwei Stichworte.

Erziehungsfrage hat immer noch mit Einkommen zu tun

Natürlich, sagt die 39-Jährige, habe die Frage, wer beruflich kürzer tritt, um die Kinder oder die alten Eltern zu versorgen, auch viel mit dem Einkommen von Frauen und Männern zu tun. Und immer noch sind es häufig die Männer, die mehr verdienen. Dennoch: Mütter, die (vorübergehend) aus dem Job aussteigen, laufen Gefahr, im Alter mit wenig Geld dazustehen. „Was kurzfristig sinnvoll erscheint, kann im Altern zu Armut führen“, warnt die Gleichstellungsbeauftragte. Sie findet: Frauen sollten ihre Finanzen selbstbewusst im Blick haben – auch für den Fall, dass die Partnerschaft irgendwann in die Brüche geht. Auch das Dauerbrenner-Thema Kinderbetreuung will die neue Gleichstellungsbeauftragte im Blick behalten. „Die Randzeitenbetreuung ist ein ganz spannendes Thema“, findet sie.

Das Gleichstellungsbüro im Verwaltungsgebäude Katschhof sehen Sabine Bausch und ihre Stellvertreterin Loni Finken auch als „Lotsenstelle“. „Man kann sich in allen Fragen der Gleichstellung bei uns melden“, betont Bausch.

Kontakt: 0241/432, E-Mail gleichstellungsbuero@mail.aachen.de