Fotokunst: Ausstellung „Geschenkt – Gesammelt“ in Aachen steht bevor

Ausstellung „Geschenkt – Gesammelt“ : Zurück zu den Wurzeln der Fotokunst

Zurück zu den Wurzeln der Fotografie als Kunstgattung geht es im Stadtbad am Blücherplatz mit der großen Ausstellung „Geschenkt – Gesammelt“ von Professor Wolfgang Becker. Rund 80 meist schwarz-weiße Fotos von 18 Aachener Fotografen werden gezeigt, die meist in den 70er- und 80er Jahren aufgenommen wurden.

„Damals gründete sich in Aachen eine erwachende Fotografen-Szene ohne Vorbild, das war das Besondere“, erinnert sich Wolfgang Becker, seinerzeit Leiter der Neuen Galerie. „Besonders aus dem Umfeld der RWTH kamen die jungen Fotografen. Sie waren nicht nur Künstler, die das Medium Fotografie nutzten, sondern auch Dokumentierende, Berufs- und Amateurfotografen, und sie boten mir damals ein neues Forschungsfeld, das mich faszinierte.“ Besonders stolz war er auf die Arbeiten von Barbara und Michael Leisgen, die mit ihrer Fotokunst bei der „documenta 6“ 1977 in Kassel teilnahmen – er hatte sie bereits drei Jahre vorher in Aachen ausgestellt und freute sich, dass die renommierte Ausstellungsplattform die Fotografie zur neuen Kunstgattung erkoren hatte.

Somit befanden sich die Aachener Lichtbildner auf sicherem künstlerischen Terrain, ganz gleich, ob sie Szenen industrieller Arbeitswelten, Hecken in der Eifel, Architektur oder Abbildungen fotografierten. Zwei privat geführte Galerien in Aachen übernahmen ebenfalls die Ausstellungen der Fotografien, die seinerzeit noch allesamt analog und mit erheblichem handwerklichen Aufwand entstanden. Zum einen war dies Wilhelm Schürmanns und Rudolf Kickens Galerie „Lichttropfen“ in der Kockerellstraße, die eine der ersten Fotogalerien in Deutschland darstellte, zum anderen die Galerie „medium A“.

„Geschenkt – gesammelt“ ist eine Ausstellung, die beim „Wühlen in alten Kisten“ ihren Ursprung nahm. Sorgfältig hat Becker nicht nur die Foto-Geschenke der Künstler aufbewahrt, sondern auch die alten blau-weißen Kataloge der Neuen Galerie, die heute einen lückenlosen Überblick über die seinerzeitigen Fotokunst-Aktivitäten geben.

Mit Anne Gold, Klaus Herzog und Wilhelm Schürmann fingen die Fotografie-Ausstellungen vor 43 Jahren in der Neuen Galerie an. Um die Fotokunst so einzigartig wie etwa Malerei zu machen, schuf Klaus Herzog aus seinen Arbeiten Unikate, indem er die Negative zerstörte. Auf die Darstellung der Verwirrung, die seinerzeit in der Kunstwelt rund um Bildkunst und Fotografie herrschte, setzte ein paar Jahre später das Maler-Fotografen-Duo Martin Kippenberger und Wilhelm Schürmann mit „Song of Joy“. Sie „führen uns ihre Medien im Zustand von Erdbeben vor, in dem Glaubwürdigkeit durch Ungläubigkeit, Unsicherheit und Angst ersetzt ist“, steht im Katalogtext zu diesem damals provozierenden Werk.

Die Ausstellung wird vom 12. September bis zum 13. Oktober im Stadtbad, Blücherplatz 24, jeweils donnerstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr gezeigt. Täglich ist einer der Fotokünstler anwesend und steht für Gespräche zur Verfügung. Die Vernissage beginnt um 19 Uhr.

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