Aachen: Fotograf Roger Ballen stellt bei Artco aus

Aachen : Fotograf Roger Ballen stellt bei Artco aus

Ein hundeartiges Skelett hockt auf der Brust eines alten Mannes, der auf dem Boden liegt. Zwei Steine stützen seinen Kopf, der Blick geht nach innen. Kräftig drücken die fleischigen Männerhände des Wesens auf den Körper, dicht geht sein knöcherner Kopf an das Gesicht des Mannes. Das Wesen scheint ihm etwas zuzuflüstern — mit Glanz in den Augen.

„Rendez-vous“ nennt sich die seltsame Begegnung, die vielleicht einem Alptraum entspringt, mit Sicherheit aber einen besonderen Blick in menschliche Abgründe wirft.

Die Begegnung von Mensch und Monster ist nur 45 x 45 Zentimeter groß und inszeniert sich in morbidem Schwarz-Weiß-Grau als Fotografie einer düsteren Collage. Sie ist das Ergebnis der künstlerischen Zusammenarbeit des südafrikanischen Weltklasse-Fotografen Roger Ballen mit dem niederländischen Zeichner Hans Lemmen, die eine außergewöhnliche Kooperation verbindet. Nachdem sie vor Jahren schon gemeinsam belgische Flohmärkte auf der Suche nach Motiven besucht hatten, entdeckten sie ihr gemeinsames Interesse nicht nur an Morbidität und Dekadenz, sondern an weiterreichenden Abgründen, die ihnen wie eine Entfesselung von Natur und Zivilisation erscheinen.

„Unleashed“, zu deutsch etwa „von der Leine gelassen“, nennt sich ihre gemeinsame Serie zu den Untiefen, Abgründen, Schattenseiten und Grauensvisionen, in denen Fotografien von Roger Ballen mit Zeichnungen von Hans Lemmen versehen werden oder ausgeschnittene Elemente der Fotografien zu den Zeichnungen hinzukommen. Beide arbeiten räumlich getrennt voneinander — Ballen in Johannesburg, Lemmen in Belgien — und pflegen über tausende Kilometer Entfernung dennoch eine intensive künstlerische Partnerschaft mit Kamera, Zeichenstift und Schere.

Eine Schere im Kopf gibt es allerdings nicht: die Fragen und vielleicht auch Antworten zum Einbrechen der Zivilisation, den Untiefen menschlicher Psyche und schwerster Schattenseiten muten die Künstler nicht nur sich selbst, sondern auch den Betrachtern zu. Ballen macht keine beliebigen Fotos, sondern will, dass seine Bilder auf das Unterbewusstsein wirken und psychologisch nachhallen. Bei allem Respekt und einer gebotenen Distanzierung zu den Inszenierungen des Grauens zeigt bis bisweilen ein tief schwarzer Humor in den Abgründen, die verstörend und spielerisch zugleich nach den Gemeinsamkeiten, Übergängen und Grenzen von Zivilisation und Wildnis, Mensch und Tier sowie Wirklichkeit und Fiktion fragen.

Die Ausstellung hängt noch bis zum 22. Juli in der Artco-Galerie am Seilgraben 31, bis Ende Dezember stellen Ballen-Lemmen zum gleichen Thema im Bonnefanten Museum Maastricht aus.

Geöffnet ist die Galerie dienstags bis freitags von 10 bis 13 und 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung unter Tel. 0241/40126750.