Aachen: Forum „Brennpunkt Ostviertel“: Bürger und Behörden im Gespräch

Aachen : Forum „Brennpunkt Ostviertel“: Bürger und Behörden im Gespräch

Das Thema Sicherheit bewegt die betroffenen Bürger im Ostviertel. Seit dem 24. Oktober, an dem ein Polizist von einer Gruppe von 15 jungen Leuten verfolgt wurde, als er einen Verdächtigen festnehmen wollte, ist die Polizei fast täglich aktiv. Ein Teil der Bevölkerung in dem Stadtviertel begrüßt diese Maßnahmen, ein anderer Teil hat das Vertrauen in die Ordnungshüter verloren.

Die „Nachrichten“ bringen Bürger und Behörden beim Forum „Brennpunkt Ostviertel“ erstmals miteinander ins Gespräch. Richard Okon, Leiter der Offenen Tür Josefshaus, und Aynur Kazak, Inhaberin des Kennedy-Grills an der Elsassstraße, werden am Mittwoch, 18. Dezember, um 18.30 Uhr im Kasino des Zeitungsverlages Aachen mit Stadtdirektorin Annekathrin Grehling und Polizeipräsident Klaus Oelze über die Probleme im Ostviertel diskutieren. In einer Zuschauerrunde können Fragen gestellt und Probleme angesprochen werden.

Auch bei der jüngsten öffentlichen Stadtteilkonferenz Aachen-Ost ging es um die angespannte Situation im Ostviertel. Lebhaft diskutierten zahlreiche interessierte Bürger, die sonst keinen Zugang zu den nichtöffentlichen Sitzungen finden

Einige Mitglieder des Jugendbüros der Offenen Tür Josefshaus waren gekommen, um aus ihrer Sicht die Dinge zu schildern und zu erklären, ältere Damen berichteten von ihrer Angst, durch die Straßen des Ostviertels zu gehen, wiederum andere Einwohner, nach eigenen Angaben bereits seit einem Viertel Jahrhundert dort lebend, meinten, dass das Ostviertel nicht gefährlicher sei, als andere Viertel in Aachen: „Auch am Elisenbrunnen werden Handtaschen geklaut.“

Mit Drogen gedealt

Dennoch: Die Mitglieder des Jugendbüros berichteten, dass in der Gegend um den Kennedypark mit Drogen gedealt wird, die massiven Polizeieinsätze übertrieben seien. „Gespräche wären besser“, meinte ein junger Mann. Und Jennifer Darkwah, eine junge engagierte Mitarbeiterin des Josefshauses, konstatierte, dass das miserable Verhältnis zwischen Migrantenkindern und Ordnungshütern schon vor dem Ereignis vom 24. Oktober bestanden habe. „Da mussten sich Jugendliche auf der Straße bei Überprüfungen bis auf die Unterhose ausziehen. Das konnten alle sehen“, erzählte sie.

Und auch Marianne Kuckelkorn von der Arbeiterwohlfahrt in der Schleswigstraße wusste von netten Begegnungen im Viertel zu erzählen. „Gelebte Geschichte“ hieß das Projekt, das die AWO angeboten hatte und in dessen Verlauf sich Alte und Junge, getroffen hatten und vieles aus der Vergangenheit Revue passieren ließen. „Die Jungen und die Alten sind aufeinander zugegangen und haben sich schätzen gelernt“, sagte Marianne Kuckelkorn.

Rainer Bertrand von Eurotürk mischte sich ein mit der Bemerkung: „Was hier fehlt, ist ein Begegnungszentrum, dass auch übers Wochenende hinaus geöffnet ist und in dem sich alle Altersklassen treffen können.“ Er stieß dabei ins selbe Horn wie schon zuvor Jennifer Darkwah, die bedauerte, dass dem Josefshaus die Möglichkeit fehlt, auch an Samstagen und Sonntagen zu öffnen. Denn für mehr hauptberufliche Kräfte werde einfach kein Geld zur Verfügung gestellt.

Ratsfrau Ulla Griepentrog (Grüne) erinnerte daran, dass ins Ostviertel und Rothe Erde als „Soziale Stadt“ Millionen von Euro gepumpt wurden: „Das scheint nicht zu reichen. Wir müssen aufstocken.“ Sie kündigte an, dass ihre Partei in der Nadelfabrik im Reichsweg 30, am Montag, 2. Dezember, 18 Uhr im Seminarraum II, erstes Obergeschoss, das Gespräch mit den Viertelbewohnern aufnehmen will. Mit dabei sind Bürgermeisterin Hilde Scheidt, Ulla Griepentrog und Burhan Cetikaya.

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