Aachen: Flüchtlingscontainer: Weiter Gerangel um Grundstücke

Aachen : Flüchtlingscontainer: Weiter Gerangel um Grundstücke

Das Grundstück zu klein, die Container zu teuer — das sind die Hauptargumente, mit denen vor allem Grüne und FDP gegen den Vorschlag der Verwaltung zu Felde ziehen, 44 Wohncontainer für bis zu 60 Flüchtlinge an der Hergelsbendenstraße in Haaren aufzustellen. Auch in der CDU mehren sich inzwischen die Gegenstimmen.

Knapp 20 Euro soll die Stadt pro Quadratmeter für die Wohncontainer aufbringen — und dies über einen Zeitraum von zehn Jahren hinweg. Dies sei allenfalls für den Investor ein gutes Geschäft, kritisieren Grüne und FDP, die sich strikt gegen die Anmietungspläne aussprechen, die bislang ausschließlich nichtöffentlich beraten wurden. Die Entscheidung über die Container-Anmietung soll der Rat in seiner nächsten Sitzung am 20. Mai treffen.

Während der Haarener Investor den happigen Mietpreis mit seinen hohen Investitions- und Versicherungskosten begründet, haben sich nach der Berichterstattung in den „Nachrichten“ inzwischen auch andere Investoren gemeldet, die eigenen Angaben zufolge günstigere Angebote abgegeben haben. Darunter ebenfalls ein Haarener, der unweit des avisierten Grundstücks an der Hergelsbendenstraße am Strangenhäuschen ein wesentlich größeres vorweisen kann.

Dort würde eine rund 4000 Quadratmeter große befestigte Fläche mit Strom- und Wasseranschluss für einen Euro pro Quadratmeter zur Verfügung stehen. In der Summe seien demnach die Container deutlich preiswerter aufzustellen, zudem sei das Grundstück vier Mal so groß wie das derzeit diskutierte.

Das dürfte all jene Politiker freuen, die ohnehin der Meinung sind, dass es preiswertere und bessere Lösungen geben müsse. So hat bereits die Bezirksvertretung Haaren mehrere Alternativflächen vorgeschlagen.

1500 Plätze benötigt

Alle Angebote würden eingehend vom Gebäudemanagement der Stadt geprüft, versichert Sozialamtsleiter Heinrich Emonts. Schließlich sollen bis Ende September Wohnungen für mindestens 1500 Flüchtlinge zur Verfügung stehen. „Wir suchen noch sehr viele Plätze“, so Emonts. Denn eine Unterbringung in Notquartieren wie Turnhallen will man trotz der vermutlich schon bald ansteigenden Flüchtlingszahlen möglichst vermeiden.

Um so überraschender erscheint es inzwischen einigen Politikern, dass die Stadt offenbar das für Flüchtlinge hergerichtete Schulgebäude an der Franzstraße schon zum Jahresende wieder räumen will. Es sei von Anfang an nur für ein Jahr in der Planung gewesen, sagt Emonts, der allerdings durchblicken lässt, dass er an einer längeren Nutzung interessiert wäre. „Aber man muss natürlich auch städtebauliche Entwicklungen berücksichtigen“, gibt er zu bedenken. Das Grundstück an der Franzstraße soll womöglich schon bald neuen Zwecken zugeführt und von einem Investor weiterentwickelt werden. Die Entscheidung darüber müsse die Politik treffen.

Die nächsten harten Diskussionen sind somit abzusehen. Denn längst nicht jeder Politiker will derzeit einsehen, warum man eine bestehende Flüchtlingsunterkunft im städtischen Besitz aufgeben und stattdessen für viel Geld privatfinanzierte Unterkünfte anmieten soll.

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