Aachen: Flüchtlinge integrieren sich bei der Gartenarbeit quasi ganz nebenbei

Aachen : Flüchtlinge integrieren sich bei der Gartenarbeit quasi ganz nebenbei

Neue Wurzeln zu finden, das wünschen sich die geflüchteten Menschen, die im Aachener Süden ein neues Zuhause gefunden haben. Die in Brand und Driescher Hof untergebrachten Familien stammen vorwiegend aus Afghanistan, Syrien und dem Irak. Mit dem vor einem Jahr von Richard Schmitt initiierten Gartenprojekt „Neue Wurzeln“ haben sie einen Treffpunkt gefunden.

„Wir sind eine tolle Gemeinschaft, zu der jeder willkommen ist, ob Brander oder Zugezogener. Hauptsache, man hat Lust am Gärtnern und draußen an der frischen Luft zu sein“, erklärt Schmitt. Das einjährige Bestehen seiner am Grauenhofer Weg 146 beheimateten Erfolgsidee wurde jetzt groß gefeiert. Es gibt einen festen Stamm von fünf Leuten, bis zu 20 Männer und Frauen sind regelmäßig dabei. „Die zuvor brachliegende Wiese wurde von einer Firma kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Wir haben alles in Eigenregie und mit Hilfe von vielen Sachspenden hergerichtet. Zunächst wurde die Wiese umgepflügt, vom darunter verborgenen Bauschutt befreit“, erzählt Schmitt, während seine neuen syrischen Freunde kurz vor dem gemeinsamen Grillabend noch mal Unkraut zupfen und Gießen.

„Wir sind kein Schrebergarten“

Einen Leistungsdruck, hier besonders viel Gemüse zu ernten, oder besonders kunstvolle Blumenbeete anzulegen, gibt es nicht. „Wir sind kein Schrebergarten. Wahrscheinlich gerade deshalb, weil es so zwanglos ist, sind alle mit viel Interesse dabei. Wir haben hier 300 Kubikmeter Muttererde verteilt, Hochbeete angelegt. Pferdemist vom nahen Bauernhof und Humuskompost dienen als Dünger.

Und die Teilnehmer sprudeln nur so vor Ideen“, freut sich Schmitt, der in der Flüchtlingsbetreuung im Aachener Süden seit langer Zeit aktiv ist. Mit dem Gartenprojekt ist ihm ein großer Schritt zur Integration gelungen, denn die gemeinsame Sorge um die Pflanzen ließ tatsächlich auch die Menschen Wurzeln schlagen.

Eine Fläche zum Entspannen wird gerade angelegt und das vor Kurzem ersteigerte Gewächshaus wird aufgebaut. „Wir haben das Glück, dass uns viele Leute mit Sachspenden unterstützen“, erzählt Schmitt.

Viele der Flüchtlinge könnten bereits gut Deutsch. Und die Namen der Pflanzen lernen sie bei der Gartenarbeit ganz nebenbei. Das Prinzip ist die Mischkultur, nicht nur, was die Teilnehmer betrifft: Kartoffeln gedeihen neben Dill, Koriander und Ringelblumen, darüber hinaus gibt es zum Beispiel Erdbeeren und Zucchini. Der Teich mit seinen Lilien, die Hügelbeete und ein Bohnenzelt sind wahre Hingucker. Das Theater Aachen spendete aus einer aktuellen Produktion zwei Kirschbäume.

Bald würden noch ein Marktstand und eine Terrasse angelegt, um noch mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen. Samstags ab 11 Uhr sind jederzeit auch neue Gärtner willkommen. Kosten entstehen keine. Infos erteilt Richard Schmitt unter Telefon 0157/50312808.

(krü)
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