Aachen: Flüchtlinge: Die Hilfsbereitschaft ist weiterhin groß

Aachen : Flüchtlinge: Die Hilfsbereitschaft ist weiterhin groß

Als die schreckliche Nachricht von der Messerattacke auf den Bürgermeister von Altena im Sauerland, Andreas Hollstein, die Runde machte, wurden Fragen laut, ob so etwas auch anderswo passieren könnte. Altena ist sicherlich keine Hochburg der Fremdenfeindlichkeit. Der lebensbedrohliche Angriff war eine Einzeltat, Hollstein macht unbeirrt weiter — und sendet damit ein positives Signal an die vielen ehrenamtlichen Helfer, die nun seit zwei Jahren die zugeteilten Flüchtlinge begleiten und betreuen — auch in Aachen.

Die Lage in Aachen, berichtet der Leiter des städtischen Fachbereichs Wohnen, Soziales und Integration, Rolf Frankenberger, ist entspannt, was auch mit der inzwischen komfortablen Situation der Stadt zutun hat. Aachen habe sein Aufnahmekontingent bereits seit langem übererfüllt. In der Stadt leben — Stand 31. Oktober — sowohl in Einzelwohnungen wie in Übergangsheimen insgesamt 1947 Flüchtlinge. Sieben Flüchtlingsunterkünfte werden derzeit vom Roten Kreuz versorgt und verwaltet, das sind die Unterkünfte an der Roermonder Straße mit einer Kapazität von mehr als 220 Plätzen, dann gibt es Wohnungen in der Turpinstraße, Kalverbenden, Heidbenden, im Schweizer Hof in Lichtenbusch, der Körner-Kaserne sowie in der Beginenstraße.

DRK-Mitarbeiterin Gisela Bosle freut sich über den unvermindert großen Einsatz der Ehrenamtler und Freiwilligen im Umfeld der Unterkünfte, die Stimmung dort sei trotz der einfachen Unterbringung dauerhaft gut, sagte sie den „Nachrichten“. Ähnliches stellt Frankenberger fest: „Ich bin positiv überrascht“, sagt er im Schulterschluss mit Mitarbeiterin Sandra Knabe, die sich insbesondere um die Wohnsituation der Flüchtlinge und die Angebote zur Integration kümmert. Überrascht vor allem von der nachhaltigen Bereitschaft der Aachener, sich weiterhin für Menschen einzusetzen, die aus Kriegsgründen oder auch „nur“ aus blankem Hunger den Weg nach Deutschland gefunden haben. Dabei sei er froh zu sehen, dass es auch in abgelegenen Bereichen wie der Unterkunft Schweizer Hof in Lichtenbusch nach wie vor eine rege Beteiligung des Umfelds an der Versorgung der Flüchtlinge gebe. Daneben gibt es selbstverständlich berufsmäßige „Kümmerer“, die bei Behördengängen und anderen Problemen helfen.

Allerdings könne die momentane Ruhe, räumt Frankenberger ein, von heute auf morgen vorbei sein. „Wer kann angesichts der Weltlage sagen, dass nicht bald wieder ein Bürgerkrieg ausbricht?“

Für Wohnungsfachmann Frankenberger ist eines der großen Aachener Probleme der bezahlbare Wohnraum, der mit der stetigen Abnahme öffentlich geförderter Wohnungen, früher „Sozialer Wohnungsbau“ genannt, immer mehr reduziert wurde. Da Aachen wächst, wachsen auch die Mietpreise. Das ist ein Problem, da Vermieter sich häufig den solventesten Mieter unter vielen Bewerbern aussuchen können. Die Chancen von Flüchtlingsfamilien, oft mit großer Kinderschar, stehen da häufig schlecht.

Das Problem beschäftigt auch Sandra Knabe massiv. Rund 60 Familien seien vor zwei Jahren in Wohnungen untergebracht worden, die nun wieder geräumt werden müssen. Das sei kein böser Wille der Vermieter, betont sie. Oft habe von vorneherein festgestanden, dass die Wohnungen zeitlich begrenzt zur Verfügung stünden, berichtet Knabe. Doch Ersatzwohnungen zu finden, ist äußerst schwer. So könne es durchaus sein, dass Flüchtlingsfamilien zurück in die Unterkünfte müssen. Immerhin wohnen knapp 1200 Flüchtlinge in über die gesamte Stadt verteilten Wohnungen. Die Streuung über das gesamte Stadtgebiet sei gut und habe sich bewährt.

Auch deswegen begrüßt Frankenberger die Ziele der sogenannten „RL Flü“, der Landesrichtlinie zum Bau von Flüchtlingswohnungen für große Familien, die ansonsten kaum irgendwo unterkommen.

Kleine Schritte, große Wirkung

Für DRK-Frau Gisela Bosle haben kleinere Anstrengungen umgehend Erfolge gezeigt. So sei es anfänglich ein großes Problem gewesen, dass nicht in allen Flüchtlingsunterkünften WLAN zur Verfügung stand. „Die Leute wollten sich verständlicherweise über das Internet mit ihren Familien verständigen“, erklärte sie. Das habe man jetzt überall gelöst. Was sich ebenso bewährt habe, seien Jobs für die Menschen, die vergleichbar mit den Ein-Euro-Jobs im Sozialbereich seien. „Da haben bereits viele eine Aufgabe gefunden“, berichtet Bosle.

Nach wie vor stammen die größten Flüchtlingsgruppen aus Syrien und dem Irak, dann folgen der Iran, Eritrea und Somalia, insgesamt aber sind in Aachen inzwischen rund 50 Nationen vertreten — eine stolze Zahl für die Stadt im Herzen Europas.

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