Aachen: Flandern-Fest: Wo Pferde beim Fischen helfen

Aachen: Flandern-Fest: Wo Pferde beim Fischen helfen

Für einen kurzen Moment schauen sich die 2000 Menschen auf dem Marktplatz um. Hinter und zwischen ihnen klettert einer. Rauf auf den Brunnen. Wenige Klimmzüge und einige helfende Hände, schon steht er neben Kaiser Karls Replikation. Uwe Macharey, frisch gebackener Elektrotechnikdoktor, genießt einige Sekunden die Aufmerksamkeit.

Schnell ist er wieder unten. Und genauso schnell richten sich die Blicke von Öchern und Auswärtigen wieder in Richtung Rathaus.

Schließlich gab es dort das zu sehen, wofür sie an diesem späten Nachmittag so zahlreich gekommen waren. Nämlich für Flandern, Die belgische Region ist in diesem Jahr Partnerland des CHIO. Und Montagnachmittag präsentierten sich die Flamen in der Aachener Innenstadt, bevor sie am Dienstag die offizielle Eröffnungsfeier des Reitturniers gestalten.

Kultur- und Pferdeland Flandern

„Das hier ist ein Vorgeschmack auf die flämischen Pferde und die Tradition”, sagte Frank Kempermann, Geschäftsführer des Aachen-Laurensberger Rennvereins, der seit 30 Jahren in Flandern lebt. Und „sein” Land kam bei den Menschen richtig gut an, als Kulturland und vor allem als Pferdeland. In einer prächtigen Eskorte liefen die berühmten belgischen Kaltblüter an den Zuschauerrängen vorbei. Auf ihnen Reiter in gelben Regencoats, flämische Garnelenfischer, die auch heute noch mit den Pferden in der Nordsee auf Fang gehen. „Nach den leckersten Garnelen der Welt”, merkte Moderator Volker Raulf gleich an.

Hoch zu Ross kam auch die Kaltblutgruppe von Nico Henckens in Bauernkostümen. Ein Sinnbild für den Einsatz der majestätischen Tiere in der Landwirtschaft. Und die Reiter von Louis van de Veijver türmten sich auf den bis zu 1,5 Tonnen schweren Tieren auf zu einer Menschenpyramide aus sechs Personen. „Die wird im Stadtion noch höher”, klärte Volker Raulf auf.

Zwar ohne Pferde, aber dennoch in luftiger Höhe, zeigten sich die Stetlopers. Auf Stelzen in den Nationalfarben Belgiens stolzierten sie über das Kopfsteinpflaster. Einer sogar auf so hohen Holzpfählen, dass er an der Rathausempore Oberbürgermeister Jürgen Linden die Handreichen konnte. Sogar ein Stetlopers-Kampf wurde ausgefochten. Allerdings nicht mit den empore-hohen Stelzen.

Insgesamt 200 Pferde und 350 Flamen sind nur für das CHIO nach Aachen gekommen. „Fühlen Sie sich wie Zuhause”, bat Jürgen Linden, der vom CHIO-Partner 2009 sichtlich begeistert war. „Wir sind froh, ein Land hier zu haben, das von den Städten über die Landschaft bis zu den Pferden so viel zu bieten hat. Hoffentlich können wir durch diese Begegnung unsere Freundschaft noch vertiefen.” Persönlich gekommen war der Ministerpräsident Flanderns, Kris Peeters, mitsamt Ehegattin. Er bedankte sich für die Einladung in die Domstadt: „Wer Aachen sagt, der sagt auch Pferde. Und es stimmt, dass jeder einmal in seinem Leben hier gewesen sein sollte.” Und dieser Besuch geht für Peeters und seine Landsleute auch mit dem CHIO einher.

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