Aachen: Finanzplan: Auf das Theater Aachen kommen härtere Zeiten zu

Aachen : Finanzplan: Auf das Theater Aachen kommen härtere Zeiten zu

Dass man sich als sparsame Pfennigfuchserin selten Freunde macht, weiß auch Kämmerin Annekathrin Grehling. Und so macht sie sich schon darauf gefasst, in den nächsten Tagen — symbolisch versteht sich — verprügelt zu werden. Auslöser ist ihr am Mittwoch in den Rat eingebrachter Entwurf für den Haushalt 2018, der unter anderem die Freunde des Theaters Aachen in Wallung versetzen könnte.

Denn wie sie bereits im Juni im Theaterausschuss deutlich gemacht hat, erwartet sie von der städtischen Spielstätte einen gewichtigen Sparbeitrag.

Höhere Ticketpreise, billigere Produktionen, mehr Boulevard, weniger Freikarten — alles sei denkbar, macht Grehling deutlich. Hauptsache das Haus kriege endlich das Problem mit den stetig steigenden Zuschüssen in den Griff. Rund 20 Millionen Euro lässt sich die Stadt ihr Theater gegenwärtig jährlich kosten, Tendenz steigend. Begründet wird der Fall von den Kulturverantwortlichen insbesondere durch den großen Personaleinsatz und die damit verbundenen hohen Kosten. Doch Grehling ist nicht gewillt, die Zügel schleifen zu lassen.

Sie kündigt zwar an, in den nächsten Jahren die Zuschüsse um bis zu einer knappen Million jährlich zu erhöhen, erwartet aber von den Theaterverantwortlichen zugleich auch feste Zusagen, höhere Einnahmen zu erzielen. Der Kostendeckungsgrad sei in den letzten zehn Jahren von 18,0 Prozent auf 13,1 Prozent abgesunken, bemängelt sie und verweist auf andere Städte, die in ihren Spielstätten deutlich bessere Umsatzerlöse pro Besucher erzielen würden.

Die dem Theater Aachen bevorstehende Spardebatte findet vor dem Hintergrund eines Haushaltsentwurfs statt, der auch im kommenden Jahr wieder auf Kante genäht ist. Angesichts sprudelnder Steuern — darunter die Gewerbesteuer als wichtigste kommunale Geldquelle mit prognostizierten 187 Millionen Euro — geht sie zwar „entspannter als noch vor zwei Jahren“ in die Zukunft. Von einem ausgeglichenen Haushalt ist sie bei einer geplanten Neuverschuldung von 33,6 Millionen Euro jedoch weit entfernt. „Die Luft ist nach wie vor dünn“, warnt Grehling.

Keine Steuererhöhungen

Dennoch ist der städtische Haushalt genehmigungsfähig, die Stadt behalte ihre Handlungsfähigkeit. Grehling selbst spricht von einem undramatischen Haushalt „ohne Besonderheiten“, was den meisten Aachenern entgegenkommen dürfte: Sie müssen sich weder auf eine Anhebung der Steuern und Gebühren, noch auf spürbare Leistungseinschnitte einstellen.

Der Ausbau der U3-Betreuung in den Kitas und den Offenen Ganztagsschulen, die Hilfen zur Erziehung, die Ausweitung der Unterhaltsvorschussleistungen — all dies sind Posten, die im städtischen Haushalt zwar mächtig zu Buche schlagen, aber gestemmt werden können. Nach gegenwärtigem Stand werden die Aufwendungen für Flüchtlinge um rund 7,4 Millionen auf knapp 13 Millionen Euro deutlich zurückgehen. Ob das so bleibt, kann allerdings auch Grehling nicht vorhersehen. Eine neue Flüchtlingswelle könne nicht ausgeschlossen werden, sagt sie.

Deutlich draufsatteln muss sie allerdings bei den Personalkosten, die im nächsten Jahr voraussichtlich um rund zehn Millionen Euro auf dann etwa 195 Millionen Euro ansteigen werden. Neue Stellen müssen unter anderem bei der Feuerwehr, in den Kitas und auch für das große Thema Digitalisierung geschaffen und besetzt werden. Auch beim Stadtbetrieb müssen 2,5 Millionen Euro draufgesattelt werden, um die hohen Kosten für die Grünpflege aufzufangen.

Als gesichert können die Neu- und Umbaupläne der Schulen Bildchen und Eilendorf, die Sanierung des Inda-Gymnasiums und des Schulzentrums Laurensberg, der Neubau der Feuerwache Burtscheid und auch des Neuen Kurhauses gelten, dessen Umbau nach jüngsten Berechnungen nunmehr mit gut 25,5 Millionen Euro veranschlagt wird.

Grehling zeigte sich am Mittwoch guten Mutes, mit ihrem neuen Haushalt ein solides Werk vorgelegt zu haben, das auch noch Luft für Überraschungen und Verschiebungen lässt. So hat sie es auch in der Vergangenheit gehalten. Für das Jahr 2016 kann sie sogar noch nachträglich ein Plus von rund 16 Millionen Euro verbuchen. „Ich finde es schön, dass unsere Planungen von den Ergebnissen bestätigt werden“, sagt sie.

Nun ist die Politik am Zug, die den Grehlingschen Entwurf am Mittwoch ohne weitere Debatte entgegengenommen hat. Die Diskussionen aber werden nicht lange auf sich warten lassen — siehe Theater. Der neue Haushalt soll im Januar verabschiedet werden.

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