Finanzierung des Tierheims in Aachen weiter offen

Tierschutzverein fordert höheren Zuschuss : „Dann wird es in Aachen ab Januar kein Tierheim mehr geben“

Der Satz ist vom Konjunktiv geprägt, aber seine Aussagekraft leidet darunter nicht: „Wenn die Stadt uns nicht entgegenkommen sollte, dann wird es ab Januar kein Tierheim mehr in Aachen geben.“ Das sagt nicht irgendwer, sondern Lutz Vierthaler. Und der ist Vorsitzender des Tierschutzvereins für die Städteregion, der im Aachener Feldchen das Tierheim betreibt.

Schon am Anfang des Jahres haben Vierthaler und seine Vorstandskollegen Alarm geschlagen, weil mit dem Arbeitsaufwand auch die Kosten stetig gestiegen sind. Die Betriebskostenzuschüsse aber haben sich seit 2014 nicht geändert: 180.000 Euro werden jährlich von der Städteregion überwiesen, 170.000 Euro von der Stadt Aachen.

Dem stehen mittlerweile Kosten alleine für das 24-köpfige Team von rund 460.000 Euro gegenüber. Immer mehr Beschlagnahmungen vor allem von Hunden und eine deutlich höhere Verweildauer wegen schwieriger Vermittlungen führt Vierthaler als wesentliche Gründe für die Kostensteigerungen an. „Das können wir auf Dauer nicht mehr stemmen“, betont der Vorsitzende und fügt hinzu: „Und es kann auch nicht unsere Aufgabe als Verein sein, über nicht bezahlte Leistungen öffentliche Haushalte zu subventionieren.“

Deshalb hat der Tierschutzverein die mit der Stadt Aachen und der Städteregion abgeschlossenen Verträge vorsorglich zum 31. Dezember 2019 gekündigt. Und anschließend um Gespräche über eine neue, kostendeckende Regelung gebeten. „Die Städteregion hat darauf sehr schnell reagiert“, berichtet Lutz Vierthaler. In der Tat hat sich der eigens aus diesem Anlass von den neun Altkreis-Kommunen gebildete Arbeitskreis nicht nur zügig mit dem Anliegen beschäftigt, sondern den beteiligten Ordnungsämtern innerhalb von zwei Wochen auch einen Vorschlag unterbreitet. Dieser sieht vor, dass der Zuschuss für das Tierheim in den Jahren 2020 bis 2022 jeweils auf 290.000 Euro und für 2023 und 2024 noch einmal um 10.000 Euro aufgestockt werden soll. Das entspricht im Wesentlichen dem, was der Tierschutzverein im Vorfeld gefordert hatte. Lediglich für die letzten beiden Jahre liegt das Angebot um 20.000 Euro unter der vorgelegten Kalkulation.

„Die Städteregion hat die Unterdeckung unseres Budgets und unseren Bedarf anerkannt“, freut sich Lutz Vierthaler. Von dieser Seite kann er frühzeitig mit Planungssicherheit rechnen. Denn schon an diesem Donnerstag wird sich der Städteregionsausschuss mit dem Thema beschäftigen. Und dem Vernehmen nach wird eine deutliche politische Mehrheit der Empfehlung der Verwaltung folgen. Diese verweist in ihrer Begründung auf die hohe Qualität der Arbeit, den steigenden Aufwand, der mit dem Betrieb des Tierheims verbunden sei, und auf die Planungssicherheit, die ein fünfjähriges Vertragswerk nicht nur für den Verein, sondern auch für die kommunalen Kämmerer schaffen würde.

In Aachen ist man davon offenbar noch weit entfernt. „Hier hängen wir leider in der Luft“, berichtet der Vorsitzende, dass die Stadtverwaltung seit Wochen auf eine noch laufende Prüfung verweise. Rita Klösges vom städtischen Presseamt tut dies ebenfalls. „Es gibt derzeit keinerlei Hinweise darauf, dass die Stadt Aachen ihren Zuschuss erhöhen wird“, erklärt sie auf Anfrage unserer Zeitung. Weder aus der Politik noch aus der Verwaltung seien Initiativen bekannt, die auf eine stärkere Unterstützung des Tierschutzvereins abziele.

Lutz Vierthaler will dennoch vorerst die Ruhe bewahren: „Ich bin guter Dinge, dass wir eine Lösung finden werden.“ Bis zu den Sommerferien sieht er noch Spielraum. Diese beginnen in gut sieben Wochen. Gibt es bis dahin keine Einigung mit der Stadt Aachen, will der Vorsitzende auf seine anfangs erwähnte Aussage zurückkommen. Dann allerdings ganz ohne Konjunktiv.

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