Aachen: Finanzen: Dem Theater wird ein Ziel vorgegeben

Aachen: Finanzen: Dem Theater wird ein Ziel vorgegeben

Auf dem Weg zur Sitzung im Proberaum des Sinfonieorchesters war Kämmerin Annekathrin Grehling hintersinnig auf den passenden Platz hingewiesen worden: Das Dirigentenpult sei doch vielleicht angemessen. Sie habe aber keineswegs vor, das Geschehen am Theater zu dirigieren, betonte Grehling später im Betriebsausschuss für das Theater.

Die Vorgabe allerdings, der Musentempel solle künftig 16 Prozent seines Finanzbedarfs selbst erwirtschaften, sorgte für reichlich Gesprächsstoff bei den Kulturpolitikern. Beim Theater Aachen sei „wirtschaftliches Handeln gängige Praxis“, betonte SPD-Ratsfrau Sibylle Reuß, sie halte es jedoch für „problematisch“, den Kostendeckungsgrad von 16 Prozent zu erreichen. Den sieht aber die „Zielvorgabe“ vor, der neben der CDU und der FDP letztlich auch die Sozialdemokraten zustimmten.

Teile der Opposition konnten sich dagegen mit dem Entwurf der Verwaltung gar nicht anfreunden. Der sei „systematisch nicht sinnvoll gemacht“, kritisierte Pirat Gunter von Hayn. Mit der Zielvereinbarung „knebeln und fesseln wir uns für Jahre“, befand Matthias Fischer von den Linken. Der geforderte Konsolidierungsbeitrag sei nur durch „massive Preiserhöhungen und andere Dinge, die dem Theater schaden“ zu erbringen. Fischer warnte zudem vor bedenklicher Arbeitsverdichtung bei den Beschäftigten.

Auch die Grünen lehnten die Zielvereinbarung als „ungeeignetes Instrument“ ab. „Das ist so, als wollten sie mit einer Pauke ein Konzert für Geige spielen“, sagte ihr Sprecher Hermann Josef Pilgram. Er bezweifelt, dass nennenswerte Einsparungen am Theater möglich seien, ohne Strukturen zu verändern. Um dieses Ziel zu erreichen, seien Maßnahmen notwendig, „die wehtun“.

Wirklich wehtun will dem Theater aber niemand. Vertreter aller Parteien betonten ebenso wie die Verwaltung die Verantwortung der Stadt für die Kultureinrichtung, deren Arbeit allseits gelobt wurde. Die umstrittene Marke von 16 Prozent sei jedoch keinesfalls aus der Luft gegriffen, betonte Kämmerin Grehling. Ihr selbst sei zwar ein um zwei Prozentpunkte höherer Kostendeckungsgrad noch lieber gewesen, doch die in der Zielvereinbarung festgeschriebene Zahl entspreche einem Ergebnis, dass das Theater selbst vor Jahren schon einmal erreicht habe.

„Hoch ambitioniert“

Seinerzeit hätten besondere Faktoren dazu beigetragen, erklärte Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck. „Theaterspezifische Einnahmen“ in dieser Größenordnung seien jedoch in seiner inzwischen 13-jährigen Amtszeit noch nie erzielt worden. Die Zielvorgabe selbst sei ja „nichts Böses“, sagte Schmitz-Aufterbeck, den darin vorgegebenen Kostendeckungsgrad bezeichnete er allerdings als „utopisch“.

Die Sorge um die Machbarkeit teilten auch die Liberalen. FDP-Kulturpolitikerin Ruth Crumbach-Trommler wollte denn auch nur zustimmen „mit dem Vorbehalt, dass das Ziel auch zu erreichen ist“.

In der Tat sei ein Kostendeckungsgrad von 16 Prozent „hoch ambitioniert“, befand auch die Christdemokratin Margrethe Schmeer, „aber irgendeine Marke muss man ja nennen“. Und Kulturdezernentin Susanne Schwier beruhigte: „Wenn es nicht leistbar ist, ziehen wir hier die Reißleine.“ Diese Möglichkeit sehe die Zielvereinbarung vor.

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