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Corona-Zahlen klettern weiter: Fieberkurve in Aachen steigt in kritischen Bereich

Corona-Zahlen klettern weiter : Fieberkurve in Aachen steigt in kritischen Bereich

Der sogenannte Inzidenzwert von 35 Corona-Infizierten ist in Aachen am Freitag mit 40 Neu-Infizierten pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen überschritten worden. Heißt: Das erste Notfallszenario nach dem Lockdown ist in der Stadt Aachen ab sofort Realität. Dennoch kann das Heimspiel der Alemannia am Samstag wie geplant stattfinden.

Spätestens seit Freitag hat die Fieberkurve angesichts der Coronavirus-Pandemie auch bei den Behörden in Stadt und Städteregion den alarmierenden Höhepunkt erreicht. Die Sieben-Tage-Inzidenz wird berechnet aus der Zahl der Neu-Infizierten binnen einer Woche, dividiert durch die gesamte Bevölkerungszahl und multipliziert mit 100.000. Am Donnerstag lag die Quote in der gesamten Städteregion demnach noch bei „nur“ 27,9. Am Freitag wurde für den gesamten Altkreis bereits ein Wert von 30,4 ermittelt. So stieg der Anteil der aktuell nachgewiesenen Infektionen in der Städteregion um insgesamt 36 Personen gegenüber dem Vortag auf 182. Allein in Aachen wurden am Freitagmorgen 109 akute Fälle registriert, am Donnerstag waren es noch 95, am Mittwoch 80. Insgesamt sind in Aachen bislang 1395 Erkrankte gemeldet worden, in der gesamten Städteregion waren bis Freitag 2812 Fälle gemeldet – mit erheblichen Abweichungen im Vergleich der Kommunen.

Mindestabstand jetzt zwei Meter

Auch wenn der Inzidenzwert von 50 – der weitere Verschärfungen mit sich bringt – in Aachen (noch) nicht erreicht ist, steigt der Handlungsdruck für die verantwortlichen Stellen. Konkret: Nach der jüngsten Landesverordnung müssen Mindestabstände bei öffentlichen Veranstaltungen zwei statt bislang 1,50 Meter betragen. Nur Personen, die in einem gemeinsamen Haushalt leben, dürfen näher zusammenrücken. An sanitären Anlagen und Einlässen müssen Kontrollen vorgenommen werden, damit Abstände und Hygienevorschriften wie Mund-Nasen-Schutz eingehalten werden. Sitzpläne müssen erstellt und dokumentiert werden. Dabei sind Veranstalter und auch Gastronomen, wie berichtet, verpflichtet sicherzustellen, dass auf den Präsenzlisten keine Fantasienamen, offensichtlich falsche Adressen notiert werden oder gar unleserlich geschrieben wird. Es droht ein Bußgeld von 250 Euro. Ferner müssen Masken bei öffentlichen Veranstaltungen nun auch auf Sitzplätzen getragen werden, bei musikalischen Darbietungen oder Sportveranstaltungen darf das Publikum keinesfalls (mit)singen. Für die Außengastronomie gilt: An Stehtischen dürfen nur fest zugewiesene Plätze eingenommen werden, sie müssen mindestens zwei Meter vom übrigen Straßenraum entfernt sein.

Private Feste in öffentlichen Räumen, wie zum Beispiel Hochzeiten, dürfen nur mit maximal 50 statt bislang 150 Teilnehmern stattfinden, außerdem müssen sie mit einem Vorlauf von mindestens drei Werktagen beim Ordnungsamt angemeldet werden.

„Natürlich ist das für die Betroffenen, wenn sie etwa eine größere Feier geplant haben, besonders bitter“, erklärte Linda Plesch vom städtischen Presseamt am Freitag auf Nachfrage. „Allerdings sind sie im Vorfeld darauf hingewiesen worden, dass sie die Zahl ihrer Gäste kurzfristig entsprechend reduzieren müssen, falls die Notfallregelungen, wie jetzt geschehen, in Kraft treten.“ Gästelisten müssen gegebenenfalls noch während der Veranstaltung aktualisiert werden. Im Übrigen werde das Ordnungsamt in den kommenden Tagen natürlich weiter intensiv kontrollieren, dass die Vorgaben auch eingehalten werden, und gegebenenfalls Bußgelder erheben. So werden laut Plesch 500 Euro Strafe fällig, wenn eine private Feier in öffentlichen Räumen nicht rechtzeitig angemeldet worden ist.

Bleibt die Frage, ob die statistische Kurve der Neu-Infektionen auch in Aachen schon bald über 50 ansteigt – mit weiteren Konsequenzen zum Beispiel für kulturelle Angebote. Zurzeit sind die Sicherheitsabstände etwa im Theater Aachen indes bereits größer als bislang vorgeschrieben, wie das Haus mitteilte. „In jedem Fall sind die Angaben des Gesundheitsamts ausschlaggebend, wenn es darum geht, weitere Maßnahmen festzulegen“, betonte Holger Benend, Sprecher der Städteregion. Die Zahlen, die das Berliner Robert Koch-Institut zuletzt für das Grenzland herausgegeben habe, liegen nämlich teils erheblich unter jenen, die vor Ort ermittelt wurden – was unter anderem auf eine gewisse Zeitverzögerung im Informationsfluss zwischen den politischen Ebenen zurückzuführen ist.

Angesichts dieser Gemengelage nahm der Freitag für Alemannia Aachen noch ein glimpfliches Ende – auch wenn das differenzierte Hygienekonzept für das Heimspiel am Samstag gegen Mönchengladbach II (14 Uhr) kurzzeitig überholt schien. Dann aber gab der Krisenstab angesichts der umfassenden Sicherheitsmaßnahmen für Einlass und Aufenthalt grünes Licht. Damit nicht genug: Das Konzept erhielt um die Mittagszeit auch noch die Genehmigung seitens des Landesgesundheitsministeriums. Bis auf weiteres können also vorerst 5200 Zuschauer plus stille Reserve die Spiele im Tivoli verfolgen. „Wir haben das sicherste Stadion in Deutschland“, verspricht Stadion-Manager Bernd Deil.

Abwarten wollen die Verantwortlichen der Volleyballerinnen „Ladies in Black“ die weitere Entwicklung vor der Heimpremiere am 10. Oktober. Ob die stattfindet, wird in der zweiten Wochenhälfte entschieden.