Aachen: FH Aachen geht das erste Mal im Rosenmontagszug mit

Aachen : FH Aachen geht das erste Mal im Rosenmontagszug mit

Da steht er, „sein“ Karnevalswagen. Jan-Frederik Niehues kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Aus der schnell gemachten Skizze im vergangenen November während des Seminars „Produktdesign“ ist ein wunderschöner, bunter Kamellewagen geworden, mit dem die Fachhochschule (FH) Aachen im Rosenmontagszug mitgehen wird.

Der 19-Jährige kann seinen Blick kaum abwenden, so sehr hat ihn der Wagen in seinen Bann gezogen.

Unverkennbar: FH-Rektor Marcus Baumann ziert den Karnevalswagen. Foto: Ralf Roeger

Bauchgefühl hat nicht getäuscht

Kein Wunder: Für Niehues und seine Kommilitonen war es die erste Möglichkeit in ihrem gerade erst aufgenommenen Design-Studium, etwas Bleibendes zu entwerfen. Doch die Tragweite war ihnen allen nicht bewusst. „Hätte ich geahnt, dass wir den Entwurf dem Rektor vorstellen müssen und ich jetzt hier stehen würde, wäre ich nicht so frei an die Aufgabe heran gegangen und hätte mehr nachgedacht“, sagt er.

So ist er vor allem seinem Bauchgefühl gefolgt. Und das hat ihn offensichtlich nicht getäuscht. Die Vorgaben des Rektorats an die Studenten lauteten lediglich, dass das Design die städtische Wissenschaftskampagne „Future Lab“ (Zukunftslabor) aufgreifen und alle zehn Fachrichtungen der FH darstellen solle. Alles Weitere war ihrer Fantasie und Kreativität überlassen.

„Beim Stichwort Zukunft kam mir als erstes der DeLorean aus dem 1980er-Jahre-Film ‚Zurück in die Zukunft‘ in den Sinn“, sagt Jan-Frederik Niehues. Den hat er deshalb zum zentralen Element seines Entwurfs gemacht. Auf dem Wagen thront FH-Rektor Marcus Baumann mit einer Art Magnetspulen-Zepter in der Hand. Umgeben von Molekülstrukturen, die die Wissenschaft symbolisieren, fährt die Zeitmaschine in Richtung Zukunft. Aus dem Auspuff steigen regenbogenfarbene Abgase, die in einer Glühbirne münden. Die Glühdrähte formen die Buchstaben „FH“.

Aber auch die anderen Entwürfe hatten es in sich. Konrad Krämer, Personalratsvorsitzender und Leiter des Karnevalsprojekts, gibt zu, dass der Jury die Entscheidung nicht leicht gefallen sei. „Es gab viele gute Ideen“, sagt er. „Letztlich haben wir aber auch geschaut, was überhaupt umsetzbar ist.“ Die lila Krake mit den zehn Armen — einen für jede Fachrichtung — von Kristina Troschkin zum Beispiel lag bis zum Schluss hoch im Kurs, sei aber kaum realisierbar gewesen.

Aber auch, wenn nur einer gewinnen kann — gelernt haben die Erstsemester alle etwas. „Mir ist klar geworden, dass es nicht auf die Arbeitsstunden ankommt, die man in die Ausarbeitung steckt, sondern allein auf die Idee“, sagt Kristina Troschkin. Anneli Lux ergänzt: „Jeder Auftraggeber hat auch einen anderen Geschmack. Den kann man nicht immer auf Anhieb treffen.“ Der Wettbewerb habe sie auf jeden Fall um einige Erfahrungen reicher gemacht.

Doch allein mit der Idee war es natürlich nicht getan. „Jetzt ging die Arbeit eigentlich erst richtig los“, sagt Krämer. Über 200 Meter Vierkantrohr verschweißten die Mitarbeiter der mechanischen Werkstatt zu einer tragenden Konstruktion. 304 Schlossschrauben wurden verbaut, über 1000 Holzschrauben und rund 60 Quadratmeter Resopalplatten. „Ich habe allergrößten Respekt vor den Jungs“, sagt Krämer. Bei Wind und Wetter hätten sie draußen gearbeitet und den Wagenaufsatz konstruiert.

Alle sind stolz auf das Ergebnis

Für Industriemechaniker Marcel Aueron war es eine neue Herausforderung. „Die Meister in der Werkstatt haben mir freie Hand bei der Ausführung gelassen“, sagt er. „Ich habe den Wagenaufsatz komplett selbst geplant, berechnet, das Material bestellt und es mit Hilfe der Azubis gebaut.“ Auch er schaut stolz zum fertigen Wagen auf. „Wir hatten ein Ziel vor Augen, und das haben wir erreicht“, sagt er.

Die Gewinnerskizze weitergedacht, ihr den letzten Feinschliff verpasst und sie umgesetzt hat schließlich der Kulissenmaler Kai Savelsberg. Und er hat nicht nur Rektor Baumann hervorragend getroffen. Auch das Future-Lab-Logo hat er noch eingebaut, auf dem fiktiven Kennzeichen steht „Alaaf“ und als Fahrer des DeLorean lässt sich die Kontur von Konrad Krämer erahnen. „Ich sollte plötzlich einen Moment still halten, und als ich wieder aufschaute, saß ich im Wagen“, sagt Krämer und lacht. Das Ergebnis ist detailreich, bunt und absolut karnevalstauglich.

Wenn es nach Konrad Krämer geht, fährt der Wagen nicht nur dieses Jahr im Rosenmontagszug mit. „Ich bin so überzeugt von dem Endprodukt — wir werden damit sicher einige Züge bestreiten“, sagt er. „Das Design ist zeitlos. Die Hochschule ist immer auf dem Weg in die Zukunft; das ist unser Auftrag.“ Mitfahren und rund eine Tonne Wurfmaterial unter die Leute bringen, werden neben dem Rektor und ihm selbst Vertreter aller vier Hochschulgruppen: Studenten, Verwaltungsbeschäftigte, Wissenschaftliche Mitarbeiter und Professoren. Jeder war dazu aufgerufen teilzunehmen.

Jan-Frederik Niehues hat den Aufruf verpasst. Zusammen mit seiner Freundin und seinen Eltern muss er den Rosenmontagszug wohl vom Straßenrand aus verfolgen. „Oder darf ich noch mitfahren?“, fragt er vorsichtig. „Klar darfst du“, sagt Krämer ohne lange nachzudenken.

Der angehende Designer kann es kaum fassen. Sein eben noch ungläubiger Blick weicht einem strahlenden Lächeln. Die Überraschung macht sein Glück perfekt.

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