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Aachen: Feuerwehr Aachen testet „Gaffer Stop“-Sichtschutz gegen Glotzer

Aachen : Feuerwehr Aachen testet „Gaffer Stop“-Sichtschutz gegen Glotzer

Lästige Gaffer sollen den Rettern nicht im Weg stehen und möglichst nichts zu gucken und zu filmen haben: Als erste Wehr testet die Aachener Feuerwehr ein neuartiges flexibles Sichtschutzsystem, das an Unfallstellen, vor allem auf Autobahnen und an Bundesstraßen, zum Einsatz kommen soll. Nächste Woche geht der „Gaffer Stop“ in den Alltagsbetrieb.

Am Donnerstag stellten die Erfinder das System gemeinsam mit Vertretern der Feuerwehr in der Feuerwache Nord vor.

Auf deutschen Autobahnen ist das trauriger Alltag: Schaulustige behindern die Erstversorgung von Unfallopfern, verursachen zusätzliche Staus und versuchen womöglich auch noch, die Verletzten mit dem Handy zu filmen. „Bisher stehen dann häufig Einsatzkräfte mit Decken da, um die Unfallstelle notdürftig abzuschirmen“, beschreibt Aachens Feuerwehrchef Jürgen Wolff. Alternativ müssten massive Sichtschutzwände von den Autobahnmeistereien zeitaufwändig herbeigeschafft werden.

„Mit dem ‚Gaffer Stop‘ haben wir nun ein flexibles System vor Ort, und die Leute, die bisher die Decken halten mussten, können sich effektiv um die Bergung der Verletzten kümmern“, sagt Wolff. Er ist überzeugt: „Damit können wir künftig ganz anders arbeiten.“

Drei Jahre lang getüftelt

Jürgen Duesmann dürfte diese Worte gerne gehört haben. Drei Jahre lang hat der Metallbaumeister aus dem westfälischen Gronau gemeinsam mit seinem Freund Dieter Dankbar, Klempnermeister aus Ochtrup, an dem System getüftelt. Interesse an der Entwicklung gibt es durchaus. Aber die Aachener Feuerwehr ist der erste Kunde, der den flexiblen Sichtschutz gekauft hat und nun einsetzen wird.

Der „Gaffer Stop“ besteht aus patentierten Halterungen, die sich mit wenigen Handgriffen an Leitplanken oder Betongleitwänden befestigen lassen. Mit einem zusammensteckbaren Rohrsystem werden dann mehrere strapazierfähige Sichtschutztücher daran angebracht. „Zwei Leute können das in zehn Minuten aufbauen“, erklärt Duesmann. Inklusive Einsatzkoffer wiegen alle nötigen Einzelteile nicht mehr als 18 Kilo. 16 Meter Sichtschutz lassen sich damit im Handumdrehen aufbauen. Ein Koffer samt Inhalt ist für rund 1900 Euro zu haben.

Die Aachener Feuerwehr hat etwas mehr angelegt und den „Gaffer Stop“ individuell für ihre Bedürfnisse zusammengestellt. Kostenpunkt: 5500 Euro. „Mit dem Material können wir 60 Meter Sichtschutzwand aufbauen“, beschreibt Philipp Schroeder, Leiter des Bereichs Technik bei der Feuerwehr Aachen. Gemeinsam mit den Entwicklern des Systems hat er seit Jahresbeginn daran gearbeitet, den Prototypen weiter zu verbessern und „feuerwehrtauglich“ zu machen. Nun sind zum Beispiel die Halterungen so konstruiert, dass man sie auch mit dicken Feuerwehrhandschuhen gut anpacken und befestigen kann.

Sogar sturmerprobt

Schroeder geht davon aus, dass die Aachener Wehr den „Gaffer Stop“ vor allem an Autobahnen einsetzen wird, wo es an beiden Seiten Leitplanken gibt. Ein Rüstfahrzeug, das den Kranwagen der Feuerwehr begleitet, wird das flexible Sichtschutzsystem künftig dabei haben. Diese Fahrzeuge rücken zu schweren Unfällen aus, womöglich mit eingeklemmten Verletzten.

Übrigens hält der „Gaffer Stop“ auch eine ordentliche Portion Wind aus. Als Sturmtief „Friederike“ im Januar über Deutschland hinwegfegte, montierte Dieter Dankbar fünf Meter der Sichtschutzwand auf einem großen Überseecontainer. Zwölf Stunden, erzählt Dankbar, habe dieser Testlauf gedauert. Und der „Gaffer Stop“ hat dem Sturm standgehalten.