Feuerwehr Aachen braucht neue Wache im Süden

Rettungsdienst Aachen : Die Feuerwehr meldet weiteren Platzbedarf an

Was der sogenannte Brandschutzbedarfsplan bereits zutage geführt hat, wird nun auch durch das neue Gutachten für den Rettungsdienst in der Stadt belegt: Die Aachener Feuerwehr hat einen steigenden Platzbedarf. Dreh- und Angelpunkt bleibt eine neue Wache im Aachener Südwesten, für die ein geeignetes Grundstück dringend gesucht wird.

Von einem „schwierigen Prozess“ sprach Feuerwehrchef Jürgen Wolff am Dienstag im Umweltausschuss, wo er nicht zum ersten Mal über die gewachsenen Ansprüche an die Feuerwehr informierte. Ein Beleg dafür sind die gestiegenen und weiter steigenden Einsatzzahlen in der Notfallrettung, auf die man bereits im vergangenen Jahr reagiert hat und die nun ein erneutes Umdenken erforderlich machen. So zeigt das Gutachten für den neuen Rettungsdienstbedarfsplan, dass vor allem in den nördlichen und südlichen Randbereichen die Zeitspanne von acht Minuten vielfach nicht eingehalten werden kann, die zwischen der ersten Alarmierung und dem Eintreffen des Rettungswagens liegen soll.

Eine Verbesserung erhofft sich die Feuerwehr vom Neubau des Gerätehauses der Freiwilligen Feuerwehr in Richterich, wo dann ebenfalls ein Rettungswagen stationiert werden soll, und von einem weiteren neuen Standort an der Monschauer Straße. Insgesamt würde es dann inklusive der Hilfsdienste Rotes Kreuz, Malteser und Johanniter neun Rettungswachen im Stadtgebiet geben, die die Notfallversorgung sicherstellen sollen.

Eine deutlich verbesserte Verteilung der Rettungs- und Notarztfahrten könne aber vor allem auch durch den Bau einer vierten Wache für die Berufsfeuerwehr erzielt werden, heißt es im Gutachten. Präsent ist sie derzeit in der Hauptwache an der Stolberger Straße sowie in Kornelimünster und auf Melaten. Eine weitere müsste im Bereich der Monschauer Straße hinzukommen, sind die Brandschützer und Rettungskräfte seit längerem überzeugt. Die Grundstückssuche erweist sich jedoch als überaus schwierig.

Hinzu kommt, dass sich die Ansprüche an die vierte Wache längst vergrößert haben. Denn Platz sollte dort idealerweise auch für eine neue Werkstatt der Einsatzfahrzeuge sein, die einst an der Stolberger Straße repariert werden konnten und aktuell in einem Provisorium auf dem Speditionsgelände Hammer gewartet werden. Angesichts des erwarteten Personalzuwachses und der geplanten Erweiterung des Fuhrparks müssen dringend neue Lösungen gefunden werden, wie Wolff am Mittwoch eindringlich erklärte.

So sei bei den jüngsten Planungen für den dritten Bauabschnitt an der Hauptwache ein Baukörper entworfen worden, der auf dem vorhandenen Areal gar nicht mehr zu realisieren ist. Untergebracht werden müssten darin die Kfz-Werkstatt, die Logistik, Lager und Desinfektionseinrichtungen. Man habe sich bereits bei den Nachbarn nach Erweiterungsmöglichkeiten erkundigt, erklärte Wolff. Doch weder die gemeinnützige Wohnungsgesellschaft Gewoge zur einen Seite, noch die Schrebergärtner zur anderen Seite könnten eine Lösung bieten. Auch der Bolzplatz an der Breslauer Straße komme für einen Feuerwehr-Neubau nicht in Frage, da keine direkte Anbindung zur Hauptwache geschaffen werden kann.

So ruhen alle Hoffnungen auf eine neue vierte Wache, die dann eben nicht nur Platz für neue Lösch- und Rettungsfahrzeuge haben soll, sondern auch für eine Werkstatt, die Wolff auch für die Nachwuchsgewinnung und Ausbildungszwecke für dringend erforderlich hält. Die Standortwahl ist heikel, denn auch Wolff betont: „Wir sind keine guten Nachbarn.“ Lärm gehört bei der Feuerwehr nicht nur wegen der vielen Sirenen zum guten Ton. Auch die Gerätschäften wie Fahrzeuge, Pumpen oder Kettensägen müssen Tag für Tag getestet werden.

Favorit unter den Grundstücken ist aus Sicht der Feuerwehr derzeit eine Fläche am Sportplatz an der Robert-Schuman-Straße in Siegel, die aber nach derzeitigem Stand gar nicht zur Verfügung steht, weil sie halt für sportliche Zwecke reserviert ist. Geprüft werde zudem die Wiese am Eismännchen in Siegel neben dem Forstamt.

Zuletzt wurde auch Camp Hitfeld ins Gespräch gebracht. Für ideal hält Wolff das nicht, da die weitere Entwicklung des Geländes noch lange auf sich warten lassen wird und er zudem eine schnelle Anbindung an die Monschauer Straße für nötig hält. Die aber ist hoch umstritten, weil der Zufahrt ein Stück Wald geopfert werden müsste.

So dauert der „schwierige Prozess“ und die Suche nach einem passenden Gelände für die vierte Wache an. Rat- und hilflos nahmen es die Politiker weitgehend schweigend zur Kenntnis.

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