Feuerwehr Aachen braucht dringend Nachwuchs

Feuerwehr Aachen kämpft um den Nachwuchs : 2019 erstmals zwei Lehrgänge für angehende Feuerwehrleute

Die Stadt Aachen braucht Personal. An allen Ecken und Enden. Ganz massiv fehlen Fachkräfte zum Beispiel in der Kinderbetreuung – und bei der Feuerwehr.

Von 428 Vollzeitstellen in seinem Stellenplan seien 40 bis 60 derzeit nicht besetzt, berichtet Feuerwehrchef Jürgen Wolff. Und das Problem wird eher noch größer. Denn die Aachener Feuerwehr wird in Zukunft mehr Personal brauchen. „Wir müssen raus aus dieser misslichen Lage“, steht für Wolff deshalb fest, „wir müssen dringend etwas tun.“ Ansetzen will man vor allem beim großen Thema Ausbildung.

So will die Aachener Feuerwehr im kommenden Jahr erstmals zwei Laufbahnlehrgänge für den mittleren Dienst einrichten. Für angehende Feuerwehrleute, die am 1. April 2019 ihre Ausbildung beginnen, ist das Auswahlverfahren bereits gelaufen. Zusätzlich soll aber auch am 1. Oktober 2019 ein weiterer Lehrgang starten. Das Auswahlverfahren ist fürs Frühjahr geplant. Mittelfristig ist aber auch vorgesehen, dass die Feuerwehr ihren eigenen Nachwuchs handwerklich ausbildet. Denn eine abgeschlossene Ausbildung ist auch heute noch Voraussetzung für eine entsprechende Karriere.

Beinharter Sporttest

Wer Feuerwehrmann oder -frau werden will, muss schon einige Voraussetzungen vorweisen. Wer die Laufbahn im mittleren Dienst anstrebt, muss bereits einen Gesellenbrief mitbringen. Die jungen Leute haben also eine in der Regel dreijährige Ausbildung absolviert. Gerne gesehen waren und sind technische Berufe. „Da geht es um Kenntnisse, von denen die Feuerwehr profitiert“, erklärt Wolff. In Zeiten massiven Fachkräftemangels allerdings darf auch die Feuerwehr nicht wählerisch sein. „Wir können es uns nicht erlauben, auf gute Leute zu verzichten“, betont der Feuerwehrchef. „Und wenn ein gelernter Bankkaufmann mit ein paar Jahren Erfahrung bei der Freiwilligen Feuerwehr kommt, dann wäre es doch fahrlässig, so einen vom Haken zu lassen.“

In der Vergangenheit war der Wechsel in die Feuerwehrausbildung auch noch mit massiven finanziellen Einbußen verbunden. Wolff ist sehr froh, dass neue gesetzliche Regelungen es seit 2017 erlauben, das Ausbildungsgehalt so aufzustocken, dass die Anwärter bereits 90 Prozent ihres späteren Brandmeistergrundgehalts erreichen. Und auch dann verdient ein Anwärter noch weniger als 2000 Euro.

Warten auf die neue Werkstatt

Um mehr junge Menschen für die Feuerwehr zu gewinnen, will man in Aachen die vorgeschaltete Ausbildung künftig sogar selbst anbieten. „Wir wollen selbst ausbilden“, erklärt Wolff, „das geht aber erst, wenn wir eine neue Werkstatt gebaut haben.“ Im Umfeld der Hauptwache an der Stolberger Straße, so viel steht mittlerweile fest, gibt es keine Entwicklungsflächen für so ein Projekt. Angedacht ist nun, die Werkstatt an der neuen, vierten Wache zu bauen, die im Aachener Südwesten entstehen soll. Als Standort im Gespräch ist Siegel. Bis zur Umsetzung würden aber noch zwei bis vier Jahre vergehen, schätzt Wolff. Vorstellen kann er sich, in Sachen Ausbildung mit dem Stadtbetrieb oder dem Theater zusammenzuarbeiten.

Will bei der Nachwuchsgewinnung neue Wege gehen: Aachens Feuerwehrchef Jürgen Wolff. Foto: ZVA/Michael jaspers

Nicht nur beim Nachwuchs für den mittleren Dienst steht die Feuerwehr in Konkurrenz zur freien Wirtschaft. Bewerber für den gehobenen Dienst kommen in der Regel mit einem abgeschlossenen naturwissenschaftlich-technischen Studium, sagt Wolff. „Bei den Gehältern, die die Industrie Berufseinsteigern zahlt, können wir aber nicht mithalten. Bei uns gehen die Anwärter zwei weitere Jahre zur Schule mit einer Bezahlung, die halb so hoch ist wie in der Industrie.“ Da sei die Feuerwehr kaum konkurrenzfähig.

Allerdings schafft es längst nicht jeder Bewerber oder jede Bewerberin tatsächlich in die Feuerwehrausbildung. Besonders der Sporttest ist beinhart.

„Viele scheitern am Sport“, weiß der Feuerwehrchef. Obendrauf müssen die Bewerber noch ihre Höhentauglichkeit auf der 30-Meter-Drehleiter beweisen und die Atemschutzübungsstrecke überstehen. „Von 250 Bewerbern bleiben letztlich etwa 20 übrig“, sagt Wolff aus Erfahrung. „Und von denen suchen wir uns in persönlichen Gesprächen dann 16 aus.“

Die Zahl der Frauen bei der Aachener Berufsfeuerwehr kann man derzeit noch an einer Hand abzählen. Auch das soll sich ändern. Frauen wolle man zum Beispiel über die Notfallsanitäter-Ausbildung den Weg zur Feuerwehr ebnen, sagt Wolff. Die dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter hat die Ausbildung zum Rettungsassistenten abgelöst und ist nun die höchste nichtärztliche Qualifikation im Rettungsdienst. Hier sieht Wolff gute Perspektiven für Frauen. „Wer mit einer Ausbildung zum Notfallsanitäter kommt, kann sich in zwölf Monaten zur Feuerwehrfrau oder zum Feuerwehrmann ausbilden lassen.“

Alle diese Maßnahmen zur Nachwuchsgewinnung bei der Feuerwehr stehen im Entwurf des „Zugangskonzepts Feuerwehr“. Derzeit liege der Entwurf bei Aachens Personaldezernent Markus Kremer. Die Politik muss das Paket ebenfalls billigen und verabschieden. Dass die Feuerwehr neue Leute braucht, dürfte aber außer Frage stehen. Denn die Stadt wächst und muss feuerwehrtechnisch versorgt werden. „Allein für die vierte Wache werden wir 50 zusätzliche Leute brauchen“, sagt Wolff. Dabei fahren seine Leute aufgrund des Personalmangels schon jetzt zusätzliche Schichten und häufen Überstunden an.

Mehr von Aachener Nachrichten