Aachen: Feldahorn „Elegant“ sticht Parkplätze aus

Aachen : Feldahorn „Elegant“ sticht Parkplätze aus

Der Feldahorn „Elegant“, ein Straßenbaum von schmalem und aufrechtem Wuchs, soll in der Weberstraße wachsen und gedeihen. Das jedenfalls empfiehlt der Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz. Der Mobilitätsausschuss möge beschließen, in der Weberstraße für den eleganten Ahorn 15 neue Baumfelder anzulegen.

Die Weberstraße, die sich vom Boxgraben entlang des Luisen-hospitals bis zum Barbarossaplatz erstreckt, zählt zum „Vorsorgebereich Stadtklima“. Der ist laut Verwaltung gekennzeichnet durch das „Risiko für ausgeprägte Hitzeinseln“. Neben vielen Wohnhäusern liegen das Luisenhospital und die Senioreneinrichtung Haus Cadenbach im direkten Umfeld. Grün gibt es ringsum nur wenig.

Die Verwaltung begründete ausführlich, wie wichtig es in dicht bebauten Vierteln der Innenstadt sei, neue Baumstandorte zu schaffen. Der Masterplan Aachen 2030 sieht denn auch vor, 10.000 neue Stadtbäume zu pflanzen. Wie schwierig das umzusetzen ist, zeigt sich in den politischen Gremien immer wieder. Wenn es etwa beim Aus- oder Umbau von Straßen um die Alternative Parkplatz oder Baum geht, setzen sich oft die Autofreunde durch. Das tun sie wahrscheinlich mit Blick auf den unter Parkdruck stöhnenden Wähler.

Weshalb sich die Verwaltung große Mühe macht, auch für den Umweltausschuss die vielen positiven Eigenschaften von innerstädtischen Bäumen aufzuzeigen: Verbesserung der Luftqualität durch Filterung von Staub und gasförmigen Verunreinigungen; Verbesserung des Mikroklimas durch Temperaturausgleich in Hitzephasen; Reduzierung von Lärm-Wahrnehmungen; Erhöhung der Identifikation der Bewohner mit ihrem Wohnumfeld; Wasserspeicherung; Lebensraum und Nahrungsquelle für Tiere; Bindung von CO2 und Produktion von Sauerstoff; Aufwertung von Straßen, Plätzen und Wohnstandorten; Steigerung der Aufenthaltsqualität.

Im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz läuft die Verwaltung mit ihrer Baum-Offensive offene Türen ein. Auch im Fall Weberstraße. Dort erneuert die Stawag zur Zeit den Kanal. Sinnvoll und kostengünstig also, bei der Wiederherstellung der Straße durch die Stawag seitens der Stadt gleich die Felder für neue Bäume anzulegen. So die erwünscht sind.

Die Umweltpolitiker wünschen. 15 Bäume sollen neu gepflanzt werden. Im Abschnitt Barbarossaplatz-Bahnbrücke sechs, von der Brücke bis zum Boxgraben neun. Im ersten Abschnitt entfielen dadurch sechs von 60 Parkplätzen, im zweiten fünf von 50, macht insgesamt also elf. Die 2 x 3,5 Meter großen Baumfelder ermöglichen neben dem Baumschutzgitter auch, zwei Fahrradbügel mit ausreichendem Abstand zum neuen Baum zu schaffen. Macht insgesamt 60 Abstellplätze für Fahrräder. 102 000 Euro Kosten fallen an.

„Es wird immer die Konkurrenz zwischen Parkplätzen und neuen Baumpflanzungen geben“, warb Elmar Wiezorek, Leiter des Fachbereichs Umwelt, für mehr Grün. Um den Parkdruck in der Weberstraße zu reduzieren, sei „perspektivisch die Planung und Einführung einer Parkzone U vorgesehen“. Eine Perspektive, die wegen bestehender Parkzonen-Prioritäten in anderen Stadtteilen allerdings erst in den kommenden Jahren bearbeitet werden könne.

„Ausgesprochen lobenswert, auch wenn Parkplätze entfallen“, unterstützte Jörg Hofmann (Die Linke) das Baum-Ziel für die Weberstraße. „Als Umweltpolitiker sagen wir Ja. Wenn wir langfristig am Klima etwas drehen wollen, müssen wir konsequent Bäume pflanzen“, befand Iris Lürken (CDU). Heike Wolf (SPD) bewertete die Ahorn-Aktion als „zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“

Da blieb Kaj Neumann nur noch ein zufriedenes „Wir von den Grünen freuen uns.“ Mit freundlich-leichtem Hieb empfahl er den christdemokratischen Umwelt-Mitstreitern, die CDU möge sich auch in anderen Ausschüssen dafür stark machen, gerne mal Parkplätze gegen Bäume auszutauschen.

Die Umweltpolitiker jedenfalls stimmten geschlossen für 15 neue Bäume in der Weberstraße. Sie müssen abwarten, was die Auto-Lobby dazu sagt.

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