Aachen: Feinstaubgrenzwerte werden immer öfter überschritten

Aachen: Feinstaubgrenzwerte werden immer öfter überschritten

Aachens Luft ist nichts für schwache Lungen, warnt der Verkehrsclub Deutschland VCD, der auf jüngste Berechnungen des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) verweist. Demnach wurde der Grenzwert für Feinstaub bis Ende September in Aachen bereits an 39 Tagen überschritten. Erlaubt sind nur 35 Tage im ganzen Jahr.

Als Hauptverursacher hat der VCD den motorisierten Verkehr ausgemacht, weshalb er nun wesentlich stärkere Anstrengungen fordert, die Bedingungen für Radfahrer und Busfahrgäste zu verbessern. Auch eine Umweltzone dürfe nicht länger ein Tabu sein, sagt der VCD. Immerhin könne dadurch nach Berechnungen des Umweltbundesamtes die Feinstaubbelastung um bis zu zwölf Prozent gesenkt werden. „Wenn Aachen das Ruder im Verkehrsbereich nicht energisch herumreißt“, so der VCD, führe an der Umweltzone „kein Weg mehr vorbei“.

Zum jetzigen Zeitpunkt sei dies in der Verwaltung jedoch noch kein Thema, sagt Harald Beckers vom städtischen Presseamt. Seit längerem verfolge man die besorgniserregende Feinstaubentwicklung, für die bislang allerdings nur eine plausible Erklärung gefunden wurde: „Auslöser ist wahrscheinlich die riesige Baustelle am Kaiserplatz.“

Insbesondere Dieselfahrzeuge würden üblicherweise die Feinstaubbelastung in die Höhe treiben, doch da deren Filtertechnik immer besser werde, lasse sich die hohe Zunahme der Überschreitungstage damit kaum erklären, erläutert Beckers. „Es müssen andere Faktoren als der Autoverkehr dazu beitragen.“ Die Baustelle kommt auch dehalb in Betracht, weil die Luftmessgeräte ganz in der Nähe an der Wilhelmstraße stehen.

Tatsache aber ist, dass sehr viel Feinstaub in der Luft ist, durch den Atemwegs-, Herz-Kreislauf- oder gar Krebserkrankungen ausgelöst werden können. Die Stadt stehe daher laut Beckers eng mit dem Lanuv und der Bezirksregierung in Kontakt, um die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Nach wie vor sei mein überzeugt, mit dem Luftreinhalteplan auf dem richtigen Weg zu sein und damit auch eine Umweltzone vermeiden zu können.

Das Maßnahmenbündel gelte als vorbildlich und werde auch in anderen Städten aufmerksam verfolgt, sagt Beckers. Brennstoffverordnung, Jobticket, Förderung des Radverkehrs und der E-Mobilität sind nur einige Ansätze, die zur Luftverbesserung beitragen sollen und als wirksamer als eine Umweltzone angesehen werden.

Der VCD ist dennoch überzeugt, dass „kurzfristig“ mehr für Radfahrer und Busfahrgäste getan werden muss, da deren Bedingungen „alles andere als komfortabel“ sind. In Aachen werde daher immer noch für mehr als die Hälfte der Wege das Auto benutzt, in Freiburg oder Münster seien es dagegen weniger als 40 Prozent.

(gei)
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