Feierliche Eröffnung der Yunus-Emre-Moschee in Aachen

Aachen : Feierliche Eröffnung der Yunus-Emre-Moschee in Aachen

Manch ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Die waren sicher schon gesprochen worden, als Ministerpräsident Armin Laschet nach mehr als zwei Stunden zum nächsten Termin aufbrechen musste und die ausgiebigen Feierlichkeiten zur Eröffnung der neuen Moschee immer noch nicht zum gewünschten Ergebnis, der offiziellen Einweihung, geführt hatten.

Deshalb wurde spontan eine Führung für ihn und Oberbürgermeister Marcel Philipp vorgezogen. Beide Politiker und die Spitzen des türkisch-islamischen Vereins Ditib standen unter der lichtdurchfluteten Kuppel der Yunus-Emre-Moschee, als ein junger Mann vom Jugendvorstand die Idee hatte: Bitte den kleinen Finger emporrecken, also den Klenkes — das aus der Nadelindustrie stammende weltweite Erkennungszeichen aller Aachener. Und prompt hoben alle Notabeln das Öcher Symbol in die Höhe. Das war sie, die Erklärung, weshalb dieses Neubauprojekt in der westlichsten Großstadt so gut wie keine Proteste hervorgerufen hat — im Gegensatz zu vergleichbaren Vorhaben in anderen deutschen Städten.

Schließlich steht der Dachverband der deutschen Moscheegemeinden Ditib immer wieder in der Kritik, weil er zu eng mit der türkischen Regierung verflochten sei und seine Imame etwa verdächtigt wurden, Gemeindemitglieder auszuspähen. Kein Wunder also, dass die Zeremonie vor 1200 Gästen im Ostviertel auch von einem Team des türkischen Staatsfernsehens TRT aufgenommen wurde. Doch derartige Vorwürfe haben in Aachen nie eine Rolle gespielt: „Wir haben hier sehr vertraute Akteure vor Ort. Das ist anders als in anderen Moscheen, wo aus der Türkei immer wieder neue Leute aufgebaut werden“, erklärte OB Philipp vorab die Aachener Ausnahmesituation.

Anschaulich demonstrierten das auch die beiden Moderatoren Bernd Büttgens und Çetin Saltan, die die Einweihung moderierten. Stadtsprecher Büttgens: „Das ist für mich eine besondere Ehre. Wir haben auch schon die Grundsteinlegung vor sieben Jahren zusammen moderiert und sind zusammen zum Geschwister-Scholl-Gymnasium gegangen. An der Tankstelle hier haben wir uns Süßigkeiten geholt.“

Alte Tankstelle war ungenügende Unterkunft

Diese Tankstelle am Zwickel der Stolberger Straße mit der Elsassstraße war nämlich die erste, provisorische und ungenügende Unterkunft für die türkischen Muslime, bevor sie sich auf den weiten Weg zu einem Neubau machten, 8,5 Millionen Euro teuer und ausschließlich aus Spenden und Einnahmen finanziert. In den schlechten alten Zeiten mussten an hohen Feiertagen viele der 900 Gemeindemitglieder draußen vor der Tür bleiben und ihr Gebet gen Mekka auf Plastikteppichen verrichten. Und nur langsam ging es mit den Arbeiten voran, die Außenarbeiten sind immer noch nicht ganz abgeschlossen.

Dafür erntete das, was bisher entstanden ist, von allen Seiten Lob. Der Aachener Architekt Serdar Aymen hat ein weißes Gebäude mit schmalen, senkrechten Fensterbändern und einem schlanken, 40 Meter hohes Minarett entworfen. Die neue Moschee bietet Platz für 600 Betende.

Das vierstöckige Gemeindezentrum mit einer Gesamtfläche von 6000 Quadratmetern beherbergt neben dem zentralen Gebetssaal eine Cafeteria, zwölf Sozialwohnungen, eine Bibliothek und Gemeinschaftsräume für Kulturveranstaltungen und Bildungskurse. Das Gotteshaus und Begegnungszentrum ist nach dem im 13. Jahrhundert lebenden Volksdichter Yunus Emre benannt. Die Kuppel ist mit 99 Kalligrafien des Namen Gottes verziert, einzigartig in der Welt — hob stolz der Gemeinde-Vorsitzende Abdurrahman Kol hervor.

„Wir haben Aachen als zweite Heimat ins Herz geschlossen und das aus eigener Kraft geschafft“, sagte er weiter. Die Moschee sei ein Wahrzeichen für das friedliche Miteinander und diene als Begegnungszentrum der kulturellen und sozialen Integration im multikulturellen Ostviertel der Stadt. „Die Tür steht hier jedem offen.“ Kol bat aber auch, nicht zum ersten Mal, um mehr Unterstützung durch Stadt und Land NRW. Er hoffe, dass die Stadt den Platz an der Straßengabelung als Moscheeplatz ausweise, schließlich gebe es schon einen Dom- und einen Synagogenplatz.

Toleranz, Respekt, Vertrauen, Miteinander und Integration sind Thema

„Die Yunus-Emre-Moschee gehört zu Aachen und wird ein Haus für alle Aachener sein", bekräftigte auch Oberbürgermeister Marcel Philipp. Das Gotteshaus sei ein Symbol für das tolerante und friedliche Miteinander in der multikulturellen Stadt. Das Gemeindezentrum schaffe „ein Miteinander, das jenseits aller Feste auch dann hält, wenn es gilt, sich gemeinsam jenen entgegenzustellen, die unser Zusammenleben stören wollen."

Ministerpräsident Armin Laschet erinnerte daran, dass die Bundesrepublik 1961 ein Anwerbeabkommen mit der Türkei geschlossen hat, sich anschließend aber nicht um die religiöse Betreuung gekümmert habe: „Der Islam gehört zu Nordrhein-Westfalen und die 1,5 Millionen Muslime sind selbstverständlich Teil unserer Gesellschaft", betonte Laschet. "Wir stehen zusammen und lassen uns unsere friedliche Gesellschaft nicht durch Hass kaputt machen." Die Aachener Ditip-Gemeinde habe immer ausgestrahlt, weltoffen zu sein. „Es wäre wünschenswert, wenn jedes Aachener Kind einmal den Dom, die Synagoge und die Moschee besuchen würde.“

Von Toleranz, Respekt, Vertrauen, Miteinander und Integration war in fast allen Redebeiträgen die Rede. Der seit langem in Aachen etablierte „Dialog der Religionen“ wurde auch dadurch offenkundig, dass evangelische und katholische Pfarrer aus der Nachbarschaft gemeinsam das rote Band mit dem Imam der Moschee durchschnitten. Geehrt und auf die Bühne geholt wurden viele, die über Jahre zum Gelingen des großen Projekts beigetragen haben, unter anderem Alt-Bischof Heinrich Mussinghoff, Ex-Baudezernentin Gisela Nacken und Superintendent Hans-Peter Bruckhoff. Der türkische Generalkonsul Barış Ceyhun Erciyes zeigte sich ebenfalls sehr angetan: „Auch mit diesem Projekt hat die Stadt Aachen gezeigt, dass sie eine besondere Stadt ist.“

Nach Auskunft der Polizei verlief die Feier, die von der Gemeindejugend mit roten Rosen für die Ehrengäste organisiert worden war und mit Fingerfood und Musik ausklang, ohne besonderen Vorkommnisse. Vorsichtshalber waren die Ordnungshüter mit nicht unerheblichen Kräften angerückt.

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