Aachen: Feierabendmarkt: Chillen zwischen Äpfeln und Salatköpfen

Aachen : Feierabendmarkt: Chillen zwischen Äpfeln und Salatköpfen

Warum es bald in Aachen einen Feierabendmarkt gibt, ist eigentlich einfach zu erklären. „Ich kaufe gerne ein, aber ich komme nicht dazu, weil ich arbeiten muss“, sagt Susanne Nagel, „ich will hier einen Markt.“ Den bekommt die Veranstaltungsorganisatorin jetzt, direkt vor ihrem Büro im Alten Schlachthof.

Dass der dafür eine gute Kulisse abgeben könnte, war ulkigerweise auf Mallorca aufgefallen. Dort waren Guido Bauer und Heijo Prümper in eine Markthalle geraten, die sie beeindruckend fanden. „Wir haben uns gesagt, dass so etwas in Aachen fehlt“, erzählt Guido Bauer, „und wir wussten auch schon genau, wo es hinkommen soll.“

Die im Winter auf den Balearen entstandene Idee wird ab Donnerstag kommender Woche nun umgesetzt, wenn auch mit leichten Abwandlungen. Das klassische Wochenmarkt-Sortiment soll künftig jeden Donnerstagabend zwischen 17 und 21 Uhr nicht in einer Halle, sondern unter freiem Himmel präsentiert werden.

Einstweilen zumindest, denn der Traum vom festen Dach über den Köpfen von Händlern und Kunden ist nicht ausgeträumt. Bauer, Nagel und ihre Mitstreiter haben schon eine Halle „ins Auge gefasst“. Und wenn es gut laufe, müsse es ja nicht nur beim Donnerstag bleiben, sinniert Guido Bauer.

Vom Erfolg ihres „innovativen Wochenmarktes“ nach Feierabend sind die Macher überzeugt. Sie setzen auf das Motto: „Treffen, Einkaufen. Genießen.“ Denn auf dem rund 700 Quadratmeter großen Areal an der Metzgerstraße soll es nicht nur Obst, Gemüse, Wurst, Käse, Blumen und Backwaren geben, sondern auch Streetfood, Kaffeespezialitäten oder Crêpes. „Das soll nicht nur ein Markt für die Wochenendeinkäufe sein“, sagt Susanne Nagel, sondern etwas, wo man mal zwei Stündchen verbringen und das Ambiente des alten Schlachthofgeländes genießen kann.“ Zu diesem Zweck hat sie „Chill-Out-Zonen“ geschaffen, passende Musik soll eine Atmosphäre schaffen, in der die Kundschaft den Abend ausklingen lässt und sich auf das nahende Wochenende einstimmt.

Denn natürlich müssen sich die Organisatoren etwas einfallen lassen, um die Besucher ins Quartier Aachen-Nord zu locken. Eine zentrale Lage kann man dem Alten Schlachthof sicher nicht nachsagen. „Aber dieses Flair ist einzigartig“, schwärmt Bauer. Er rechnet weniger mit Laufkundschaft, sondern eher mit Besuchern, „die gezielt hierher kommen“. Für Parkplätze sei gesorgt, sagt er, zudem sei der Markt auch mit der Aseag gut zu erreichen.

Ein paar Besucher sind jetzt schon garantiert: Die Aachener FDP wird sich schon deshalb interessiert auf dem Feierabendmarkt umsehen, weil sie sich für ein ähnliches Angebot in der Innenstadt stark macht. „Es ist grundsätzlich die gleiche Idee“, sagt Rainer von Courbière, der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Ratsfraktion. Allerdings liegt den Liberalen viel daran, Marktbeschicker in der Innenstadt zu postieren.

Konkret haben sie den Bereich um den Markt im Visier. „Damit würde man ein Gegengewicht zum Aquis Plaza schaffen“, meint von Courbière. Mit frischem Obst und Gemüse zum Feierabend könnte nach Ansicht der FDP im Umfeld des Rathauses ein Einkaufsambiente geschaffen werden, das auch dem Einzelhandel und der Gastronomie nutzen würde. „Die profitieren davon, wenn da Leben ist“, sagt der wirtschaftspolitische Sprecher.

Er verweist zudem auf den demografischen Wandel, der auch die Einkaufsgewohnheiten verändere. Die „klassische Hausfrau“, die morgens auf dem Markt ihre Besorgungen mache, sei der berufstätigen Frau gewichen, die das nach der Arbeit erledigen wolle.

Wie die Idee der FDP umgesetzt werden könnte, beschäftigt derzeit die Verwaltung. Nicht auszuschließen ist deshalb, dass es sogar mal zwei Feierabendmärkte in Aachen gibt.

Mehr von Aachener Nachrichten