Aachen: Fehlerdiagnose mit der Datenbrille

Aachen: Fehlerdiagnose mit der Datenbrille

„Wir haben die Selbstständigkeit im Blut“, sagt Dr. Markus Große Böckmann, einer der Geschäftsführer des Aachener „Spin-off“-Unternehmens „oculavis“ an der Vaalser Straße. Er und seine Mitstreiter Philipp Siebenkotten und Martin Plutz haben ihren Traum in die Tat umgesetzt.

Sie gründeten vor zwei Jahren ein Unternehmen, das Firmen mit innovativen Ideen und Lösungen bei Produktion und Wartung unter die Arme greift.

Schon am Fraunhofer Institut hat Große Böckmann mit Datenbrillen experimentiert, aber das war ihm nicht genug. „Wir wollten unsere Ideen weiterverfolgen und zur praktischen Anwendung bringen“, sagt er. Und das ist tatsächlich gelungen: Heute stattet „oculavis“ Firmen unter anderem so aus, dass Techniker nicht mehr vor Ort sein müssen, um etwaige Maschinenprobleme in der Produktion zu beheben.

Mit einer digitalen Brille (Smart Glasses) und einem Tablet schaltet sich der Techniker zu, wenn — wo auch immer — sein Rat gefragt ist. „Oculavis“ sorgt für die entsprechende technische Ausstattung und die genau an die Bedürfnisse der jeweiligen Firma angepasste Software, um das möglich zu machen.

Offensichtlich kommt dieses Angebot bei den Firmen weltweit gut an. Zu den Kunden zählen Bosch, Daimler, Saint Gobain und viele mehr. Und „oculavis“ ist unter den Finalisten des Deutschen Gründerpreises, der am 11. September verliehen wird. „Ganz großartig“ findet Professor Malte Brettel, Prorektor für Wirtschaft und Industrie der RWTH Aachen, das, was die jungen Leute da leisten. Hand in Hand sorgen die RWTH, der Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft und Europa und auch das Wissenschaftsbüro der Stadt Aachen dafür, dass solche „Spin-offs“ in Aachen einen guten Nährboden finden.

Fundgrube innovativer Ideen

„Die drängenden Fragen unserer Zeit werden von Start-ups gelöst“, sagt Dieter Begaß, Fachbereichsleiter Wirtschaft, Wissenschaft und Europa. Demnach sind die Technischen Universitäten eine Fundgrube innovativer Ideen. „Und die sollten nicht in der Schublade versauern“, meint Professor Brettel. „Oculavis“ sei ein Beispiel dafür, wie es gelingen könne, innovative Errungenschaften zu vermarkten, meinen alle Beteiligten gleichermaßen.

„Auch mit Blick auf den Strukturwandel spielt ihr Unternehmen eine große Rolle“, meint Begaß. Demnach werden in Aachen 50 bis 60 neue Start-ups pro Jahr gegründet. Und so entstehen etwa 1000 neue Arbeitsplätze pro Jahr.

„Für ‚oculavis‘ ist Aachen genau der richtige Standort“, ist Große Böckmann überzeugt, „denn hier gibt es keine großen internationalen Firmen, die uns die Mitarbeiter wegschnappen könnten.“ Wer bei „oculavis“ einsteigt, kommt meist direkt von der Uni. Die Firmensprache ist Englisch, und die Mitarbeiterschaft ist international. „Wir stehen noch ganz am Anfang“, sagt Große Böckmann. Er strebt in den nächsten Jahre eine Größenordnung von 50 bis 60 Mitarbeitern an.

Für die RWTH und die Stadt Aachen ist „oculavis“ das Vorzeigeunternehmen in Sachen „Wissenschaftsstadt Aachen“. Denn gerade am Beispiel dieser Firma könne man den Nutzen von Forschung und Wissenschaft sehr gut verdeutlichen. „Die Innovation heute ist das Wachstum von morgen“, betont Peter Gronostaj, Leiter des Wissenschaftsbüros der Stadt. Und dass die drei Firmengründer sich auch auf dem chinesischen Markt versuchen wollen, hält Brettel für ein Charakteristikum der Start-ups überhaupt: „Die jungen Firmengründer gehen die Sachen an, ohne sich lange mit Bedenken aufzuhalten“, sagt er.

Alle sehen jetzt mit großer Spannung dem Finale des Deutschen Gründerpreises im September entgegen. Erste Preise hat die Firma bereits eingeheimst.

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