Aachen: FDP will Aachen vor Abwärtstrend retten

Aachen: FDP will Aachen vor Abwärtstrend retten

Wilhelm Helg machte das souverän. Der FDP-Fraktionsvorsitzende ist unprätentiös, ein Mann ohne Eitelkeiten, der als aussichtsloser Kandidat der Liberalen am 25. Mai gegen Oberbürgermeister Marcel Philipp antritt. Das tut er mit einem sehr guten Ergebnis auf der Kreiswahlkonferenz der Liberalen, die ihn später mit rund 86 Prozent der Stimmen auch auf Platz eins der Reserveliste wählten.

Und Helg griff in seiner Antrittsrede bei der Kreiswahlversammlung auf Schloss Schönau insbesondere die Politik der ehemals grün-schwarzen Koalitionäre hart an. In dieser Koalition hätte niemand gewusst, „wer ist der Koch und wer ist der Kellner“, unkte Helg und deutete nicht nur an, dass die Grünen in dieser Stadt die Hosen anhaben und nicht die einst so mächtige CDU. So müsse man den Eindruck haben, dass die Politik nahtlos in die Verwaltung übergehe, überall hätten die Grünen Schlüsselpositionen besetzt und befeuerten eine anhaltende „Abwärtsspirale“ für Aachen.

Über Krokodile

Es sei noch schlimmer. Die CDU sei weder Koch noch Kellner, nachdem man sich in das „Krokodil“- und das „Pflanzenfresser“-Lager gespalten habe. Helg spielte auf die Tage mächtiger Auseinandersetzungen in der größten Ratsfraktion an, der am Ende der bewährte Fraktionsvorsitzende Harald Baal zum Opfer fiel. „Wir waren als Opposition auch die Einzigen“, erinnerte Helg, „die konsequent und von Anfang an gegen die 240-Millionen-Investition der Campus-Bahn gekämpft haben“.

Doch kaum sei das Übel abgewendet, habe eine große Mehrheit im Rat — dazu gehörten auch die Sozialdemokraten — für die Erhöhung der Gewerbesteuer von 445 auf 475 Prozentpunkte gestimmt, gegen die FDP natürlich. Und die neue Fraktionsführerin der CDU, Maike Schlick, habe bereits angekündigt, dass der Gewerbesteuerzug noch weiter gehen könne, 490 bis 500 Punkte würden diskutiert.

Dabei müsse genau das Gegenteil in Aachen vonstatten gehen. Traurig sei es, mit ansehen zu müssen, wie die Innenstadt veröde und der Einzelhandel unter der Entwicklung leide. Der Markt sei durch seine schlechte Erreichbarkeit besonders gefährdet, hier müsse dringend wieder eine Buslinie am Rathaus vorbeigeführt werden. Der zweitplatzierte Kandidat, Peter Blum, schlug in dieselbe Kerbe.

Die beiden großen Parteien, CDU und SPD, würden einfach kritiklos dem „Mainstream der Grünen“ folgen. Sigrid Moselage als Dritte im Bunde wünschte sich dringend mehr „gesunden Menschenverstand“ in der politischen Debatte, ideologische Scheuklappen solle man beiseite lassen.

Die Listen

Die ersten Sechs der Reserveliste wurden in Einzelwahl bestimmt. Stimmberechtigt waren 29 Anwesende, gewählt wurden: Wilhelm Helg, 25 Ja-, 4 Nein-Stimmen; Peter Blum, 23 Ja-, 5 Nein-Stimmen; Sigrid Moselage, 26 Ja-, 1 Nein-Stimme; Gretel Opitz, 27 Ja-, 2 Nein-Stimmen; Birgit Haveneth, 26 Ja-, 2 ungültige Stimmen, Klaus Vossen, 22 Ja, 5 Nein-Stimmen.

Die weiteren 14 Plätze wurden mit großer Mehrheit zwischen 26 und 28 Ja-Stimmen gewählt: Kerstin Arlt, Dietmar Spotke, Frank Hansen, Ruth Crumbach-Trommler, Axel Weise, Sabine Stolten, Philipp Rohde, Asghar Adami, Nils Brodowski, Günter Hülsen, Georg Helg, Angela Mehring-Yavuz, Peter Koch und Eckhard Blum.

Die Direktkandidaten der Wahlbezirke 1 bis 32 sind: Wilhelm Helg (Zentrum), Günter Hülsen (St. Jakob), Ute Ketteniß (Hanbruch), Philipp Rohde (Hörn), Jan Steffen (Ponttor, West), Cliff Gatzweiler (Ponttor, Ost), Harald Nadzeyka (Monheimsallee), Frank Hansen (Jülicher Straße), Favian Müller-Lutz (Kaiserplatz), Florian Niewöhner (Adalbertsteinweg), Philipp Steiff (Panneschopp), Elke Bohrer (Rothe Erde), Angela Mehring-Yavuz (Forst), Tobias Kollig (Frankenberg), Marcel Gausmann (Driescher Hof), Georg Helg (Beverau), Thomas Haveneth (Burtscheider Abtei), Sigrid Moselage (Steinebrück), Tanja Vogts (Marschiertor), Joachim Moselage (Hangeweiher), Peter Blum (Brand Nord), Dietmar Spotke (Brand Süd), Peter Koch (Eilendorf), Andreas Graf (Eilendorf), Daniel George (Haaren Nord), Gretel Opitz (Kornelimünster), Birgit Haveneth (Walheim), Axel Weise (Vaalserquartier), Ruth Crumbach-Trommler (Laurensberg), Kerstin Arlt (Richterich), Eckhard Blum (Haaren Süd) und Nils Brodowski (Kullen).

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