Aachen: Fasziniert von dem Mut der Domwache

Aachen: Fasziniert von dem Mut der Domwache

Alexander Koerfer ist in der zwölften Klasse der Viktoriaschule und möchte am liebsten Pilot bei der Lufthansa werden. Aber der Achtzehnjährige ist auch frisch gebackener Landesmeister im bundesweit ausgeschriebenen Geschichtswettbewerb. Wie passt das zusammen? „Eigentlich gar nicht”, meint Alex schmunzelnd.

Er liebt das Fach Geschichte, sitzt im Leistungskurs und hat sich daher an dem von Bundespräsident Horst Köhler ausgelobten Wettbewerb der Körber-Stiftung mit dem Motto „miteinander-gegeneinander? Jung und Alt in der Geschichte” beteiligt. Ziel dieses Wettbewerbs ist es, dass sich junge Menschen mit der Geschichte ihrer Region auseinandersetzen.

„Tapferkeit und Treue”

Das Thema des Oberstufenschülers könnte daher kaum besser gewählt sein: „Die Aachener Domwache im 2. Weltkrieg”, mit dem aus einem Original-Emblem stammenden Untertitel „Tapferkeit und Treue retten den Aachener Dom”.

Viele Aachener haben schon einmal von der Geschichte gehört, die von den Jugendlichen, der Brandbombe und der Rettung des Doms erzählt. Auch Alexanders Mutter erinnerte sich nebulös daran und gab ihrem Sohn beim Abendbrot den Tipp, sich doch mal auf Spurensuche zu begeben, als es um das passende Thema für den Wettbewerb ging. Hochmotiviert machte sich Alex ans Werk und wurde fündig.

Herausgekommen sind 80 Seiten spannende Stadtgeschichte, angefüllt mit historischem Hintergrund, Interviews mit Zeitzeugen und viel Bildmaterial. Doch bis dahin waren es arbeitsreiche sechs Monate, mussten doch die Recherchen neben dem normalen Schulbetrieb, dem Amt des Schulsprechers und der aktiven Teilnahme am Schülerzirkus laufen.

Im September letzen Jahres ging es los, im Februar war Abgabetermin. Doch der junge Mann arbeitete konzentriert am Thema, so dass selbst sein Geschichtslehrer Harald Egerland, der die Arbeit Korrektur las, anmerkte: „Alex arbeitete absolut selbstständig an dem Thema, und die Arbeit hat die Qualität einer Seminararbeit an der Uni.

Er war fasziniert von dem Thema.” Fasziniert und beeindruckt von dem, was sich vor 60 Jahren in Aachen abgespielt hat, ist der „Viktorianer” noch immer. Wenn er von den 18 jungen Leuten im Alter zwischen 12 und 24 Jahren erzählt, die unter der Leitung von Stefan Buchkremer die als Domwache bekannt gewordene Löschtruppe bildeten, wird deutlich, wie intensiv er sich mit der Geschichte auseinandergesetzt hat.

Intensive Recherche beim Karlspreis- und Dombauverein, im Stadtarchiv und eine WDR-Dokumentation ergaben jede Menge an Informationsmaterial. Doch die Gespräche mit den letzten beiden noch lebenden Zeitzeugen waren für Koerfer am eindrucksvollsten. „Das war superspannend, vor allem auch durch das umfangreiche Fotomaterial, was die Situation für mich noch mal verbildlichte.”

Aufgewühlt erzählt er vom Tod eines Jugendlichen aus der Truppe, der sich bei dem letzten Bombenangriff auf den Dom schützend über seine Freundin warf und selbst von Bombensplittern getötet wurde, während das Mädchen unverletzt blieb.

Mehr von Aachener Nachrichten