Aachen: Faszinierende Blicke hinter den Eisernen Vorhang

Aachen: Faszinierende Blicke hinter den Eisernen Vorhang

Ein Franzose war der erste ausländische Fotograf überhaupt, der zwei Jahre nach dem Tod Stalins einen Blick hinter den Eisernen Vorhang in die Sowjetunion werfen durfte. Die auf den ersten Blick unscheinbar wirkenden, auf den zweiten Blick faszinierenden Schwarz-Weiß-Fotos von Henri Cartier-Bresson zeigt jetzt das Internationale Zeitungsmuseum (IZM) in Aachen.

Bis zum 28. Oktober sind in Zusammenarbeit mit der Fotoagentur Magnum in Paris und der Fondation Cartier-Bresson unter dem Titel „Russia” herausragende Arbeiten Cartier-Bressons zu sehen.

„Die 48 Exponate dieses weltberühmten Fotografen, der auch als Vater des modernen Fotojournalismus bezeichnet wird, sind die meistveröffentlichten Cartier-Bressons überhaupt. Sie passen allein deshalb hervorragend in den Rahmen und Anspruch unseres Hauses”, betonte Museumsdirektor Andreas Düspohl. Neben ihm begrüßte Oberbürgermeister Marcel Philipp die Gäste. „Zeitungen und ihre Texte leben vielfach durch Bilder. Personen, Stimmungen, Darstellungen von Situationen, in der sich ein Land befindet sowie viel Symbolik sehen wir in dieser Ausstellung”, sagte Philipp.

Bilder würden oftmals auf einen Blick mehr Informationen liefern, als ein Text es jemals könnte. „Das macht die Faszination Foto aus. Diese Ausstellung zeigt auf, wie wir heute Russland begegnen können. Möglichkeiten dazu bietet nicht zuletzt unser Partnerschaftsverein Aachen-Kostroma”, betonte der Oberbürgermeister. Keine Frage, dass auch viele Mitglieder, Freunde und Förderer der Städtepartnerschaft zwischen Aachen-Kostroma der Vernissage beiwohnten.

Durch Andrea Holzherr von der Pariser Agentur Magnum sprach anschließend der Meister selbst, denn sie las Zeilen aus einem Brief vor, den er anlässlich seiner ersten Foto-Reise in die Sowjetunion verfasst hatte. 1955 und 1973 fotografierte der Franzose den Moskauer Kreml, ein Porträt des Schriftstellers Maxim Gorki am Gorki-Palast, Einblicke in eine Moschee, eine Volksschule, ein Tanztheater in Estland und eine Likörfabrik in Aserbaidschan. Alltagsszenen mit jungen Mädchen und Soldaten, auf dem Markt, vor der Lenin-Bibliothek oder beim Tag des Sports im Dynamo-Stadion fesseln den Betrachter.

„Im Mittelpunkt steht immer der Mensch in der Gemeinschaft, auf der Arbeit und in der Freizeit. Der Fotograf ist hier als Beobachter im Einsatz”, erklärt Holzherr. Den einzigen russischen Satz, den Cartier-Bresson kannte, war „Der Kamerad Dolmetscher steht da drüben”. „Und so konnte sich der Fotograf ganz seiner Arbeit widmen, während der Dolmetscher sein Vorhaben den Menschen vor Ort erklärte”, sagt Holzherr.

Cartier-Bresson tauchte tief in den Alltag der Menschen ein, fing Stimmungen auf. Rund 18 Jahre nach der ersten Reise folgte eine zweite. „Besonders interessant ist dieser Vergleich eines Landes mit sich selbst - und der rote Faden der Kontinuität ist bei Bresson stets erkennbar”, findet Holzherr. „Die sehr gut besuchte Eröffnung dieser Ausstellung mit frühen Blicken hinter den Eisernen Vorhang lässt einen großen Erfolg der Fotoschau erahnen”, sagte Marcel Philipp.

Die Ausstellung „Russia - Fotografien von Henri Cartier-Bresson” ist bis zum 28. Oktober im Internationalen Zeitungsmuseum Aachen, Pontstraße 13, dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, zu sehen. Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 3 Euro.